Archive for the ‘Physik’ Category

Wahrsager-Kugel als Waffe des Terrors

26 Juli 2012

Glut aus der Wahrsager-Kugel

Stellen Sie sich vor: Sie sind islamistischer Selbstmord-Terrorist und planen einen vernichtenden Anschlag. Bösartig und perfide wie Sie sind, soll gleich ein ganzer Kindergarten in Glut schwimmen. (Ich meine „Glut“, nicht „Blut“). Wie sollen Sie das anfangen? Der deutsche Ober-Ober-Ober-Polizist Klaus-Peter Friedrich ist wahnsinnig schlau und dann hat er die Verfassungsschmutz-Agenten, die alles rauskriegen, und dann noch die superschlauen Staatsanwälte… Wenn Sie da mit Schießeisen und Sprengstoff ankommen, werden Sie gleich detektiert.

Hier ist mein Vorschlag: Sie verkleiden sich als Magier aus dem Morgenland und gehen mit einer Wahrsager-Kugel, die ich erfunden habe, zum Kindergeburtstag. Die Wahrsager-Kugel ist nur aus Glas. Kein Metall-Detektor oder Sprengstoff-Hund wird anschlagen. Sie schmeißen die Kugel. Die Kugel zerbricht und alles verglüht.

Im Ernst: Solch eine Kugel habe ich wirklich erfunden. 2011 erschien bei arxiv.org der erste Preprint, 2012 wurde in der Zeitschrift für Naturforschung die fertige Arbeit veröffentlicht. Es ist tatsächlich eine Kugel, die nur aus Glas besteht, allerdings aus mehreren Glas-Sorten, die in bestimmter Weise zusammengesetzt werden müssen.

Die Kugel speichert elektrodynamische Energie – solche, wie sie von der Sonne kommt – und unterscheidet sich somit fundamental von bekannten Geräten wie Kondensator, Batterie und Akkumulator, die elektrostatische Energie speichern; es gibt bisher nichts Vergleichbares. Dass das Ding funzt, obschon theoretisch konstruiert, steht außer Frage. Die Frage ist nur, wie viel Energie in die Kugel gefüllt werden kann, bevor sie selbst kaputtgeht. Die Geschichte mit dem verglühenden Kindergarten ist übertrieben; voraussichtlich zuckt nur ein Blitz durch den Raum, wenn die Kugel platzt.

Die Arbeit ist über elektromagnetische Wellen in variabler Materie. Materie ist fast überall variabel: z.B. Luft. Deshalb erscheint die Omega-Sonne

Bild: Omega Sonne

und die Fata Morgana

Bild: Fata Morgana

mit dem falschen Wasser, das in Wirklichkeit gespiegelter Himmel ist. Aber auch alle organischen Augen – wie die des Menschen – sind aus variabler Materie und sogar die Technik kommt seit etwa dreißig Jahren allmählich darauf, dass man mit variablen Materialien viel mehr machen kann als mit den homogenen Klötzern aus Glas und Metall.

Z.B. Tarnkappen. Es ist tatsächlich möglich Zylinder (oder Kugeln) aus variablen Materialien so zu konstruieren, dass Licht, welches vorn auf den Zylinder fällt, um diesen herum- und hinten so herausgeleitet wird, als sei gar nichts gewesen. Der Zylinder und das, was drin ist, z.B. ein Mensch, bleiben unsichtbar. Der Haken dabei ist nur, dass diese Tarnkappen von der Farbe des Lichts abhängen. Z.B. könnte man eine Tarnkappe bauen, die bei gelbem Licht gut funktioniert, aber bei blauem weniger, so dass bei weißer Beleuchtung das zu tarnende Objekt wie ein lila Zombie erscheint. Tarnkappen anderer Art werden manchen Militär-Flugzeugen aufgesetzt:

Bild: Tarnkappen-Bomber

Die Flugzeuge werden mit Materialien beschichtet, die Radar-Strahlung absorbieren, was den Vorteil hat, dass sie von der Radar-Überwachung nicht erkannt werden, aber den Nachteil, dass sie nicht schnell und nicht bei Regen fliegen können, weil die strahlungsabsorbierenden Materialien ziemlich weich sind.

Z.B. Dielektrische Spiegel. Über mehrere tausend Jahre wurden Spiegel aus Metall hergestellt. Noch heute sind die meisten Spiegel Glasscheiben, auf deren Rückseiten Aluminium aufgedampft ist, also ein Metall. Viel besser sind aber Spiegel, die nur aus Glas bestehen, allerdings aus verschiedenen Glas-Sorten, die in bestimmter Weise übereinander gelegt werden:

Bild: dielektrischer Spiegel

Diese werden bisher fast nur in Forschung und Technik verwendet, aber es gibt sie auch schon für den Haushalt. Wer auf sich hält, hat einen solchen Spiegel in der Garderobe hängen und reibt allen Besuchern unter die Nasen, dass das kein banaler, sondern ein dielektrischer Spiegel ist.

Z.B. Lichtleiter, wie sie zur Nachrichten-Übermittlung verwendet werden. Der gewöhnliche Lichtleiter besteht aus einem inneren Glasfaden mit hohem Brechungsindex. Um diesen Faden (core) wird ein Glasmantel (cladding) mit niedrigem Brechungsindex gelegt:

Bild: Bestandteile eines Lichtleiters

Schließlich kann man um das Ganze noch Staniol-Papier wie um Schokolade wickeln, aber das ist nicht wesentlich. Vor ein paar Jahren sind Leute darauf gekommen, dass die Zwei-Schichten-Glasfaser nicht das Beste ist, dass man viel bessere Lichtleiter bekommt, wenn man den Wechsel vom hohen zum niedrigen Brechungsindex nicht sprungweise, sondern kontinuierlich gestaltet.

Im Unterschied zur strahlungsenergie-speichernden Kugel habe ich Tarnkappen, dielektrische Spiegel und Lichtleiter nicht erfunden. Doch wie man das und mehr genau ausrechnet und optimiert steht in „Electromagnetic Waves in Variable Media“. Ich meine, das ist neu; denn mehrere spezialisierte Berichterstatter haben über meiner Arbeit gesessen und sich darüber erregt („arrogant author!“), bevor sie in der Zeitschrift für Naturforschung veröffentlicht wurde.

