Posts Tagged ‘Guttenberg’

Ich habe einen Fehler gemacht

13 Juli 2011

Papst Benedict XVI

Papst Benedict XVI hat zu einer Zeit, als er noch Chef der Heiligen Glaubenskongregation war, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt, das Christentum sei bei seiner Gründung das Gleiche gewesen wie die Aufklärung 1600 Jahre später. Die physische Welt-Erfahrung widersprach vor 2000 Jahren den christlichen Lehren nicht. Mohammed hat kurz nach 600 den Arabern erklärt, sie sollten zum Islam übertreten, weil es beim Islam gar nichts zu glauben gebe. Die Lehren des Islam erschlössen sich durch nüchterne Überlegung. In der Tat versuchten die Konkurrenz-Unternehmungen vor 2000 beziehungsweise 1400 Jahren Aufmerksamkeit mit abgeschmacktem Hokuspokus zu erregen: In der einen Religionsgemeinschaft sollten die Männer sich selbst kastrieren, bei anderen sollte man hunds- oder schlangenköpfige Gottheiten anbeten etc..

Auch erfolgreiche Religionen verschleißen. Z.B. ist die Schöpfungsgeschichte, die das Christentum über das Judentum aus dem Babylonischen übernommen hat, nicht mehr haltbar. So ist die Frage spannend, was sich als nächste Religion durchsetzen wird. Klar muss es etwas sein, was jetzt wie Aufklärung wirkt. Höchstes Entzücken meinerseits hat darum die Bebilderung eines Musikstücks „Mea Culpa“ von David Byrne und Brian Eno erregt.

Ein Typ namens Bruce Connor hat einen altmodischen Lehrfilm über Physik zerschnitten, die Stücke in verkehrter Reihenfolge zusammengeklebt und dieses Machwerk benutzt, um „Mea Culpa“ zu illustrieren. Der altmodische Lehrfilm ist allerdings exzellent. Nur werden die meisten Zuschauer nicht wissen, was die Stücke bedeuten. Hier wird es erklärt:


00:09 Von einem 2-dimensionalen Objekt zu einem 1-dimensionalen, vom 1- zum 0-dimensionalen.
00:32 Moleküle in einem verdünnten Gas.
00:41 Elektronen steigen von der Kathode zur Anode (+) auf. Nicht alle schaffen es.
00:50 Kondensierung eines Gases an einer kalten Wand.
01:10 Die Energie eines idealen Gases hängt von seinem Volumen nicht ab.
01:14 Ein etwas dichteres Gas.
01:45 Verhalten von Molekülen beim Schmelzen eines festen Körpers.
02:21 Gegenseitige Vernichtung von Plus und Minus
02:26 Huygens‘ Prinzip: Eine Welle breitet sich aus, indem jeder Punkt dieser Welle eine Elementarwelle erzeugt. Die neue vollständige Welle erscheint als Einhüllende aller Elementarwellen.
02:45 Moleküle in einer Flüssigkeit.
02:55 Hitze verstärkt die Bewegung der Moleküle
03:06 Ein gerichteter Strom von Elektronen lässt eine Lampe glühen.
03:21 Hitze erzeugt Auftrieb durch Verdünnung des Gases.
03:42 Moleküle in einem dichten Gas nahe der Verflüssigung.
03:52 Brownsche Bewegung: Makroskopische Teilchen zittern ein wenig, wenn sie von Molekülen gestoßen werden.
04:25 Die Lichtstrahlen stehen senkrecht auf den Wellenfronten; siehe Huygens‘ Prinzip um 02:26.

http://www.myvideo.de/embed/4296354
Brian Eno + David Byrne : Mea Culpa

Physik ist eindeutig die bessere Religion. Am offensichtlichsten ist das in der Szene, die am häufigsten wiederholt wird: Micky-Maus-Elektronen steigen von der Hölle (der heißen Kathode) in den Himmel (die Anode mit einem + als Zeichen der Erlösung).

Das Mea-Culpa-Filmchen ist trotz mäßiger Klickraten heftig umkämpft und wurde in den vergangenen Jahren immer wieder gelöscht. Anscheinend hat der Rechte-Inhaber EMI jetzt mit Youtube (d.h. Google) abgesprochen, dass das Filmchen nur von gewissen Websites gezeigt werden kann. WordPress ist eine solche Website.

Wir kommen jetzt zum justizkritischen Teil dieses Artikels.

