Mehr als 75 NSDAP-Mitglieder im hessischen Landtag

Karl-Heinz Koch rechts

[Der hessische Justizminister Karl-Heinz Koch (CDU) war NSDAP-Mitglied, rechts im Bild. Rechts von der Mitte die geistreiche Gattin. Links strebt der gemeinsame Sohn Kohland Roch (CDU) nach vorn, der brutalstmögliche Ministerpräsident.]

Dieser Artikel besteht überwiegend aus Zitaten:

Im hessischen Landtag waren in der Vergangenheit mehr Abgeordnete ehemalige Mitglieder der Nazi-Partei NSDAP als bislang bekannt war. Von 333 überprüften Abgeordneten zwischen 1946 und 1987 seien mindestens 75 Mitglieder gewesen, sagte der Historiker Hans-Peter Klausch am Mittwoch in Wiesbaden […] Bislang seien nur drei Abgeordnete in den offiziellen Handbüchern des Landtags als NSDAP-Mitglieder ausgewiesen worden.
[…]
Der Studie zufolge gab es ehemalige Nazis in allen Fraktionen.

Bei den Grünen fand Klausch nach eigenen Angaben in Reinhard Brückner, der 1982 in den Landtag einzog, ein ehemaliges NSDAP-Mitglied.

Besonders hoch sei der Anteil in der FDP gewesen. Von 59 überprüften liberalen Landtagsabgeordneten habe er in 23 Fällen eine frühere NSDAP-Mitgliedschaft festgestellt, sagte Klausch.

In der SPD-Fraktion machte der Historiker unter 140 überprüften Landtagsabgeordneten 15 ehemalige NSDAP-Mitglieder aus. Darunter seien auch die früheren hessischen Finanzminister Rudi Arndt und Wilhelm Conrad.

In der CDU-Fraktion ermittelte der Historiker 22 frühere NSDAP-Mitglieder bei 97 überprüften Abgeordneten. Darunter sei auch Vater des früheren Ministerpräsidenten Roland Koch, Justizminister Karl-Heinz Koch, gewesen.

Insgesamt könne die Zahl auch höher liegen, da die NSDAP-Mitgliederkartei nur zu 80 Prozent erhalten sei […]

nh24 4.5.2011

Die Ergebnisse sind nicht so neu, wie behauptet wird. Schon die Bredel-Gesellschaft hat veritable Listen vorgelegt. Dass die FDP die am stärksten belastete Partei ist, machte schon der NS-Justizmörder Erich Schwinge deutlich, als er nach 1945 zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der hessischen FDP und zum Rektor der Marburger Uni aufstieg.

Viele Hessen haben nach 1945 bedauert, dass sie offiziell nicht mehr nationalsozialistisch sein durften. Da waren sie glücklich wenigstens noch sozialistisch wählen zu können. Darauf beruhten die Erfolge der SPD in den frühen Jahrzehnten nach 45. Also auch die hessische Nachkriegs-SPD war eine Nazi-Partei.

Am ekelhaftesten ist in Hessen die Heuchelei (ähnlich wahrscheinlich in Bayern und Niedersachsen). Fast findet man die Neonazis in Sachsen-Anhalt sympathisch, weil sie zugeben, dass sie Neonazis sind. In Hessen unterband die US-amerikanische Besatzungsmacht ein paar Jahre lang nach 45 den Hitlergruß, Hakenkreuze und ähnliche Bekundungen. Die hessischen Nazis wurden tückischer als jemals zuvor. Sie verwendeten Ersatz-Symbole wie 18 und 88. Sie gründeten angebliche Fußballvereine FV 1919 = Förderverband SS. Bevorzugte Nachfolge-Organisationen der SA und der SS wurden die Freiwilligen Feuerwehren und die Schützenvereine, überhaupt die heimischen Vereinsgemeinschaften.

An der Heuchelei hat bis heute nichts geändert. Wehe jedem, der die Wahrheit sagt, nämlich dass die (Neo-)Nazis Nazis sind oder die hessische Polizei und die hessische Justiz vorwiegend mit Neonazis rekrutiert werden (die Bundeswehr sowieso).

Immerhin wird jetzt klar, warum niemand gegen die unhaltbaren Zustände in Marburg und Umgebung Widerstand leistet. Auch die Grünen haben nichts gegen das Nazitum. Es könnte ihrer Karriere schaden, wenn sie dagegen etwas unternähmen. Mit einer Grünen-Politikerin namens Geza Zickermann habe ich schon früh einschlägig schlechte Erfahrungen gemacht. Een vies volk.