Ich habe das alles analytisch gemacht, d.h. nur mit ein paar Stück Papier, einem Schreibstift und dem angeborenen Stroh-Computer; ein externer Halbleiter-Computer war nicht erforderlich. Die Grundlagen sind eindeutig definiert und die Folgerungen absolut streng (nicht so ein Scheiß wie in der Justiz).

Zum Schluss zurück zum mordgierigen Selbstmord-Islamisten: Ich habe noch einen anderen Tipp für ihn als den mit strahlungsenergie-speichernden Glas-Kugel. Er soll sich als Neonazi ausgeben! Dann bekommt er regelmäßig ein hübsches Monatsgehalt vom deutschen Staat, Sprengstoff von der Bundeswehr und kein Verfarcungsschutz-Agent, Polizist oder Staatsanwalt stört ihm beim Ballern oder beim Bomben-Schmeißen.

Ulrich Brosa

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Was Sie schon immer über Clebsch-Gordan-Koeffizienten wissen wollten

25 März 2012

aber bisher nicht zu fragen wagten.

Die meisten Menschen sind brennend interessiert an:
1) Wirken Aphrodisiaka?
2) Was ist Sodomie?
3) usw.usw.

Alle diese Probleme haben die Rundwürmer genauso, wenn sie sich an irgendwelchen Plattwürmern vergreifen. Auch wenn die Menschen aus Rundwürmern entstanden sind, stellt sich die Frage, warum Mutter Natur nicht bei den Rundwürmern geblieben ist.

Zum Kontrast werde ich im Sommersemester 2012 eine Vorlesung über Gruppentheorie (kein Gruppensex!) verüben.

Donnerstags 10:15 bis 11:45 im kleinen Hörsaal Renthof 5
(Erste Vorlesung am 12.4.2012)

Ursprung der Gruppentheorie war die Lösung nichtlinearer algebraischer Gleichungen – und nichts weiter. Die Lösung quadratischer Gleichungen war schon im Altertum bekannt. Die Lösung kubischer Gleichungen wurde zweitausend Jahre später entdeckt, etwa 1535, und die der biquadratischen ein paar Jahre später. Danach war erst einmal wieder Sense. Alle Bemühungen, die Lösung der Gleichung fünften Grades zu finden, scheiterten. Die Wut der Mathematiker mit dem Problem nicht fertig zu werden steigerte sich im 19.Jahrhundert zu einer intellektuellen Raserei, bei der neue Formen des Denkens entdeckt wurden. Es gibt bis heute kaum Menschen – auch unter den Mathematikern -, die diese Methoden verstehen.

Konkret geht es um

1) Die Gruppentheorie von Galois.
Evariste Galois – ein Jüngelchen, aber wahrscheinlich das größte Mathematik-Genie, das bisher lebte – warf einem Professor den Schwamm ins Gesicht, weil er dessen Prüfungsfragen zu dümmlich fand. Kurz darauf wurde Galois wegen politischer Betätigung in den Knast Sainte Pélagie gesperrt und wiederum nur Monate später bei einem Duell abgeknallt. Galois hatte keine Zeit viel zu erklären.

2) Die Invariantentheorie von Clebsch und Gordan.
Sie erscheint so formal-verstaubt, dass sie auch niemand versteht.

3) Die elliptischen Funktionen.
Sehr nützlich, aber schon wieder vergessen.

Alle drei Quellen haben Algorithmen erbracht, von denen sich die StudentInnen, die nur die üblichen Analysis-Kurse kennen, nichts träumen lassen. Nichtsdestoweniger sind die Anwendungen umfassend.

Aus 1) ergeben sich

a) Die allgemeine Lösungstheorie nichtlinearer algebraischer Gleichungen. In der Physik treten solche Gleichungen bei Schwingungsproblemen aller Art auf – angefangen von Spektren der Elementarteilchen über Molekülschwingungen, elektromagnetische Schwingkreise, mechanische Schwinger bis zu astrophysikalischen Problemen.

b) Die bis heute einzige systematische Methode, um an Lösungen nichtlinearer Gleichungen heranzukommen. Z.B. hat Sophus Lie Galois‘ Ideen auf Differenzialgleichungen übertragen.

c) Die Darstellungen von Gruppen durch Matrizen. Gruppenalgebra, Linksideale und Charaktere.

Aus 2) ergeben sich

a) Der Spin. Überhaupt alles, was mit Drehung zu tun hat.

b) Die relativistische Kinematik.

c) Die Klassifikation der atomaren und nuklearen Spektren, die Auswahlregeln.

d) Quarks, SU(3) usw.

Aus 3) ergeben sich

a) Die Lösung der Gleichung 5.Grades. Die oft gehörte Behauptung, die Gleichung 5.Grades sei analytisch unlösbar, ist Quatsch. Sie ist nicht mit Wurzeln lösbar, aber mit elliptischen Modulfunktionen.

b) Die Eigenschaften der elliptischen Funktionen. Diese sind äußerst nützlich, wenn man mehr ausrechnen will als den harmonischen Oszillator oder Keplers Planetensystem. Viele nichtlineare Schwingungs-, Kreisel- und Astronomie-Probleme sind mit elliptischen Funktionen geschlossen lösbar.

c) Die Modul-Gruppen.


Ich habe Gruppentheorie-Vorlesungen schon zweimal durchgeführt. Von der ersten 2002 existiert ein Skript, welches erstaunlich oft runtergeladen wurde. Der Blick hat sich verändert. Ich verstehe nun auch die Ideen von Clebsch und Gordan sowie die Modul-Gruppen gut genug, um sie anwendbar vorzutragen. Die Theorie von Lie sowie die Klassifikation der Kristalle wird diesmal aus Mangel an Zeit nicht vorkommen.

Die Methode der Vorlesung wird indes die gleiche sein wie die der von 2002: Ich rechne vorrangig einfache, aber nichttriviale Beispiele vor.

Ulrich Brosa

Der RoboStaatsanwalt bezwingt die Mächte des Bösen

20 Juli 2011

RoboStaatsanwalt

Dass die Justiz nichts taugt, steht seit Jahrtausenden fest. Der Grund indes, weshalb sie sich trotz systematischen Unrechts so lange halten konnte, ist die Schlechtigkeit der Opposition. Viele Menschen erleiden Unrecht bis zum Tod. Doch den anderen ist das egal, solange es sie nicht selbst trifft. Wenn es sie selbst trifft, jammern sie von einem „historisch einmaligen Verbrechen“ und plärren: „Ich will NUR MEIN Recht!“, während Gerechtigkeit entweder für alle da ist oder für niemanden.

