Posts Tagged ‘Lebach’

Fallschirmjäger der Bundeswehr liefern sich Kämpfe mit saarländischen Polizeibeamten

10 Juli 2008


Bild: Fallschirmjäger der Bundeswehr

Die folgende Meldung, die wir einem Provinzblatt verdanken, der Saarbrücker Zeitung vom 28./29.6.2008, ist wert im ewigen Gedächtnis des Internet bewahrt zu werden:

Lebach. Neun Soldaten der … Graf-Haeseler-Kaserne sehen Anzeigen wegen versuchter Gefangenenbefreiung … entgegen. Nach dem Fußballspiel am Mittwoch gegen 23 Uhr hatte einer aus der Gruppe der Soldaten einen Mann in Lebach mit einer Flasche attackiert. Sechs Polizisten kamen zum Tatort und wollten den Täter festnehmen. Das versuchten seine Kameraden zu verhindern. Als die Beamten Pfefferspray eingesetzt und den Täter in den Streifenwagen gesetzt hatten, warf ein weiterer junger Mann aus der Gruppe einen Stein auf den Polizeiwagen. Ein Seitenfenster zerbrach. Daraufhin flüchteten die Kameraden ….

Jeder Mensch, der sich lieber mit Wissenschaft und Kunst befasst, seufzt glücklich, wenn gewalttätige Insassen diverser Behörden sich gegenseitig beharken und ihm so ein paar Stunden Frieden schenken. Normal ist eher Folgendes:

Polizeiwagen rast in Menschengruppe

Bei einem Blaulichteinsatz in der Kölner Innenstadt ist ein Polizeiwagen in eine Fußgängergruppe gerast. Fünf Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer …

Die Meldung aus Lebach ist wirklich sehr ungewöhnlich. Wahrscheinlich wussten die Polizeibeamten, als sie gerufen wurden, nicht, dass sie mit Bundeswehr-Soldaten zu tun haben würden. Wahrscheinlich haben sie geglaubt, Fremde, sagen wir: aus der Türkei, hätten einen Einheimischen angegriffen.

Normalerweise protegieren die Insassen verschiedener Behörden sich gegenseitig. Richter beispielsweise wissen, dass ihre Urteile das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben sind, wenn nicht daraufhin irgendwelche Polizisten mit Knüppeln, Pfefferspray und Pistolen angerückt kommen. Zur Belohnung dürfen Polizisten nichtbeamtete BürgerInnen nach Lust und Laune verprügeln und vor Gericht hemmungslos lügen. Ein aktueller Fall aus Marburg wird hier bald vorgetragen – mit komplettem Urteil.

Ulrich Brosa


Nachtrag: Ein Kommentar (siehe unten) ist so bedeutsam, dass ich ihn hiermit in den Artikel aufnehme.

lebacher sagt:
19 November 2011 um 3:43 nachmittags

Als Augenzeuge kann ich die Story ja mal richtig stellen…

Die besagten Soldaten (übrigens keine Rekruten!) pöbelten betrunken, einige in Uniform, eine Gruppe von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (diese waren etwa im Alter zwischen 13 und 16) in der Nähe einer Kneipe an. Hintergrund war das Fußball-EM-Spiel Deutschland-Türkei, welches am vorangegangenen Mittwoch stattfand; Auslöser eine Türkeifahne, welche die Kids dabei hatten. Nach kurzer verbaler Auseinandersetzung ging einer der Soldaten mit einer Flasche auf einen der Migranten los. Auf der Straße begann schnell eine ungleiche Massenschlägerei, in die sich weitere, zumeist ältere Jugendliche und Soldaten einmischten. Die herbeigerufene Polizei, zunächst zwei Beamte, versuchten die Lage in den Griff zu bekommen und nahmen einen der Soldaten fest, voraufhin diese begannen, die Polizisten anzugreifen. Zunächst flogen Flaschen auf das Polizeiauto, dann rüttelten vier Soldaten am Auto und schlugen auf es ein. Im weiteren Verlauf kamen weitere Polizeikräfte hinzu, wurden aber ebenfalls von den Soldaten angegriffen. Es kam zum Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken, allerdings auch gegen die jugendlichen Opfer. Einer eintreffenden Einheit der Feldjäger gelang es schließlich unter Androhung von Schusswaffeneinsatz (!!!) ihre “Kameraden” abzuführen.
Von den Jugendlichen wurde schließlich niemand belangt aber auch niemand als Zeuge vorgeladen, Anzeigen wurden durch die Polizei nicht aufgenommen (!!!), allerdings haben dies auch nur sehr wenige versucht (unter anderem ich selbst); die meisten beiteiligten Jugendlichen sind bei Eintreffen der weiteren Beamten geflüchtet.
Unter den Jugendlichen kam es zu zahlreichen Platzwunden und Schnittverletzungen.

Über die ganze Angelegenheit wurde eine Nachrichtensperre verhängt (in Lebach kennen wir das zu Genüge, sei es, wenn es um das Landesaufnahmelager für Flüchtlinge geht oder um die Kaserne), die Anfangs noch bei Youtube veröffentlichten Handyvideos der Jugendlichen verschwanden schnell.
Leider habe ich keine Informationen darüber, inwiefern die Soldaten belangt wurden. Aufgrund des Auftretens in Uniform und des Widerstands gegen Polizei und Feldjäger sollte ihnen aber Gefängnis und anschließende unehrenhafte Entlassung gedroht haben.

Übrigens bleibe ich anonym, da ich nicht weiß, inwiefern ich für diese Schilderung belangt werden kann.