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Oberschlick und der Trottel

6 November 2013

Bild: Gerhard Oberschlick

Fotos von Gerhard Oberschlick scheint es im Internet nicht zu geben. Das Bild hier ist eine Karikatur. Um so mehr Fotos gibt es von dem:

Bild:

Oberschlick nannte ihn einen „Trottel“. Haider stellte Strafantrag gegen Oberschlick. Die österreichischen Gerichte verurteilten Oberschlick wegen Beleidigung.


Wer nicht dabei war, kann gar nicht mitreden!

Diesen Satz haben Leute wie ich unzählige Male hören müssen, wenn sie etwas über das Gemetzel im 2.Weltkrieg – besonders in Osteuropa – erfahren hatten und das Verhalten der deutschen Wehrmacht nicht uneingeschränkt gutheißen wollten.

Derartige Sprüche hat auch Jörg Haider unzählige Male geklopft in Gastwirtschaften, Bierzelten, auf Kameradschaftstreffen und sonstwo. Davon erfuhr Gerhard Oberschlick. Er nannte darauf den Jörg Haider einen „Trottel“. Denn das Jörgl war selbst zu jung, um „dabei“ gewesen zu sein. Haider hatte also sich selbst das Recht auf freie Meinungsäußerung genommen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärte schließlich die Bestrafung Oberschlicks für unvereinbar mit Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention. Die Entscheidung des EGMR war nicht einstimmig. Wer die Details wissen möchte: Hier ist das Urteil des EGMR auf Englisch:

OBERSCHLICK v. AUSTRIA (Application no. 20834/92)

„Trottel“ ist leider als „idiot“ übersetzt. Hier ist eine Kurzfassung auf Deutsch:

http://www.menschenrechte.ac.at/docs/97_5/97_5_02.htm

Das Urteil über den Fall Oberschlick gegen Österreich ist eines der wichtigsten Grundsatz-Urteile zur freien Meinungsäußerung in Europa. Es spielt darum auch eine Rolle im Fall Brosa gegen Deutschland.

Wichtig im EGMR-Urteil sind 2 Argumente:

1) Haider hatte geheizt, man kann auch schreiben: gehetzt, bevor er den „Trottel“ abbekam. Das gibt es im deutschen Strafrecht auch. Es nennt sich Recht auf Gegenschlag und wird abgeleitet aus der Wahrnehmung berechtigter Interessen: § 193 StGB, wird aber den Angeklagten nur selten zugute gehalten.

2) In einer politischen Diskussion gelten andere Regeln als im menschlich-allzumenschlichen Zank; um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erringen, müssen deftige Wörter gebraucht werden. Dieses Argument ist dem deutschen und dem österreichischen Strafrecht fremd. Im deutschen Strafrecht gibt es sogar noch mehrere Majestätsbeleidigungsparagrafen: § 188 StGB, § 90a StGB.

Viel mehr wäre zu diskutieren über das Provinzielle in Österreich im Allgemeinen und den Jörg Haider im Besonderen. Alles war ähnlich wie in Hessen.

Jörg Haider war auch nach meiner Meinung kein Wunder der Intelligenz. Es ist umso erstaunlicher, dass viel mehr Leute den Haider kennen als den Oberschlick. Gerhard Oberschlick hat mehr gemacht.

Ulrich Brosa

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Althaus die Pistensau

3 Januar 2009


Hiermit bitte ich alle weiblichen Schweine um Verzeihung, da ich sie mit Dieter Althaus (CDU), Ministerpräsident in Thüringen, vergleiche. Leider ist Pistensau der unter Menschen gebräuchliche Ausdruck für einen Schifahrer, der unbeherrscht schnell den Berg runterruscht, dabei andere gefährdet und verletzt. Genau so eine Pistensau ist D.Althaus. Althaus hat sogar jemanden umgebracht. Diese Pistensäue, oft ältere Männer, sind eine Pest. Rücksichtslos, wie sie sind, wollen sie um jeden Preis vorführen, wie fesch sie noch sind.

Online-Magazine schreiben, die Ermittler „rätselten“. Dabei ist vollkommen klar, was geschah: Einerseits hat Althausens Beschützer erklärt, er hätte Althaus nicht folgen können. Es ist allererste Pflicht jedes Personenschützers die Person, die er schützen soll, nicht aus den Augen zu verlieren. Andererseits zeigt ein Foto vom Tötungsplatz, dass Althaus hinter einem Sicherungszaun zugeschlagen hat. Er ist in ein Gebiet gerast, das eigens zum Schutz vor Leuten wie ihm eingerichtet wurde.