Ich habe das Plärren satt. Ich bereite Lösungen vor, die die Justiz verbessern werden. Für eine Vorlesung über Java (auf Deutsch: KalterKaffee) habe ich die Klasse RoboStaatsanwalt programmiert. Das Programm ist öffentlich zugänglich und kann, wie Guttenbergs Ghostwriter es vorgeführt hat, mit zwei Maus-Klicks geklaut werden.

Was vollbringt der RoboStaatsanwalt? Ein Beispiel: Bei der Internet-Seite http://sci.althand.com/java.html handelt es sich nur zum Schein um Lehr-Material zu einer Vorlesung. In Wahrheit befindet sich dort (getarnt) ein linksextremistisches Manifest. Wer immer http://sci.althand.com/java.html anschaut, macht sich verdächtig. Doch wer http://sci.althand.com/java.html auf seiner eigenen Internet-Seite verlinkt, ist der Bildung einer terroristischen Vereinigung (§ 129a StGB) überführt. Der RoboStaatsanwalt nimmt sich verdächtige Internet-Seiten vor (zum Beispiel: Verbrecher.html) und stellt fest, ob darin der strafbare Link enthalten ist. Im Fall erfolgreicher Ermittlung beantragt der RoboStaatsanwalt beim RoboRichter einen Haftbefehl.

Der nächste Schritt wäre die Entwicklung der Klasse RoboRichter. Der RoboRichter nimmt den Verhaftungsantrag in Empfang, greift auf Datenbanken zu, in denen die Strafprozessordnung StPO, das Strafgesetzbuch StGB sowie richtungsweisende Entscheidungen gespeichert sind, und vergleicht sie mit dem Antrag des RoboStaatsanwalts. Darauf schickt der RoboRichter dem RoboStaatsanwalt den maschinell unterschriebenen Haftbefehl zu – alles vollautomatisch, versteht sich. Überhaupt ist verblüffend, wie einfach sich riesige Bereiche der Justiz automatisieren lassen, vor allem jedoch die Berufsrichter.

Im dritten Schritt würde der RoboStaatsanwalt die RoboPolizeibeamten mit dem Vollzug beauftragen. Während die Rationalisierung der Justiz zur RoboJustiz wenig Anstrengung bereitet, müssen beim Aufbau der RoboPolizei Hürden überwunden werden. Nichtsdestoweniger ist die Konstruktion des RoboPolizisten vorgezeichnet. Und zwar hat die Industrie Staubsauger entwickelt, die einfach programmiert werden können und ansonsten sich selbst steuern. Die Festnahme des Straftäters erfolgt im atmungsaktiven Staubbeutel.

[So sieht sie aus, die Polizeistation der Zukunft. Im Vordergrund drei einsatzbereite RoboPolizeibeamte.]

Doch sogar diese RoboBeamten können perfektioniert werden. Man kann sie zum Beispiel mit leicht programmierbaren, sich ansonsten selbst steuernden Kugel-Drohnen kombinieren. Einem solchen RoboBeamten macht es nichts aus, wenn der zu verhaftende Straftäter seine Haustür verbarrikadiert. Der kombinierte RoboBeamte macht sich irgendein offenes Fenster zunutze (notfalls schlägt er es ein) schwebt ein und greift zu (saugt).

Die skizzierte Lösung hat nur Vorteile. Am meisten drängt natürlich die Kostenfrage. Ein konventioneller Staatsanwalt, der aus Wasser und langfädigen Molekülen besteht, ist ungeheuer teuer. Allein die monatlichen Unkosten übersteigen das, was der durchschnittliche HartzIV-Empfänger erhält, um mehr als das Zehnfache. Dabei macht der Staatsanwalt konventioneller Technologie nur Scheiß (im jeden Sinn des Worts). Wäre es nicht besser für alle, wenn der Leitende Oberstaatsanwalt Koeppen, die Oberstaatsanwälte Jörg und Willanzheimer, die Staatsanwälte Zmyj-Köbel, Franosch und viele andere einfach nur vor ihren TVs säßen, sich mit Bier und Schipps vollstopften und von der Glotze nur aufstünden, um aufs Klo zu gehen?

Auf hunderttausende Euro belaufen sich die Unkosten und ungeheuerlich ist der Aufwand, der getrieben werden muss, wenn ein Staatsanwalt konventioneller Technologie entlassen werden soll. Beim RoboStaatsanwalt dagegen kommt einfach der automatische Garbage Collector (die elektronische Müllabfuhr). Der Garbage Collector fegt einen nutzlosen RoboStaatsanwalt automatisch aus dem Arbeitsspeicher. Die Kosten dafür sind, selbst bei steigenden Energie-Preisen, geringer als 1 Cent.

Als alternative Lösung des Polizei-und-Justiz-Problems wäre möglich die Auflösung der Behörden sowie die Errichtung wahrhaft demokratischer Institutionen. Doch das würde vielen Leuten viel Arbeit machen. Da habe ich schon gefragt. Dazu hat niemand Lust.

Ulrich Brosa

Ich habe einen Fehler gemacht

13 Juli 2011

Papst Benedict XVI

Papst Benedict XVI hat zu einer Zeit, als er noch Chef der Heiligen Glaubenskongregation war, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt, das Christentum sei bei seiner Gründung das Gleiche gewesen wie die Aufklärung 1600 Jahre später. Die physische Welt-Erfahrung widersprach vor 2000 Jahren den christlichen Lehren nicht. Mohammed hat kurz nach 600 den Arabern erklärt, sie sollten zum Islam übertreten, weil es beim Islam gar nichts zu glauben gebe. Die Lehren des Islam erschlössen sich durch nüchterne Überlegung. In der Tat versuchten die Konkurrenz-Unternehmungen vor 2000 beziehungsweise 1400 Jahren Aufmerksamkeit mit abgeschmacktem Hokuspokus zu erregen: In der einen Religionsgemeinschaft sollten die Männer sich selbst kastrieren, bei anderen sollte man hunds- oder schlangenköpfige Gottheiten anbeten etc..

Auch erfolgreiche Religionen verschleißen. Z.B. ist die Schöpfungsgeschichte, die das Christentum über das Judentum aus dem Babylonischen übernommen hat, nicht mehr haltbar. So ist die Frage spannend, was sich als nächste Religion durchsetzen wird. Klar muss es etwas sein, was jetzt wie Aufklärung wirkt. Höchstes Entzücken meinerseits hat darum die Bebilderung eines Musikstücks „Mea Culpa“ von David Byrne und Brian Eno erregt.

