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Rassismus in Hessen als lustiges Volksfest

22 November 2009

Bild mit dem Richter Krug

[In der Mitte Richter Edgar Krug, neuer Direktor des Amtsgerichts Kirchhain und alter Fan des Grenzgangs in Biedenkopf. Links mit grünem Schlips sein Vorgesetzter, der damalige Präsident des Landgerichts Marburg Dr. Christoph Ullrich.]

Richter Krug auf dem Grenzgang

Grenzgänge, auch Schnadezüge oder Schnadegänge genannt, sind mehrtägige Dorffeste, bei denen Fremdenfeindlichkeit zelebriert wird. Ein Grenzgang war ursprünglich das, was ein Hund tut, der alle Bäume in seiner Reichweite bepinkelt hat. Er knurrt, bellt, fletscht die Zähne und beißt, sobald ein anderer Hund in sein erpinkeltes Reich eindringt.

Bei Grenzgängen betrampeln Einheimische die Grenze ihres Dorfs. Sie schlagen ihre Kinder und andere Menschen an den Grenzsteinen, damit sie die Grenze nie wieder vergessen. Grenzverletzer werden gelyncht. Lesen wir, was die Heimatkundlerin Pier-Bohne darüber schreibt:

Die Kenntnis der Grundstücksgrenzen zum Nachbarn ist den Menschen wichtig, seitdem es Eigentum gibt. Zunächst waren es unveränderliche Merkmale in der Natur wie Bäume, Findlinge, Bäche oder Bodendenkmäler, die als Begrenzung der Felder angesehen wurden. Auf ihre Verletzung standen martialische Strafen. Ein Grenzfrevler wurde bei lebendigem Leibe bis zum Hals eingegraben und dann mit einer Pflugschar geköpft. Es war Pflicht der Grenzgänger, ihre heranwachsenden Kinder, insbesondere die Jungen, mitzunehmen. An markanten Begrenzungspunkten versohlten sie den Kindern das Gesäß, gaben ihnen „Backpfeifen“ oder stießen sie unsanft gegen den Begrenzungspunkt, um ihnen den Grenzverlauf nachhaltig „einzubleuen“.

Quelle: Maria Pier-Bohne, Der Schnadegang, in: Westmünsterland, Jahrbuch des Kreises Borken 1998, S.227-230

Das Kopfabreißen mit dem Pflug ist ein romantisches Geschichtchen. In der Praxis wurden Grenzfrevler aufgehängt. Heutzutage werden – wenigstens im offiziellen Teil eines Grenzgangs – nur noch Scheinhinrichtungen ausgeführt. Das Dorf Goßfelden – da, wo neulich der Neonazi-Überfall war – wirbt damit. Die Scheinhinrichtung ist auf dem zweiten Bild von rechts zu delektieren. Typisch für einen Grenzgang sind auch die Burschen mit den Peitschen auf dem zweiten Bild von links. Deren Aufgabe ist es, Fremde aus dem Dorf zu jagen. Diese Verletzer der Menschenwürde heißen schamhaft „Wettläufer“, weil sie schneller laufen sollen als die fliehenden Fremden.

Bild: Grenzgang in Goßfelden 2009 mit Galgen und Peitschenschlägern

Mann beachte die zünftige Gestaltung: schwarz-weiß-rot mit ächt thoitschen Buchstahben.

Noch zünftiger als in Goßfelden geht es in Biedenkopf zu. Ich bin froh, da ich das, was dort geschieht, nicht mit eigenen Worten beschreiben muss:

Auf dem Marktplatz stehen Kopf an Kopf in festlichen Gewändern die Bürger in einzelnen Abteilungen um ihre Fahnen geschart und mit Führern an der Spitze. Hier und da tauchen in schmucker Kleidung Reiter auf, die die Vermutung aufdrängen, daß es obere Führer sind. Da plötzlich stiebt die aufschauende Menge auseinander, ein Mohr, ein leibhaftiger Mohr, anzuschauend wie einst der kriegerische Othello von Venedig, erscheint und setzt alles in Bewegung; doch zum Nachdenken ist nicht viel Zeit, denn schon wird das Auge von Neuem wieder gefesselt. Zwei Leute in bunter auffallender Bekleidung jagen an uns unter lautem Peitschenknallen vorüber und verschwinden ebenso rasch wie sie gekommen, um anderwärts ebenso wieder aufzutauchen.

Quelle: Wilhelm Mauß: Der Grenzgang zu Biedenkopf, Verlag von Max Stephani, Biedenkopf 1907.