Althaus kachelte abwärts, wie der rote Pfeil zeigt. Althaus hätte unten vor dem Wald nach rechts schwingen müssen. Er hat aber, da er seine Geschwindigkeit nicht mehr beherrschen konnte, seine Schier nach links gelenkt um bergaufwärts langsamer zu werden und ist dabei in das grün umrandete Areal gerauscht.

Althaus ist begeisterter Motorradfahrer, Taucher, Mountainbiker und Skifahrer.

Fußballer wohl auch. Das ist alles Schwachsinn. Je mehr ein Mensch sich für Sport begeistert, desto deutlicher zeigt sich sein Mangel an Intelligenz.

Der Vorgang erinnert an das Abscheiden des Machtmenschen Jörg Haider.

Das Jörgl war betrunken mit mehr als 140 km/h in eine Straße gerast, auf der nur 70 km/h zulässig sind. Die Sache ging insofern besser aus als bei Althaus, da Haider nur ein paar Pflanzen und sich selbst umbrachte.

Die politischen Apparate sind vollgestopft mit derartigen Machtmenschen. Pistensau könnte ein anderes Wort für Politiker sein. Was ich nicht verstehe, ist, warum derartige Leute immer wieder Wähler finden.

Ulrich Brosa


Nachtrag am 8.1.2009

Der oben beschriebene Schi-Unfall ereignete sich am 1.1.2009 am frühen Nachmittag. Während am 1. einigermaßen informativ berichtet wurde, begann die deutsche Journaille schon am 2. auf die Tränendrüsen zu drücken. Althaus wurde gelobt, wie edel er auf die vorrangige Behandlung der getöteten Frau gedrängt habe und wie vernünftig er gewesen sei, weil er einen Helm trug. Wie es zum Unfall kam, wurde vernebelt: „Möglicherweise nie zu klärende Ursache …“.

In Thüringen soll 2009 der Landtag neu gewählt werden. Der Unfall wurde für Wahl-Propaganda missbraucht: „Althaus‘ Freunde eilen ans Krankenbett.“ Und sofort danach palaverten diese „politischen Weggefährten“ vor Mikrofonen und Kameras der Massenmedien. Ein Spitzenpolitiker, der auf wunderbare Weise dem Tod entrann, kann 5% oder mehr Stimmen zusätzlich einbringen. Nützlich in diesem Sinn war beispielsweise Uwe Barschels Cessna-Absturz.

Ich wollte das verhindern und schrieb in der Nacht vom 2. zum 3. den obigen Artikel. Er wurde am 3. um 1 Uhr nachts veröffentlicht und zog rasch hunderte, bald tausende LeserInnen an. Blögi wurde Top-Blog bei WordPress.

Das Nachrichtenmagazin DIE SCHERBE hatte sich am 2. an der Verneblung beteiligt. Am 4. fiel DIE SCHERBE um und stellte den Unfall so dar wie hier. Die restliche Journaille folgte bald.

Es stand schon am 2. fest, war keine „Mutmaßung“ oder „Spekulation“, dass Althaus nicht seiner Piste, der roten oder „sonnigen“, gefolgt war, sondern bergauf in die blaue oder „Panorama“-Piste hineingerast war, siehe zweites Bild oben. Bleibt noch zu beantworten, wie Althaus das getan hat.

Falsch ist beispielsweise die Spekulation des MDR, Althaus habe den Sicherungszaun waldseitig umfahren. Diese Mutmaßung verträgt sich nicht mit dem Befund, dass Althaus auf seiner rechten Körperseite verletzt wurde.

Genauer ist eine Schema-Zeichnung, die vom BLICK (der Schweizer BILD-Zeitung) veröffentlicht wurde:

Richtig ist, dass Althaus den Sicherungszaun pistenseitig umfuhr, während die bald darauf tote Beata C. auf der Panorama-Piste rechts fuhr. Nicht ganz richtig aber ist, dass Althaus geradeaus gefahren sein soll. In Wirklichkeit zog Althaus einen BOGEN UM DEN SICHERUNGSZAUN, als er mit Beata C. kollidierte. Anders sind die Verletzungen auf Althausens rechter Seite nicht zu erklären.

Beata C. wollte dicht am Zaun vorbei um talwärts zu fahren. Dieter A. fuhr dicht am Zaun vorbei um bergauf Geschwindigkeit zu verlieren und dabei nicht in die Mitte der Panorama-Piste zu geraten. Die Kollisionsstelle lag etwas weiter rechts als in der BLICK-Zeichnung. Doch das sind alles Details, die für die Beantwortung der Schuldfrage unwichtig sind.

Am genauesten ist eine Zeichnung, die von der österreichischen Zeitung Der Standard veröffentlicht wurde:

(Auf dem Bild klicken um es zu vergrößern!) Der Bogen, den Althaus fuhr, ist hier schon einigermaßen richtig, er ist nur noch etwas zu weit.

Ulrich Brosa