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Warum ist es in Moskau so heiß?

7 August 2010

Waldbrand in der Nähe von Moskau
(Russlands Bestes – die Wälder – brennen)

Es gibt mehrere Gründe, weshalb die Luft auf der Erde ständig hin und her strömt. Der wichtigste Grund ist die Rundung der Erde; sie wird ungleichmäßig von der Sonne beschienen. Die heiße Luft wird von niedrigen Breiten (der Nähe des Äquators) zu den hohen Breiten (den Polen) gepresst. Die kalte Luft muss dann von den hohen Breiten zu den niedrigen, weil der Luftdruck nicht beliebig steigen kann.

Speziell auf der Nordhalbkugel: Sobald die heiße Luft nach Norden strömt, verdrängt sie die kalte Luft vom Nordpol in Richtung Süden. Doch kann die Luft nicht zugleich nach Norden und Süden strömen. So bilden sich längs der Längen Einbahn-Straßen, auf denen die Luft entweder nach Norden oder nach Süden fließt. Die Straßen sind dafür, dass sie selbst nur aus Luft bestehen, erstaunlich stabil. Zum Beispiel hat sich mindestens seit dem vorigen Winter über Skandinavien, Deutschland und Frankreich eine Einbahn-Straße gebildet, auf der kalte Luft vom Nordpol nach Süden strömt. Wir haben viel öfter Nordwind als früher. Die heiße Luft dagegen fließt von der arabischen Halbinsel über Persien und Russland nach Norden. Darum ist es jetzt in Moskau so heiß und das wird sich so bald nicht ändern. Die animierte Grafik zeigt das deutlich:

(In der Mitte Deutschland, am rechten Rand Russland. Schwarzrot bedeutet heiß, Gelb bedeutet kühl. Vorsicht: Die Grafik ist von www.wetteronline.de verlinkt. Sie kann sich jeden Tag ändern. Heute ist der 7.8.2010.)

Über Sibirien kommt eine zweite, viel bedeutendere Kaltluft-Einbahn-Straße vom Nordpol herunter. Sie besorgt den ergiebigen Regen in China und Indien und drückt zugleich die heiße Luft über Teheran, Astrachan und Moskau nach Norden:

(Oben am linken Rand Russland, oben Mitte und rechts Sibirien, unten links Indien, unten rechts China, Vorsicht: Auch diese Grafik kann sich jeden Tag ändern.)

Das einzig wirklich Interessante auf der Erde ist das Wetter. Staatsanwalt Franosch, Zmyj-Köbel, Willanzheimer, Jörg etc., die ganze deutsche Justiz – alles nur kleiner, fieser Mist.
Ulrich Brosa

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Stolz auf Opa

13 April 2010


[Der jüdische Friedhof in Wetter bei Marburg]

Jüdische Friedhöfe schänden wird von Jugendlichen im ländlichen Hessen als eine Art Volkssport betrieben. Zur Reichspogromnacht am 9.11.2008 war einmal mehr der Friedhof in Wetter dran.

Die Tat erregte Aufsehen, weil kurz zuvor BürgerInnen der USA den Friedhof aufgesucht hatten, und sie kam beiläufig raus, als die Wohnung eines bekannten Neonazis nach Waffen durchsucht wurde. In Wetter ging es damals hoch her: Etwa vierzig Verkehrschilder waren mit SS-Runen, Rudolf-Heß-Bildern und W wie Widerstand besprüht und die Schule war mit rechtsextremen Plakaten beklebt worden. Die 2. Machtergreifung stand kurz bevor. Darüber hätte sich hier niemand groß aufgeregt. Aber die BesucherInnen aus den USA…!

Womöglich ist dieser Neonazi nicht prominent genug. Sein Großvater jedoch ist es. Herbert Gellert, Jahrgang 1926, war 1940 schon alt genug um die Judenvertreibungen aus den heimischen Dörfern bei vollem Bewusstsein mitzuerleben:

Der zweite Weltkrieg hatte verhindert, dass er seinen jugendlichen Berufswunsch, Pfarrer zu werden, auch verwirklichen konnte. Nach Arbeitsdienst und Kampfeinsatz bei der Luftwaffe trat er 1946 in die hessische Polizei ein und versah nach der Ausbildung den größten Teil seiner Dienstzeit in Marburg, wo er es schließlich bis zum Leiter der Polizeistation Cappel brachte.

Herbert Gellert war einer der höchsten Polizeibeamten im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die GdP (Gewerkschaft der Polizei) ist des Lobes voll über ihn (POLIZEIREPORT Nr.100 Juni 2009 Seite 11).

Die Beziehung zwischen Polizei-Opa und Neonazi-Enkel wurde bekannt, als der Enkel bei der Gerichtsverhandlung (54 Ds 1 Js 9936/08 AG Marburg) am 12.3.2009 seines Opas gefühlvoll gedachte. NS-Arbeitsdienst, Kampfeinsatz bei der NS-Luftwaffe und schon 1946 bei der Polizei, das lässt jeden hessischen Enkel stolz auf Opa sein.

Apropos: Bürgermeister in Wetter ist Polizeisprecher Kai-Uwe Spanka, der zwar sein polizeiliches Amt nicht mehr ausübt, seit er Dorfschulze wurde. Doch ein Bürgermeister aus den Reihen der hessischen Polizei garantiert natürlich Sicherheit.

Ulrich Brosa