Ein Typ namens Bruce Connor hat einen altmodischen Lehrfilm über Physik zerschnitten, die Stücke in verkehrter Reihenfolge zusammengeklebt und dieses Machwerk benutzt, um „Mea Culpa“ zu illustrieren. Der altmodische Lehrfilm ist allerdings exzellent. Nur werden die meisten Zuschauer nicht wissen, was die Stücke bedeuten. Hier wird es erklärt:


00:09 Von einem 2-dimensionalen Objekt zu einem 1-dimensionalen, vom 1- zum 0-dimensionalen.
00:32 Moleküle in einem verdünnten Gas.
00:41 Elektronen steigen von der Kathode zur Anode (+) auf. Nicht alle schaffen es.
00:50 Kondensierung eines Gases an einer kalten Wand.
01:10 Die Energie eines idealen Gases hängt von seinem Volumen nicht ab.
01:14 Ein etwas dichteres Gas.
01:45 Verhalten von Molekülen beim Schmelzen eines festen Körpers.
02:21 Gegenseitige Vernichtung von Plus und Minus
02:26 Huygens‘ Prinzip: Eine Welle breitet sich aus, indem jeder Punkt dieser Welle eine Elementarwelle erzeugt. Die neue vollständige Welle erscheint als Einhüllende aller Elementarwellen.
02:45 Moleküle in einer Flüssigkeit.
02:55 Hitze verstärkt die Bewegung der Moleküle
03:06 Ein gerichteter Strom von Elektronen lässt eine Lampe glühen.
03:21 Hitze erzeugt Auftrieb durch Verdünnung des Gases.
03:42 Moleküle in einem dichten Gas nahe der Verflüssigung.
03:52 Brownsche Bewegung: Makroskopische Teilchen zittern ein wenig, wenn sie von Molekülen gestoßen werden.
04:25 Die Lichtstrahlen stehen senkrecht auf den Wellenfronten; siehe Huygens‘ Prinzip um 02:26.

http://www.myvideo.de/embed/4296354
Brian Eno + David Byrne : Mea Culpa

Physik ist eindeutig die bessere Religion. Am offensichtlichsten ist das in der Szene, die am häufigsten wiederholt wird: Micky-Maus-Elektronen steigen von der Hölle (der heißen Kathode) in den Himmel (die Anode mit einem + als Zeichen der Erlösung).

Das Mea-Culpa-Filmchen ist trotz mäßiger Klickraten heftig umkämpft und wurde in den vergangenen Jahren immer wieder gelöscht. Anscheinend hat der Rechte-Inhaber EMI jetzt mit Youtube (d.h. Google) abgesprochen, dass das Filmchen nur von gewissen Websites gezeigt werden kann. WordPress ist eine solche Website.

Wir kommen jetzt zum justizkritischen Teil dieses Artikels.

Die Idee zu ihrem Mea-Culpa-Musikstück bekamen Byrne und Eno beim Abhören einer vermutlich illegal mitgeschnittenen Radiosendung 1979. Beim Interview eines Politikers durften ZuhörerInnen anrufen und den Politiker direkt befragen. Ein empörter Zuhörer machte dem Politiker Vorwürfe, worauf dieser antwortete:

Es tut mir Leid. Ich sündigte. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich bat Sie mir zu verzeihen. Bitte verzeihen Sie mir. Mea Culpa [es ist meine Schuld], können Sie es besser ausdrücken? Ich sage: Es tut mir Leid, ich habe einen Fehler gemacht, ich machte, ich beging eine Sünde. Ich habe einen Fehler gemacht und will es nie wieder tun. Ich habe es niemals zuvor getan und werde es nie wieder tun […]

Englisch:

I’m sorry. I committed a sin. I made a mistake. I asked to forgive me. Please forgive me. Mea Culpa, can you put it better? I’m saying I’m sorry, I made a mistake, I made I committed a sin, I made a mistake and I’m never gonna do it again. I never did it before and I’m never gonna do it again […]

Fast das ganze Mea-Culpa-Musikstück besteht aus dem wütenden Gezeter des Anrufers und dem sich endlos wiederholenden Entschuldigungssermon des Politikers. Das sind beste Grundlagen für repetitive Musik.

Zu Herzen gehende Entschuldigungen sind ein wichtiges Mittel der Politik. Karl-Theodor von und zu Guttenberg hat es damit versucht:

„Ich habe weder bewusst noch vorsätzlich getäuscht“, hält Guttenberg dagegen. Wer anderes behauptet, betreibe üble Nachrede. „Ich habe mehrfach gesagt, dass ich diese Doktorarbeit selber geschrieben habe“, sagt der Minister – seine Stimme geht in höhnischen Spottrufen unter. […] Er habe sich „aufrichtig und von Herzen entschuldigt“, betont Guttenberg – und fügt blumig hinzu: „Ich wiederhole das gerne in diesem hohen Hause.“ Der Minister steht vor seinem Tisch, die Hände erst gefaltet […]

Zeit 23.2.2011

Zu Herzen gehende Entschuldigungen sind aber auch von erfahrenen Verteidigern empfohlene Mittel im Strafprozess. Routinierte Angeklagte können damit lang andauernde Orgasmen bei den Richtern (und Richterinnen) auslösen und so substanzielle Strafmilderung erreichen. Wie ein Richter bei einem gefühlvollen Geständnis in Orgasmus gerät, kann man sehen in der Verfilmung des Prozesses gegen die Attentäter vom 20. Juli 1944:

Um 5:50 fängt einer der Angeklagten zu weinen an. Freislers Stimme wird weich: „Sie weinen! [..]“ und er bekommt den richterlichen Standard-Orgasmus. Die RichterInnen lieben derartige Reue-Kundgebungen, weil sie signalisieren, dass sich der Angeklagte ihnen unterwirft. Gerichtsverhandlungen sind zu großen Teilen Sado-Maso-Spiele.

Ungefährlich sind solche zu Herzen gehenden Geständnisse trotzdem nicht. Der Angeklagte erreicht zwar oft eine Strafmilderung wegen seiner „Einsicht“ und der „günstigen Sozialprognose“. Doch weil der Orgasmus so großen Spaß gemacht hat, steht er bald wieder vor Gericht, um den nächsten Orgasmus auslösen usw.usw.usw..