Der Störenfried aus der Fremde wird in Biedenkopf von einem schwarz angeschmierten Mann dargestellt.

Bild: Der Mohr beim Biedenköpfer Grenzgang

Ohne schwarz-weiß-roten Hut geht es natürlich nicht. Der „Mohr“ muss ein ächt thoitscher Kolonial-Neger sein. Vergleiche Neger auspeitschen.

Auf einer Internetseite, die dem Magistrat der Stadt Biedenkopf gehört, finden wir:

Der Mohr führt tanzend mit seinem langen Säbel den Zug an, die Wettläufer umkreisen ihn pausenlos mit lautem Peitschenknallen, während alles, was laufen kann, an den drei Tagen morgens über die Grenze geht. Auf einem idyllisch gelegenen Waldplatz wird an den drei Tagen Rast gemacht. Einem mittelalterlichen Heerlager gleicht so ein „Frühstücksplatz“. Die Männergesellschaften und Burschenschaften finden sich um ihre Fahnen zusammen, und schnell ist bei hervorragendem einheimischen Bier alles eine große fröhliche Gemeinschaft.

Fremdenvertreibung als lustiges Theaterstück mit angeschlossenem Besäufnis.

Der „Mohr“ wird dingfest gemacht und zwischen Peitschen und gezückten Säbeln im Triumph durch Biedenkopf geführt. Rechts und links vom „Mohr“ marschieren die Peitschenschläger, auch in Biedenkopf „Wettläufer“ genannt. Hinter dem „Mohr“ reiten die „oberen Führer“, die in Biedenkopf „Oberste“ heißen, die Säbel zum Schlag erhoben. Der „Mohr“ trägt eine undeutsche Husaren-Uniform: Husaren waren Räuber vom Balkan, die schon immer die gutherzigen Hessen überfielen. Grimmelshausen nannte sie Kroaten. Dass so ein Kroate in Biedenkopf schwarze Haut hat, steigert Angst und Schrecken, die er erregt, natürlich beträchtlich.

Bild: Mohr in Biedenkopf zwischen Peitschen und gezückten Säbeln

[Ausriss aus der Publikation „Mortal Passion“ (tödliche Leidenschaft), Biedenkopf 2005, die Anschrift des Autors ist bekannt.]

Tatsächlich ist der Biedenkopf-Grenzgang ein militärischer Aufmarsch, bei dem hunderte stolz-deutsche Männer mit gezückten Säbeln hinter Obersten marschieren: ein schönes Brauchtum. Was würde geschehen, wenn Mitglieder eines Moschee-Vereins Demo machten, indem sie türkische Dolche schwängen? Würde die Polizei es dulden, wenn bei einer linken Demo massenweise Molotow-Cocktails geschwenkt würden?

Wenn der „Mohr“ den „Wettläufern“ entwischt, treibt er „Schabernak“. Er tut genau das, was Rassisten einem Menschen mit schwarzer Haut andichten: Er beschmutzt weiße Menschen, schon indem er sie berührt.

Bild: Mohr beschmutzt weiße Frau

Hier wird der Rassismus mit einer Prise Sexismus aufgepeppt. Das Dickerchen rechts ist alles andere als intelligent. Weniger glücklich zeigen sich diese Frauen über die schwarze Schmiere:

Bild: Der Mohr beschmutzt weiße Frauen durch Anfassen

Auch das soll lustiges Brauchtum sein. Es ist aber ein abgeschmackter rassistischer Witz, vergleichbar nur mit den dümmsten antisemitischen Witzen. Den Kindern in Biedenkopf wird der Rassismus als selbstverständlich anerzogen.

Der Grenzgang, so wie er heute ist, kam im 19.Jahrhundert auf, als das Deutsche Reich Kolonialmacht wurde und stolz-deutsche Männer Neger auspeitschten.

Deutsch-nationalistisches Gedankengut wird einem heute noch aufgedrängt. Zu Schwarz-Weiß-Rot-Fahnen dicke, bier-bäuchige Männer.

[Ausriss aus der Publikation „Mortal Passion“, Biedenkopf 2005.]

Bild: Männer beim Grenzgang in Biedenkopf drohen mit ihren Säbeln

Schwarz-Weiß-Rot ist – wie bei einer NPD-Kundgebung – die herrschende Farbkombination. Doch beim Grenzgang geht es noch militanter zu. Denn Säbel wie bei schlagenden Verbindungen dürfen auf NPD-Kundgebungen nicht präsentiert werden.