Die Idee zu ihrem Mea-Culpa-Musikstück bekamen Byrne und Eno beim Abhören einer vermutlich illegal mitgeschnittenen Radiosendung 1979. Beim Interview eines Politikers durften ZuhörerInnen anrufen und den Politiker direkt befragen. Ein empörter Zuhörer machte dem Politiker Vorwürfe, worauf dieser antwortete:

Es tut mir Leid. Ich sündigte. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich bat Sie mir zu verzeihen. Bitte verzeihen Sie mir. Mea Culpa [es ist meine Schuld], können Sie es besser ausdrücken? Ich sage: Es tut mir Leid, ich habe einen Fehler gemacht, ich machte, ich beging eine Sünde. Ich habe einen Fehler gemacht und will es nie wieder tun. Ich habe es niemals zuvor getan und werde es nie wieder tun […]

Englisch:

I’m sorry. I committed a sin. I made a mistake. I asked to forgive me. Please forgive me. Mea Culpa, can you put it better? I’m saying I’m sorry, I made a mistake, I made I committed a sin, I made a mistake and I’m never gonna do it again. I never did it before and I’m never gonna do it again […]

Fast das ganze Mea-Culpa-Musikstück besteht aus dem wütenden Gezeter des Anrufers und dem sich endlos wiederholenden Entschuldigungssermon des Politikers. Das sind beste Grundlagen für repetitive Musik.

Zu Herzen gehende Entschuldigungen sind ein wichtiges Mittel der Politik. Karl-Theodor von und zu Guttenberg hat es damit versucht:

„Ich habe weder bewusst noch vorsätzlich getäuscht“, hält Guttenberg dagegen. Wer anderes behauptet, betreibe üble Nachrede. „Ich habe mehrfach gesagt, dass ich diese Doktorarbeit selber geschrieben habe“, sagt der Minister – seine Stimme geht in höhnischen Spottrufen unter. […] Er habe sich „aufrichtig und von Herzen entschuldigt“, betont Guttenberg – und fügt blumig hinzu: „Ich wiederhole das gerne in diesem hohen Hause.“ Der Minister steht vor seinem Tisch, die Hände erst gefaltet […]

Zeit 23.2.2011

Zu Herzen gehende Entschuldigungen sind aber auch von erfahrenen Verteidigern empfohlene Mittel im Strafprozess. Routinierte Angeklagte können damit lang andauernde Orgasmen bei den Richtern (und Richterinnen) auslösen und so substanzielle Strafmilderung erreichen. Wie ein Richter bei einem gefühlvollen Geständnis in Orgasmus gerät, kann man sehen in der Verfilmung des Prozesses gegen die Attentäter vom 20. Juli 1944:

Um 5:50 fängt einer der Angeklagten zu weinen an. Freislers Stimme wird weich: „Sie weinen! [..]“ und er bekommt den richterlichen Standard-Orgasmus. Die RichterInnen lieben derartige Reue-Kundgebungen, weil sie signalisieren, dass sich der Angeklagte ihnen unterwirft. Gerichtsverhandlungen sind zu großen Teilen Sado-Maso-Spiele.

Ungefährlich sind solche zu Herzen gehenden Geständnisse trotzdem nicht. Der Angeklagte erreicht zwar oft eine Strafmilderung wegen seiner „Einsicht“ und der „günstigen Sozialprognose“. Doch weil der Orgasmus so großen Spaß gemacht hat, steht er bald wieder vor Gericht, um den nächsten Orgasmus auslösen usw.usw.usw..

Der Freisler-Film ist aus vielen Gründen sehenswert. Zum Beispiel der Gänse-Marsch des Gerichts, das Männchen-Machen und das alberne Hütchen-Abnehmen ab 0:54. Derartiges Theater wird heute noch im Bundesverfassungsgericht aufgeführt, nur dass die RichterInnen heutzutage kein Heil-Hilter mehr machen. Freislers Imponiergehabe kann man heute noch in hessischen Gerichten bewundern, aufgeführt allerdings von anderen Schauspielern. Es hat sich wenig geändert. Nur gibt es, EU sei Dank, keine Todesstrafe mehr. Das ist eine sehr wichtige Verbesserung.

Bemerkenswert ist der Freisler-Film auch wegen § 169 Gerichtsverfassungsgesetz, wonach bei Gerichtsverhandlungen nicht gefilmt werden darf. Der obige Freisler-Film wurde produziert, um ihn im Fernsehen und in Kinos vorzuführen. Goebbels hat den Film vor der Ausstrahlung angesehen, ihn als schädlich für die deutsche Justiz erkannt und seine Distribution unterdrückt. Dass am meisten die RichterInnen blamiert würden, wenn Filmaufnahmen ihrer Verhandlungen erlaubt würden, ist bis heute der Grund, weshalb § 169 GVG aufrecht erhalten wird.