Der Freisler-Film ist aus vielen Gründen sehenswert. Zum Beispiel der Gänse-Marsch des Gerichts, das Männchen-Machen und das alberne Hütchen-Abnehmen ab 0:54. Derartiges Theater wird heute noch im Bundesverfassungsgericht aufgeführt, nur dass die RichterInnen heutzutage kein Heil-Hilter mehr machen. Freislers Imponiergehabe kann man heute noch in hessischen Gerichten bewundern, aufgeführt allerdings von anderen Schauspielern. Es hat sich wenig geändert. Nur gibt es, EU sei Dank, keine Todesstrafe mehr. Das ist eine sehr wichtige Verbesserung.

Bemerkenswert ist der Freisler-Film auch wegen § 169 Gerichtsverfassungsgesetz, wonach bei Gerichtsverhandlungen nicht gefilmt werden darf. Der obige Freisler-Film wurde produziert, um ihn im Fernsehen und in Kinos vorzuführen. Goebbels hat den Film vor der Ausstrahlung angesehen, ihn als schädlich für die deutsche Justiz erkannt und seine Distribution unterdrückt. Dass am meisten die RichterInnen blamiert würden, wenn Filmaufnahmen ihrer Verhandlungen erlaubt würden, ist bis heute der Grund, weshalb § 169 GVG aufrecht erhalten wird.

JAVA in Marburg

6 April 2011

[Java ist in der nordamerikanischen Sprache ein koloniales Wort, welches „Kaffee“ bedeutet. Eine große Insel im pazifischen Ozean wird auf das reduziert, was von dort exportiert wird. Die Software-Entwickler im Westen der USA schlürfen Java, wenn sie JAVA programmieren.]

Java ist zum Kotzen

Programmieren ist einfacher als die Erforschung bislang unverstandener Zusammenhänge. Zwecks Erholung will ich im Sommersemester 2011 etwas über die Programmiersprache JAVA vorlesen.


JAVA ab dem 14.4.2011
donnerstags von 10:15 bis 11:45
im kleinen Hörsaal des Renthof 5

JAVA ist ein grässliches Gewurstel aus älteren Programmiersprachen mit besonders viel C++. JAVA hat C++ abgelöst, weil JAVA die einfache Steuerung (fast) aller Geräte ermöglicht, die an einen Computer angeschlossen werden können. Besonders gilt das für die Router, die den Zugang zu Netzwerken vermitteln, also auch zum Internet. Durch Einbau von JAVA-Applets kann man Internet-Seiten so gestalten, dass man auf die Computer anderer zugreifen kann, sobald die anderen diese Internet-Seiten ansehen. Viele Viren und Trojaner sind heute in JAVA programmiert. Es ist besser das zu verstehen.

Der zweite Vorteil von JAVA ist die so genannte Plattform-Unabhängigkeit. JAVA-Programme können ohne Modifikation auf Windows-, Linux-, Solaris- und Apple-Computern funktionieren. Auch die meisten Kleinstcomputer wie Android-Handhelds, Blackberry und schließlich sogar iPhone akzeptieren JAVA-Applikationen. Autoren beliebiger Software müssen diese nur einmal entwickeln und können sie einheitlich anbieten. Die wirtschaftliche Bedeutung von JAVA ist demzufolge gigantisch.

In meiner JAVA-Vorlesung werde ich vorzüglich Beispiele anschreiben und diskutieren. JAVAs allgemeine Grundsätze – so es sie gibt – werden aus diesen Beispielen entwickelt.

Plan der ersten ein bis zwei Vorlesungen

1) Der Computer und seine Geräte als totalitärer Staat. Die Exekutoren java und javac.
2) Welche Software zum JAVA-Programmieren gebraucht wird und wie man sie beschafft – zum Nulltarif.
3) Erstes Beispiel einer JAVA-Application.
4) Erstes Beispiel eines JAVA-Applets ………… mit Zugriff auf fremde Computer.

Ulrich Brosa

Die Kettenreaktionen in Fukuschima gehen weiter

15 März 2011

[Wie sich die Leute das vorstellen, was in den japanischen Nuklear-Reaktoren geschieht.]

Der Unfall in Tschernobyl geschah, weil der Reaktor durch eine Reihe leichtsinniger Bedienfehler überkritisch gemacht wurde. Die Explosion in Tschjornobühl ist darum mit der einer Atombombe vergleichbar. Schuld war hauptsächlich der karriere-geile stellvertretende Chefingenieur Djatlow. Ich habe ein paar Beschreibungen für eine Vorlesung gesammelt.

Die Unfälle in Fukuschima sollen mit dem Unfall in Harrisburg vergleichbar sein. Dort wurde angeblich nach einem Problem mit der Kühlung die Kettenreaktion abgeschaltet, der Reaktor tief unterkritisch gemacht, wie es sein soll. Dass es trotzdem zu einem Unfall kam, wird auf die Nachwärme geschoben. Das ist ungefähr das Gleiche, was man auf einer Herdplatte spürt, kurz nachdem man sie abgeschaltet hat.

Der Haken dabei ist nur: Die Nachwärme ist im Vergleich zum dem, was ein kritischer Reaktor an Wärme produziert, lächerlich gering und sie klingt innerhalb weniger Stunden ab. Wenn man zudem berücksichtigt, dass die meisten Spaltfragmente radioaktiv sind und durch ihren Zerfall Wärme erzeugen, kommt etwas hinzu, was für einen nuklearen Reaktor spezifisch ist. Doch auch diese Zerfälle nehmen innerhalb von Stunden stark ab.

Hinzu kommen die merkwürdigen Meldungen mit der „Borsäure“. Die japanischen Reaktoren würden mit Meerwasser gekühlt. Dem Meerwasser würde Borsäure zugesetzt zwecks zusätzlicher Kühlung. Derartige Meldungen führen in die Irre. Bor hat einen riesigen Wirkungsquerschnitt für den Neutroneneinfang. Es wird verwendet um die Kettenreaktion zu unterdrücken. Wenn Techniker Bor in die Reaktoren kippen, bedeutet das, dass es eben doch nicht gelungen ist die Kettenreaktion abzuschalten.

Es ist nie möglich einen Kernreaktor schnell auszuschalten wie eine Lampe. Das hat mit Erdbeben und Tsunamis nichts zu tun, sondern wird durch die unzureichende technische Beherrschung der Kernspaltung verursacht. Doch nach einem Tag sollte das Schlimmste vorüber sein. Dass die Probleme noch nach Tagen zunehmen, zeigt, dass in Fukuschima nicht einmal die Kettenreaktion, die große Energiequelle, unterdrückt werden kann – und das bei mehreren Reaktoren zugleich. Insofern haben die Unfälle in Fukushima doch Ähnlichkeit mit dem Unfall in Tschernobyl.

