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Rudolf Becker-Falk gestorben

10 März 2011

Es geschah am 5.3.2011. Die Ursache ist mir nicht bekannt. Becker-Falk gehörte zu einer gesellschaftlich höchst wertvollen, in Marburg fast ausgestorbenen Art. Becker-Falk war kein Ödie, sondern warb Aufträge ein und führte sie aus.

Er hatte einen Laden in der Weidenhäuser Straße, EBC-Elektronik, wo er elektronische Geräte verkaufte und reparierte. Viel Geld verdient hat er nicht. Doch was er verdiente, hat er verdient. Der Unterschied zu den vielen Parasiten, die Marburg hauptsächlich bevölkern, konnte größer nicht sein. Marburg ist eine Stadt des öffentlichen Diensts.

Becker-Falk bezeichnete sich als „Schrauber und Bastler“, was einerseits zeigte, dass er kein Angeber war, andererseits nicht ganz wahr war. Er hatte von dem, was die Geräte taten, systematische Kenntnisse. Ich habe seine Rechnungen gerne bezahlt, weil er tiefgründig-nützliche Informationen mitgab.

Die Trauerfeier soll am 11.3.2011 um 13 Uhr in der Universitätskirche stattfinden.

Das ist neben dem Hörsaalgebäude der Juristen dicht am Rudolphsplatz. Becker-Falk hat Besseres verdient. Vielleicht die Pfarrkirche St.Marien. Dort hängt eine vollbusige Frau mit Vollbart am Kreuz.


Nachtrag 11.3.2011

Ich war bei der Trauerfeier in der Universitätskirche. Die Leichenrede des protestantischen Pastors war unerträglich salbungsvoll. Er predigte über Quantenmechanik (kein Witz!) und leitete die Unsterblichkeit der menschlichen Seele aus der Quantenverschränkung ab. Die Quantenmechanik ist Guttenberg in der Physik. Aber vielleicht bin ich ungerecht, denn in der Quantenmechanik ist nicht alles falsch.

Dagegen waren die Leichenreden des Bruders von Becker-Falk und eines Kneipenwirts aus dem Weidenhäuser Kiez instruktiv.

Der Bruder erzählte von Becker-Falks jungen Jahren. Rudolf Becker-Falk wurde am 16.12.1950 in Borken/Nordhessen geboren. Wie sein Name andeutet, war er der Sohn des dörflichen Bäckers. Es war der Vater, der Becker-Falk eine Lehre als Bäcker verpasste. Becker-Falks Herzensneigung waren jedoch elektrisch-elektronische Geräte, die er demontierte und manchmal richtig zusammenfügte. Diese Herrschaft über Maschinen gestattete Becker-Falk sich zum zentralen Veranstalter jugendlicher Feierlichkeiten aufzuschwingen. Er verfügte über die stärksten Verstärker und lautesten Lautsprecher in Borken. Musikalisch war er Doors-Fan. AC/DC, Böhse Onkelz und NSBM gab es damals noch nicht. Nach abgeschlossener Lehre zog Becker-Falk nach Marburg, arbeitete dort tags als Bäcker-Geselle, während er abends das Abitur nachholte. Schließlich studierte er Physik und zwar, wenn ich es richtig verstanden habe, bis zum Diplom. Das erklärt seine systematischen Kenntnisse.

Der Kneipier aus dem Kiez erzählte von Becker-Falks letzten Jahren und seiner Betätigung als Anarchist. Becker-Falk kam in die Gastwirtschaft zwecks Einnahme des Frühstücks oder des Abendmahls. Statt still zu sein, wie es sich gehört, verlas Becker-Falk laut Zeitungsartikel, in denen Staatsdiener unvorteilhaft dargestellt wurden, und hielt despektierliche Reden über die Obrigkeit.

Etwa drei Monate vor seinem Tod wurde Becker-Falk nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert, arbeitete aber danach wie zuvor. Ich entnehme einigen Andeutungen, dass Becker-Falk am 5.3.2011 schlagartig umfiel.