Guttenbergs Geist

17 Februar 2011

guttenberg im acdc-shirt

[Bundesverteidigungsminister v.u.z.Guttenberg auf der Autobahn zur Hölle]

In zahlreichen Presse-Erzeugnissen wird behauptet, Dr. Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg habe das Internet und das bekannte Kopier&Schmier (Copy&Paste) benutzt um seine Doktorarbeit abzufassen. Ich halte derartige Anschuldigungen für völlig abstrus. Vielmehr imaginiere ich, was sich demnächst in einer abgelegenen Kemenate des freiherrlichen Stamm-Schlosses abspielen wird:

Freiherr v.u.z.G. hat seinen Geister-Schreiber (Ghost-Writer) einbestellt.

v.u.z.G. brüllt: Verdammt noch mal!

Geister-Schreiber klirrt mit seinen Ketten.

v.u.z.G. leiser: Hätte Er nicht wenigstens die Sätze dieser Zehnpfenning umstellen können?

Geister-Schreiber heult: Ich bin so arm.

v.u.z.G.: Von wegen 10 Pfennig! 3000 Euro hat Er bekommen.

Geister-Schreiber wimmert.

v.u.z.G. brüllt: In den Kerker mit Ihm!

Bild: Barbara Zehnpfennig

[Schreckensschreie sollten Sie sich sparen: Unbestätigten Gerüchten zufolge ist das der Geist, der des Freiherrn Doktorarbeit verfassen musste. Nach bestätigten Berichten erscheint der Geist im bürgerlichen Leben als geschädigte Jura-Professorin Dr.(echt) Barbara Zehnpfennig. Mausklicken Sie auf dem Bild, wenn Sie Zehnpfennig groß sehen wollen!]


Nachtrag 3.3.2011

Aus einer E-Mail, die ich heute von Gabor Steingart erhielt, dem Chefredakteur des Handelsblatts:

Rüstungsindustrie atmet auf
Die deutsche Rüstungs- und Sicherheitsindustrie ist erleichtert über den Chefwechsel im Verteidigungsministerium. Sie erhofft sich einen stärkeren Dialog.

Man kann also die Frage stellen, ob es wirklich „das Internet“ war, welches v.u.z.Guttenberg zu Fall brachte, ob nicht eher die Rüstungsindustrie über den öffentlichkeitssüchtigen und unfähigen Verteidigungsminister verärgert war. Schon wenige Tage nach Aufkommen der Plagiatsvorwürfe bezogen die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Financial Times Deutschland Stellung gegen Guttenberg, siehe die Kommentare unten, ein deutlicher Hinweis darauf, dass die in den Massenmedien verbreitete Darstellung des Konflikts mit den wirklichen Ursachen wenig zu hatte.

Es gibt dazu einen Artikel des Handelsblatts, den jedoch nicht alle lesen können, sondern nur die, welche ein Passwort haben.


Andachtswinkel für Karl Theodor

Bier

Karl Theodor zu Guttenberg

[Der Aristokrat auf Quoten-Jagd bei den völkischen Alkoholikern]

Vorbild Antonio Pelle

Als die Namen der korrumpierten Hochschullehrer bekannt wurden, ging ein Aufschrei des Entsetzens durch die Universität von Reggio Calabria, in der süditalienischen Region Kalabrien. Ermittelt wurde und wird gegen angesehene Professoren und einige ihrer Studenten. Wie zum Beispiel gegen Antonio Pelle. Der 24-Jährige, bekannt für seine teuren Schuhe für 1500 Euro, dicke Autos und ein angeberisches Auftreten, studierte an der Uni in Reggio Calabria Arboristik. […] Warum der junge Mann, Sohn des mächtigen Mafiabosses Salvatore Pelle, einen Hochschulabschluss haben wollte, ist unklar. Klar ist hingegen, dass er ihn nicht rechtens erwarb, berichtet der investigative Journalist Marco Travaglio:

„Es gab geheime Telefonate, die von der Anti-Mafia-Polizei abgehört wurden. Da fragt Antonio Pelle einen Professor wie der Studiengang heißt, in dem er einen Abschluss erhält und der Prof sagt es ihm, doch Pelle kann das Wort gar nicht richtig aussprechen. Und doch verkündet Pelle kurze Zeit später seinen Verwandten, dass er eine hervorragende Abschlussnote erhalten habe. […]