Das, was anderswo Stutzen oder Pohläsen genannt wird,

Der Täter wurde auf das Kommando des Landvogten

„Man greife und setze Ihn“

„Der Stein – Die Grenze – In Ewigkeit“

von den kräftigen Armen der Kriegsknechte gepackt und mit seinem allerwertesten Hinterteil dreimal so heftig auf den nun wieder an der richtigen Stelle befindlichen Grenzstein gestoßen, dass er sich für alle Zeiten den wahren Platz dieses Steines merken möge.

heißt in Biedenkopf „Huppchen“ und gilt selbstverständlich auch als lustig.

Der Knüller in Biedenkopf aber ist das unübersehbare Bekenntnis zum Lynchen.

Bild: Galgen beim Grenzgang in Biedenkopf

[Ausriss aus der Publikation „Mortal Passion“, Biedenkopf 2005.]

Das T-Hemd rechts ist mit „Burschenschaft“ in neonazi-typischen Buchstaben und mit einem Galgen bedruckt. „Eure Galgen werden schon gezimmert“ heißt es bei Neonazis. T-Hemden mit der Beschriftung „Dancing in the Air“ , die einen Menschen zeigen, der an einem Galgen zappelt, sind auch bei denen in Mode. In Biedenkopf wird die Nähe zum Nationalsozialismus noch deutlicher gezeigt:


Bild: Bier trinkender Grenzgang-Bursch in NSDAP-Hemd - in der Mitte statt Hakenkreuz ein Galgen

der NSDAP-Parteifahne und der NSDAP-Armbinde sehr ähnlich. (Das Bild ist die Karikatur eines Neuburschen, der beim Grenzgang 2005 Bursche einer Biedenkopfer Burschenschaft wurde. Nicht karikiert ist jedoch sein Hemd.

Die Burschenschaftler, die das Original ins Internet gelegt haben, bezeichnen übrigens Frauen, die ihnen zugänglich sind, regelmäßig als „Häschen“. Sexismus ist selbstverständlich immer sehr lustig.

Militarismus, Alkoholismus, Nationalismus mit Neonazi-Symbolen und Rassismus grobschlächtigster Sorte. Man könnte glauben, dass ein vernünftiger Mensch sich daran nicht beteiligt. Doch bei meinen Recherchen zum Grenzgang kam mir Richter Krug in die Quere, jetzt Direktor des Amtsgerichts Kirchhain. Krug kam mir zum ersten Mal vor, als er dem blinden Tschechen Lubomir Ivancik einen Pflichtverteidiger verweigerte. Ich habe damals gehofft: Vielleicht ist Krug nur einmal ausgerastet. Leider ist das nicht so. Als Mitglied des Tennisclubs Niederdieten drückt er Begeisterung aus:

Die gemeinsame Teilnahme am Grenzgang in Biedenkopf war ein Highlight bei diesem Besuch und wird ganz sicher in Erinnerung bleiben.

Edgar Krug
Niederdieten, im November 2006

Die Lösung ist natürlich, dass Krug nicht vernünftig ist, sondern wie die meisten Juristen meint, er müsse sich beim übermächtigen Pöbel einreihen. Allein der Grenzgang in Biedenkopf repräsentiert mehr politische Macht, als die NPD insgesamt hat.

In der Folge hat in Hessen niemand etwas gegen Rassismus einzuwenden. Richter Krug bestimmt nicht. Er ist doch so lustig. Hier ein frisches Foto aus Amöneburg:

Bild: Obama als Schimpanse

Klicken Sie auf dem Bild, wenn Sie es groß sehen wollen.

Ulrich Brosa


Nachtrag 13.3.2010
Der Führer und sein Frankenstein-Penis

Der Grenzgang wird von „Burschenschaften“ und „Männergesellschaften“ veranstaltet. Frauen, die in deren Bierdunst geraten, werden von den Burschenschaftlern als Häschen, unsere Mädchen oder Madcher gehalten. Der Mädchenführer (er heißt wirklich so) befehligt sie. Beispielsweise müssen die Madcher hinter ihren Burschen herlaufen oder ihnen im richtigen Moment zujubeln oder (in der Pinkelpause) zu ihnen stoßen. Der Mädchenführer erhält als Symbol seiner Herrschaft einen monströsen Parade-Penis, den ein Metzger aus tierischen Leichenteilen gebastelt hat.

Bild: Frankenstein-Penis für den Mädchenführer beim Grenzgang in Biedenkopf

Originalunterschrift: Der Mädchenführer Lehnert wird von Bursche Nassauer ausgerüstet

„Ausgerüstet“: Ohne Militarismus geht es auch beim Sexismus nicht ab. Doch wie sehen Häschen aus, die den Burschen untertan sind?