Ulrich Brosa


Nachtrag am 16.3.2011:

Ich meine, dass nur wenige Leute verstehen, was in einem AKW geschieht. Deshalb die an sich bekannte Erklärung der Kettenreaktion:

1) Ein Neutron trifft Uran-Kern.
2) Uran-Kern spaltet, dampft dabei zwei oder mehr Neutronen ab.
3) Die Neutronen bis auf eines bleiben irgendwo stecken.
4) go to 1)

Ein Reaktor, in dem genau das geschieht, heißt kritisch. Bleibt nach einer Spaltung mehr als ein Neutron übrig, heißt der Reaktor überkritsch, bleibt weniger als ein Neutron übrig, heißt er unterkritisch. Dass der Reaktor genau auf der kritischen Kante bleibt, ist regelnd zu erreichen. Doch nur ein Aufmerksamkeitsfehler, wenn er mehr als zwei Sekunden dauert, hat fatale Folgen. Entweder säuft der Reaktor ab. Dann ist es heikel ihn wieder hochzufahren. Oder viel schlimmer: Der Reaktor explodiert.

Dagegen sollte es sehr einfach sein einen Reaktor unterkritisch zu machen. Dass das in Fukuschima nicht geklappt hat, dürfte an der allgemein bekannten menschlichen Schlechtigkeit gelegen haben. Wie bei einem Betrunkenen, der aufs Gaspedal tritt. Um es noch deutlicher zu schreiben: Die nicht endenden Probleme in Fukuschima wurden durch Erdbeben und Tsunami ausgelöst, aber nicht verursacht. Ursache war die jahrelange Schlamperei vorher und der Mangel an Wissen beim Personal.

Was die Bruchstücke (=Fragmente), die bei der Spaltung entstehen, an Neutronen abgeben, ist bei den gut 2 Stück, die oben hinter 2) erwähnt werden, inbegriffen. Die Neutronen-Emission ist spätestens nach ein paar Sekunden vorbei. Danach zerfallen die Fragmente, indem sie Elektronen und Gammas emittieren. Vor allem die Gammas (extrem hochfrequentes Licht) sind für pflanzliche und tierische Zellen lebensgefährlich. Aber deren Energie ist um den Faktor Tausend kleiner als die Energie, die bei der Kernspaltung frei wird, und die Emissionen der Fragmente nehmen im Lauf der Zeit ab, während die Kettenreaktion andauert.

Rudolf Becker-Falk gestorben

10 März 2011

Es geschah am 5.3.2011. Die Ursache ist mir nicht bekannt. Becker-Falk gehörte zu einer gesellschaftlich höchst wertvollen, in Marburg fast ausgestorbenen Art. Becker-Falk war kein Ödie, sondern warb Aufträge ein und führte sie aus.

Er hatte einen Laden in der Weidenhäuser Straße, EBC-Elektronik, wo er elektronische Geräte verkaufte und reparierte. Viel Geld verdient hat er nicht. Doch was er verdiente, hat er verdient. Der Unterschied zu den vielen Parasiten, die Marburg hauptsächlich bevölkern, konnte größer nicht sein. Marburg ist eine Stadt des öffentlichen Diensts.

Becker-Falk bezeichnete sich als „Schrauber und Bastler“, was einerseits zeigte, dass er kein Angeber war, andererseits nicht ganz wahr war. Er hatte von dem, was die Geräte taten, systematische Kenntnisse. Ich habe seine Rechnungen gerne bezahlt, weil er tiefgründig-nützliche Informationen mitgab.

Die Trauerfeier soll am 11.3.2011 um 13 Uhr in der Universitätskirche stattfinden.

Das ist neben dem Hörsaalgebäude der Juristen dicht am Rudolphsplatz. Becker-Falk hat Besseres verdient. Vielleicht die Pfarrkirche St.Marien. Dort hängt eine vollbusige Frau mit Vollbart am Kreuz.


Nachtrag 11.3.2011

Ich war bei der Trauerfeier in der Universitätskirche. Die Leichenrede des protestantischen Pastors war unerträglich salbungsvoll. Er predigte über Quantenmechanik (kein Witz!) und leitete die Unsterblichkeit der menschlichen Seele aus der Quantenverschränkung ab. Die Quantenmechanik ist Guttenberg in der Physik. Aber vielleicht bin ich ungerecht, denn in der Quantenmechanik ist nicht alles falsch.

Dagegen waren die Leichenreden des Bruders von Becker-Falk und eines Kneipenwirts aus dem Weidenhäuser Kiez instruktiv.

Der Bruder erzählte von Becker-Falks jungen Jahren. Rudolf Becker-Falk wurde am 16.12.1950 in Borken/Nordhessen geboren. Wie sein Name andeutet, war er der Sohn des dörflichen Bäckers. Es war der Vater, der Becker-Falk eine Lehre als Bäcker verpasste. Becker-Falks Herzensneigung waren jedoch elektrisch-elektronische Geräte, die er demontierte und manchmal richtig zusammenfügte. Diese Herrschaft über Maschinen gestattete Becker-Falk sich zum zentralen Veranstalter jugendlicher Feierlichkeiten aufzuschwingen. Er verfügte über die stärksten Verstärker und lautesten Lautsprecher in Borken. Musikalisch war er Doors-Fan. AC/DC, Böhse Onkelz und NSBM gab es damals noch nicht. Nach abgeschlossener Lehre zog Becker-Falk nach Marburg, arbeitete dort tags als Bäcker-Geselle, während er abends das Abitur nachholte. Schließlich studierte er Physik und zwar, wenn ich es richtig verstanden habe, bis zum Diplom. Das erklärt seine systematischen Kenntnisse.

Der Kneipier aus dem Kiez erzählte von Becker-Falks letzten Jahren und seiner Betätigung als Anarchist. Becker-Falk kam in die Gastwirtschaft zwecks Einnahme des Frühstücks oder des Abendmahls. Statt still zu sein, wie es sich gehört, verlas Becker-Falk laut Zeitungsartikel, in denen Staatsdiener unvorteilhaft dargestellt wurden, und hielt despektierliche Reden über die Obrigkeit.