Die Ermittler der Anti-Mafia-Polizei führen nun, dank abgehörter Telefonate, verschiedene Professoren als korrupt vor. Sie wurden von den Bossen direkt oder einem ihrer Mitarbeiter auf einen Sohn oder eine Tochter hingewiesen. In der mafiösen Kultur Süditaliens brauchten diese Hochschullehrer nicht unter Druck gesetzt zu werden. Allein der Hinweis auf den Nachwuchs eines lokalen Bosses reicht aus, dass die Wünsche des Vaters umgehend erfüllt werden, denn schließlich will man sich und seine Familie keiner Gefahr aussetzen. Die korrumpierten Professoren erhielten für gefälschte Testergebnisse zu Aufnahmeprüfungen, Semesterarbeiten und Hochschulabschlüsse Geld, Ferienurlaube – und auch ganze Wildschweine geschenkt.

Deutschlandfunk 22.12.2010

Anmerkung der Redaktion: Arboristik ist die Kunde von den Bäumen.

Schönheit

In Italien ist sowieso der Sinn für Bellezza seit Jahrtausenden feiner ausgebildet als in Franken.

Silvios Geschmack (Berlusconi hier nicht auf dem Bild) ist besser als der des Karl Theodor:

Gastkommentar

Karl Theodor hat im Nordbayrischen Kurier einen Gastkommentar über die Lage in Franken veröffentlichen lassen.

Guttenberg speise die Oberfranken „mit abgedroschenen, völlig nichtssagenden Phrasen“ ab, ärgert sich eine Leserbrief-Schreiberin. Auf fast einer halben Zeitungsseite werde nichts gesagt über Leerstände, verfallende Gewerbebetriebe, fehlende Arbeitsplätze in den ländlichen Gebieten, „schönfärberischer geht’s nimmer“. Ein anderer glaubt „belangloses politisches Geschwafel“ zu lesen und moniert: „Schöne Worte wie ,strategische Konzepte, dynamische Mitte und Doppelstrategie’ ergeben aneinandergereiht noch lange keinen sinnvollen Kommentar.“
… wirken die beeindruckend mäandernden Sätze, an die man sich aus Guttenbergs Reden gewöhnt hat, in schriftlicher Form plötzlich wie eine „Kabarett-Nummer zur Veralberung von Polit-Sprech“.
… meint Passagen wie diese (von Guttenberg geschriebenen):

„Eine nicht zu vernachlässigende Rolle nimmt in diesem wichtigen, zukunftsbestimmenden Prozess unbestritten die Regionalplanung ein. Geschuldet ist diese herausgestellte Verantwortung dem Umstand, dass das Faktum regionaler Unterschiede und Besonderheiten kaum Lösungen für die gesamtdeutsche Herausforderung erlaubt.

Entsprechend sind also auch kommunale, an die Regionen und ihre Eigenschaften adaptierbare, strategische Konzepte notwendig, um den durch die demografische Entwicklung gestellten Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Oberfranken muss sich im Hinblick auf eine solche vorausschauende und entsprechend erfolgreiche sowie nachhaltige Bewältigung der gestellten Aufgaben nicht vorauseilend abducken.“

Süddeutsche Zeitung 5.2.2011

Werbung

Public-Relations-Fachleute raten: Lassen Sie sich zusammen mit Kindern als guter Onkel ablichten. Wirkt immer.

Guttenberg als guter Onkel


Vergangenheit und Zukunft

So sah Guttenbergs Vorbild 1962 aus:

Franz-Josef Strauß 1962

So sieht Guttenberg jetzt aus (2011):

Und so wird Guttenberg in ein paar Jahren aussehen:

Bild: alter Franz-Josef Strauß

Guttenberg bringt als Leo-2-Kommandant den Völkern den Frieden

1 Dezember 2010

Freiherr zu Guttenberg rechts?

Das ist meine Interpretation dieses Fotos, das mir Wolfram Kastner geschickt hat. Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg sehe ich rechts, unten den Kampf-Panzer Leopard 2 (sorgfältig getarnt), während der Friede auf dem Kampf-Panzer hampelt.

Das Interessanteste ist das Münchener Polizei-Auto im Hintergrund. Eine alternative Benennung des Fotos wäre demzufolge:

Alte Zausels versetzen bayrische Ordnungskräfte in Panik

Bei jeder Aktion Kastners kreuzen massenweise Polizeibeamte auf, und dass praktisch jede Aktion einen langen Schwanz von Prozessen nach sich zieht, in denen Kastner und mitwirkende Künstler angeklagt werden, versteht sich.