Nachtrag 19.3.2010
Grenzgang-Unterstützerin ist Satan verfallen
Bild: satanistische Unterstützerin des Grenzgangs in Biedenkopf

Wer nicht schön ist, wird SatanistIn. Dieses Bild von sich selbst hat „grindmaus666“ veröffentlicht. Das invertierte Kreuz am Hals und 666 offenbaren Grindmaus666 als Satans Braut. Die professionelle Sadistin beschreibt sich so:

Alias: blackeyes85
Geschlecht: weiblich
EMail: grindmaus666@gmx.de
Land: Deutschland
Postleitzahl: 35080
Geburtstag: 04.06.1985
Sexualität: heterosexuell
Liebes-Status: vergeben
Arbeit, Beschäftigung: sadistin
Links: http://www.noxnet.de

35080 ist die Postleitzahl von Bad Endbach. Endbach liegt etwa 20 km südlich von Biedenkopf. Der angebliche Eigentümer der Homepage http://www.noxnet.de mit satanistischem Outfit (Satans Hörner im bluttriefendem Kreis) residiert ebenfalls dort.

Weiß jemand noch nicht, was „Grind“ bedeutet? Bei dörflichen Tanzveranstaltungen streckt Grindmaus666 ihren Steiß vor, damit Interessenten sich daran reiben.

Den „Liebes-Status: vergeben“ sollten Interessenten nicht ernst nehmen. Grindmaus666 schreibt eifrig Kontakt-Anzeigen. Z.B.

Frau, 24,
Hessen
sucht Männer für:
Möchte mich umschauen,
Hobbies & Freunde treffen,
Dating & Beziehung

Was sucht Grindmaus666?

Was ich suche: den teddy von der kuschelweich werbung, meine tanzenden spinnen die immerunter meinem bett saßen wenn ich abend nach hause gekommen bin, leute zum schreiben, mein böses ich, obwohl ich glaub das will ich gar net suchen… Ehrlich gesagt, denke ich manchmal wirklich, daß ich zu lieb bin…

Es bleibt den verehrten Leserinnen und Lesern festzustellen, ob Grindmaus666 mit „Hessisches Mädel“ koinzidiert, das in diesem Thread unten erscheint.


Nachtrag 20.12.2009
Hexenverbrennung in Momberg

Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Neustadt-Momberg – dort, wo 1990, 1992, 1993, 1994, 1998 und wahrscheinlich noch öfter der jüdische Friedhof geschändet wurde – haben bei der Kirmes 2009 eine Hexenverbrennung inszeniert:

Hexenverbrennung 2009 in Momberg bei Neustadt

Der katholische Pfarrer beteiligte sich wohlgefällig am lustigen Treiben. Die Oberhessische Presse (21.9.2009) sekundierte:

Ist Deine Alte Dir zu teuer,
kommt sie bei uns aufs Scheiterfeuer.

Der Vorgang wirft, um sich juristendeutsch auszudrücken, ein bezeichnendes Licht auf die Freiwilligen Feuerwehren auf dem Lande(h). Was taten SA-Ortsverbände oder SS-Kameradschaften nach 1945? Sie traten in die FF ein, bis die FF praktisch nur aus SS oder SA bestand – der übelste Mob. Es ist seit langem bekannt, was da los ist. Doch die Wahrheit wird unterdrückt:

Marburg. Oberbürgermeister Dietrich Möller (CDU) hat veranlasst, dass die PDS-Stadtverordnete Anke Richter vom städtischen Kulturamt nicht mehr als Praktikantin beschäftigt werden darf. Möller begründet diesen Schritt mit den Äußerungen, die bei der von Anke Richter angemeldeten Kundgebung gegen den Marktfrühschoppen gefallen sein sollen. Unter anderem geht es um die Gleichsetzung von Vereinen und Feuerwehren mit „saufenden Männerbünden“.

Quelle: Oberhessische Presse vom 6.7.2001.

Im Artikel der Oberhessischen Presse vom 23.9.2009 wurde – wie üblich – die Hexenverbrennung als lustiges Treiben beschönigt. Eine Verherrlichung von Gewalt gegen Frauen sei nicht beabsichtigt gewesen. Was denn sonst?


Nachtrag 1.12.2011
Über die Ursachen des Grenzgangs

Neger auspeitschen
Volksgemeinschaft und Erbrechen
Komplizin der Vernichtungspolitik

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