Etwa drei Monate vor seinem Tod wurde Becker-Falk nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert, arbeitete aber danach wie zuvor. Ich entnehme einigen Andeutungen, dass Becker-Falk am 5.3.2011 schlagartig umfiel.

Beurteilung wissenschaftlicher Arbeiten

1 März 2011

Kernspaltung

[Aus eigener Produktion – Die Erklärung des Sägezahns in der Neutronenmultiplizität bei der asymmetrischen Kernspaltung]


Da ich selbst viel in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht habe, schicken mir die Herausgeber derartiger Zeitschriften Manuskripte anderer Autoren. Ich soll diese Manuskripte lesen und den Herausgebern mitteilen, ob darin Interessantes steht. Über die Annahme der Manuskripte entscheiden die Herausgeber. Doch sie orientieren sich mit Hilfe meiner Berichte, so dass ich die richterliche Tätigkeit aus eigener Praxis kenne. Ich möchte darum beschreiben, was ich tue um zu einem einigermaßen richtigen Urteil zu kommen.


A) Sofort nach Erhalt des Manuskripts lese ich es ein erstes Mal. Ich versuche die Ergebnisse zu verstehen und die Methoden, die dazu benutzt wurden.

B) In den drei bis vier Wochen danach schaue ich gelegentlich in gedruckte Zeitschriften und Bücher, aber auch ins Internet und rede mit Kollegen um herauszubringen, was von den Ergebnissen und Methoden des Manuskripts schon bekannt ist.

C) Danach lese ich das Manuskript sorgfältig. In naturwissenschaftlichen Artikeln ist es üblich mit den Ergebnissen Beweise anzugeben. Von diesen Beweisen überprüfe ich etwa die Hälfte detailliert.

D) Ich fasse meine Beurteilung – mit Begründung – in einem Bericht zusammen und lasse den Bericht ein paar Tage liegen. Die Länge meiner Berichte beträgt ein bis zwei Seiten.

E) Schließlich lese ich das Manuskript ein drittes Mal. Ich prüfe besonders nach, ob ich in meinem Bericht Dinge behaupte, die im Manuskript so nicht stehen.


Die Prozedur ist aufwendig. Ich verüble es darum den Herausgebern, wenn sie mir für meinen Bericht weniger als vier Wochen Zeit lassen. Ich bin zudem nicht in der Lage mehr als zwei Manuskripte gleichzeitig zu bearbeiten.

Aus meinem Bericht ziehe ich eine der folgenden Schlussfolgerungen:


a) Ich erkläre mich für befangen (biased). Da ich selbst in mehreren Feldern der Physik und Mathematik gearbeitet habe, geschieht das ziemlich oft – etwa 20%.

b) Wenn das Manuskript mindestens einen neuen Aspekt und nur geringe Fehler enthält, empfehle ich die Veröffentlichung ohne Weiteres. Ich bitte den Autor, den Herausgeber und die LektorInnen die Fehler ohne meine Kontrolle zu entfernen. Diese Variante ist die angenehmste für mich, da sie am wenigsten Arbeit kostet. Leider tritt sie selten ein – etwa 10%.

c) Wenn das Manuskript mindestens einen neuen Aspekt, aber entstellende Fehler enthält, empfehle ich dem Herausgeber die Fehler vom Autor korrigieren zu lassen und mir das korrigierte Manuskript zu schicken. Wenn das korrigierte Manuskript weniger Fehler enthält als das ursprüngliche, empfehle ich die Veröffentlichung. Die vollständige Korrektur aller Fehler verlange ich nicht. Diese Variante ist am häufigsten – etwa 50%.

d) Wenn das eigentliche Ergebnis im Manuskript erwiesenermaßen falsch oder bereits vollständig bekannt ist, rate ich von der Veröffentlichung ab. Das geschieht zu etwa 20%.


Dass jemand seine Artikel wie der Freiherr von und zu Guttenberg praktisch unverändert von anderen abschreibt oder abschreiben lässt, ist mir noch nicht vorkommen, obwohl ich in Strichproben danach suche. Es kommt jedoch häufig vor, dass die Autoren von sich selbst abschreiben und einen Artikel, den eine Zeitschrift bereits veröffentlicht hat, leicht modifiziert bei einer anderen Zeitschrift unterbringen wollen. Wenn das modifizierte Manuskript mindestens ein neues Ergebnis ergänzt, lasse ich das zu. Handelt es sich aber nur um eine Umformulierung, mache ich den Herausgeber darauf aufmerksam. Es kommt auch häufig vor, dass Hinweise auf inhaltsreiche Vorgänger-Artikel fehlen. Ich fasse das als Fehler auf und dränge auf Ergänzung der Zitate, siehe c) oben.

Die Autoren stehen mir gegenüber in der schwächeren Position. Es verbietet sich daher Kraftausdrücke auf sie anzuwenden. Im Gegenteil: Auch in den Fällen des Abratens d) bemühe ich mich etwas Positives in dem Manuskript hervorzuheben und den Autoren für ihre zukünftigen Arbeiten Erfolg in Aussicht zu stellen, wenn sie sich Mühe geben.


Zwei Fälle habe ich erlebt, die außergewöhnlich waren:

* Ein chinesischer Autor hatte aus zahlentheoretischen Überlegungen die Unmöglichkeit sehr schwerer Atomkerne abgeleitet. Kerne mit Kernladungszahlen ab Z=114 dürfe es nicht geben. Das Ergebnis war falsch. Denn während der letzten Jahre wurden in Russland, den USA und in Hessen (bei der GSI in Darmstadt) superschwere Kerne mit Z=114 bis Z=118 erzeugt und nachgewiesen. Nichtsdestoweniger war das Manuskript schriftstellerisch hervorragend. Anders als die meisten seiner Kollegen hatte dieser Autor die Grundlagen, Folgerungen und sogar die Stelle, an der er die Analogie übertrieb, so klar dargestellt, dass es Vergnügen machte das Manuskript zu lesen. Der Unterschied war markant, weil die meisten Manuskripte verblufft sind, d.h. die Autoren vernebeln ihre meist kümmerlichen Ergebnisse und Überlegungen um sie großartiger darzustellen, als sie sind. Wegen d) habe ich von der Veröffentlichung abgeraten, aber in meinem Bericht die literarische Qualität der Arbeit hervorgehoben.

* Ein mittelasiatischer Autor stellte zwei Formeln vor, die meines Erachtens die Welt verändern werden. Nobelpreise sind schon für weniger vergeben worden. Der Haken war: Die Formeln waren strukturell richtig, aber in physikalischen Details falsch. Auch der Beweis wimmelte von Fehlern. Ich empfahl eine möglichst rasche Veröffentlichung und stellte nur zur Bedingung, dass der Autor wenigstens die schwersten Fehler entferne. Die revidierte Fassung kam rasch. Der Autor hatte die Fehler entfernt, die ich angekreidet hatte, aber mehrere neue, noch schwerere eingebaut. Was soll man davon halten? Der Autor könnte ein chaotisches Genie sein; er könnte dem Kapitel „Genie und Wahnsinn“ angehören, wie sich die Österreicher im 19.Jahrhundert ausdrückten. Es könnte aber auch sein, dass dieser Autor das Manuskript eines anderen entdeckt, nicht richtig verstanden und seinen Verschnitt als eigene Leistung losgeschickt hatte. Fest steht jedenfalls: Irgendjemand muss die Lösung des grundsätzlich wichtigen Problems entdeckt haben. Das Dilemma verunsichert mich sehr. Ich erklärte mich für befangen und bat den Herausgeber selbstständig zu entscheiden oder einen anderen Referee zu befragen.


Das, was ich gerade beschrieben habe, wird im Wissenschaftsbetrieb „Refereeing“ genannt. Ins Deutsche wird „Referee“ als „Gutachter“ übersetzt. Ich hasse „Gutachten“ und „Schiedsrichter“, weil es prahlerische Wörter sind. Richtig wären eher „Report“ und „Reporter“.

Es ist im Wissenschaftsbetrieb üblich, dass die Referees anonym bleiben, was sie sogar noch unter die staatlichen Richter stellt, die immerhin ihre Namen unter ihre Urteile schreiben müssen. Ich habe schon vor Jahren eine Kampagne gegen die anonymen Referees gestartet ohne jedoch eine grundsätzliche Änderung durchsetzen zu können. Ich setze jedenfalls meinen Namen unter jeden Report, den ich schreibe, habe aber erleben müssen, dass die SekretärInnen in den Büros der Zeitschriften meinen Namen löschten, bevor sie meine Berichte an die Autoren weiterreichten.

Ulrich Brosa

Warum ist es in Moskau so heiß?

7 August 2010

Waldbrand in der Nähe von Moskau
(Russlands Bestes – die Wälder – brennen)

Es gibt mehrere Gründe, weshalb die Luft auf der Erde ständig hin und her strömt. Der wichtigste Grund ist die Rundung der Erde; sie wird ungleichmäßig von der Sonne beschienen. Die heiße Luft wird von niedrigen Breiten (der Nähe des Äquators) zu den hohen Breiten (den Polen) gepresst. Die kalte Luft muss dann von den hohen Breiten zu den niedrigen, weil der Luftdruck nicht beliebig steigen kann.

Speziell auf der Nordhalbkugel: Sobald die heiße Luft nach Norden strömt, verdrängt sie die kalte Luft vom Nordpol in Richtung Süden. Doch kann die Luft nicht zugleich nach Norden und Süden strömen. So bilden sich längs der Längen Einbahn-Straßen, auf denen die Luft entweder nach Norden oder nach Süden fließt. Die Straßen sind dafür, dass sie selbst nur aus Luft bestehen, erstaunlich stabil. Zum Beispiel hat sich mindestens seit dem vorigen Winter über Skandinavien, Deutschland und Frankreich eine Einbahn-Straße gebildet, auf der kalte Luft vom Nordpol nach Süden strömt. Wir haben viel öfter Nordwind als früher. Die heiße Luft dagegen fließt von der arabischen Halbinsel über Persien und Russland nach Norden. Darum ist es jetzt in Moskau so heiß und das wird sich so bald nicht ändern. Die animierte Grafik zeigt das deutlich:

(In der Mitte Deutschland, am rechten Rand Russland. Schwarzrot bedeutet heiß, Gelb bedeutet kühl. Vorsicht: Die Grafik ist von www.wetteronline.de verlinkt. Sie kann sich jeden Tag ändern. Heute ist der 7.8.2010.)

Über Sibirien kommt eine zweite, viel bedeutendere Kaltluft-Einbahn-Straße vom Nordpol herunter. Sie besorgt den ergiebigen Regen in China und Indien und drückt zugleich die heiße Luft über Teheran, Astrachan und Moskau nach Norden:

(Oben am linken Rand Russland, oben Mitte und rechts Sibirien, unten links Indien, unten rechts China, Vorsicht: Auch diese Grafik kann sich jeden Tag ändern.)

Das einzig wirklich Interessante auf der Erde ist das Wetter. Staatsanwalt Franosch, Zmyj-Köbel, Willanzheimer, Jörg etc., die ganze deutsche Justiz – alles nur kleiner, fieser Mist.
Ulrich Brosa

Kernspaltung

18 Februar 2010


[Zufälliges Halsreißen – executioner with quivering hands]

Ein Berliner Witzbold, der extreme Scherze liebt, hat erklärt, das Wissen von Sprengstoffen sei zu wichtig um es Kapitalisten zu überlassen. Demgemäß hat der Witzbold den Sprengstoff-Verein e.V. und die Ultraliberalen Satanisten gegründet. Richtig ist: Gefährliches Wissen wird nicht dadurch harmloser, dass man es möglichst vielen vorenthält.

Ich habe mich darum entschlossen im Sommersemester 2010 über Kernspaltung zu lesen. Zur Zeit dürfte es sehr wenige Menschen geben, die davon mehr verstehen als ich. Damit sich kernspaltungsbegeisterte StudentInnen vorab über Ort, Zeit und Programm informieren können, habe ich eine Internet-Seite eingerichtet. Vorrangig werden natürlich die physikalischen Grundlagen erörtert. Aber auch einige technische Verfahren sollen besprochen werden: Anreicherung und die wichtigsten Reaktor-Typen. Atombomben finde ich banal.

Was sind die wichtigsten experimentellen Befunde bei der Kernspaltung? Es wird fürchterlich heiß, Neutronen werden ausgespuckt und übrig bleibt Zeug enormer chemischer Diversität, das durchweg hart strahlt. Das Bild oben erklärt die Zusammenhänge zwischen der totalen kinetischen Energie, den diversen Fragment-Größen und der Neutronen-Emission in einfach-anschaulicher Weise. Es ist das zufällige Halsreißen. In meiner Vorlesung wird viel erklärt werden, was in Lehrbüchern nicht steht.

Ulrich Brosa