Ich schreibe das, um die Erkenntnisse auf die Gegenwart anzuwenden. Wer 1933 Karriere machen wollte, trat in die NSDAP ein. Wer 1946 in Hessen Karriere machen wollte, trat in die SPD ein, anderswo eher in die CDU. Wer heute Karriere machen will, tritt den GRÜNEN bei. Es ist immer das gleiche Volk: Leute mit geringen Fähigkeiten und noch geringeren Skrupeln stets bereit für die eigene schäbige Karriere alles kaputt zu machen. Wo treten Brandstifter ein? In die Feuerwehr. Schuld haben allerdings auch die vielen anderen, die das geschehen lassen.

Ulrich Brosa


Ergänzungen

Karl-Heinz Koch NSDAP

[Karl-Heinz Koch. Vor 1945: NSDAP. Nach 1945: CDU, hessischer Minister der Justiz]
_________

Tassilo Tröscher NSDAP

[Tassilo Tröscher. Vor 1945: NSDAP. Nach 1945: SPD, hessischer Landwirtschaftsminister. Vielfach preisgekrönter Oberheuchler. Gab in seiner Vita an: „Bis 1933 Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. Seit 1947 Mitglied der SPD.“ In welcher Partei er von 1933 bis 1945 war, schrieb er nicht.]
___________

[Alfred Dregger. Vor 1945: NSDAP. Nach 1945: CDU, Jura-Student in Marburg, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Rechtsextremer Oberhetzer. Vehementer Befürworter des Radialenerlasses, mit dem die Linksradikalen bekämpft wurden.]
____________

Hans-Otto Weber NSDAP

[Hans-Otto Weber. Vor 1945: NSDAP. Nach 1945: SPD, Abgeordneter im hessischen Landtag und Ehrenpräsident des Volksbundes]
___________

Eitel Oskar Höhne NSDAP

[Eitel Oskar Höhne. Vor 1945: NSDAP. Nach 1945: SPD, Jura-Student, Abgeordneter im hessischen Landtag. Garant der Meinungsfreiheit im Nachkriegshessen. Vorsitzender des Verwaltungsrats des hessischen Rundfunks]
____________

Die FDP übertrifft an Abscheulichkeit alles: In den Jahren von 1954 bis 1970 war die FDP-Landtagsfraktion zu zwei Dritteln mit NSDAP-Mitgliedern bestückt. FDP-Abgeordnete, die nicht der NSDAP angehört hatten, verweilten im hessischen Landtag meistens nur kurz.


Nachtrag 17.5.2011

Klauschs Broschüre Braunes Erbe – NS-Vergangenheit hessischer Landtagsabgeordneter der 1. – 11. Wahlperiode (1946 – 1987) (4 MB Download) ist interessanter als alle Zeitungsartikel.

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16 Antworten to “Mehr als 75 NSDAP-Mitglieder im hessischen Landtag”

  1. LeserIn Says:

    Das Lügen ist den Volksvertretern zur zweiten Natur geworden:

    Als „Paradebeispiel für Opportunismus und Verdrängung“ kann nach Ansicht von Klausch die Karriere des späteren hessischen Landwirtschaftsministers (1967 bis 1970) und Trägers des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Schulterband und Stern, Tassilo Tröscher, angesehen werden. Tröscher ist unter den sozialdemokratischen Abgeordneten jener, der zum frühesten Zeitpunkt in die NSDAP eintrat, nämlich am 1. März 1933. Im Biographischen Handbuch des Landtags ist über den 1902 Geborenen zu lesen: „Bis 1933 Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. Seit 1947 Mitglied der SPD.“

    Ach was, Verdrängung. Der hat gelogen.

    In den Reihen der CDU wurden in den Wahlperioden von 1954 bis 1966 zwischen 25 und 35,7 Prozent der Mandate dauerhaft oder zeitweilig von früheren NSDAP-Mitgliedern wahrgenommen. Bei der FDP schwankte dieser Wert in den Jahren 1954 bis 1970 zwischen 60 und mehr als 70 Prozent.

    „Die Hinzuziehung von SS- und SA-Personalunterlagen ergab, dass es auch schwer belasteten Nazis gelang, im hessischen Landtag unerkannt erneut politisch zu wirken.“ Da ehemalige Nationalsozialisten sogar in politische Spitzenämter gelangt seien, beispielsweise als Fraktions- oder Landesvorsitzende oder Minister, sei die Frage nach Kontinuitäten zwischen NS-Staat und früher Bundesrepublik neu zu stellen.

    Neu zu stellen? Wer nicht blöd ist, kennt die Kontinuitäten seit langem.

    Alfred Dregger, von 1967 bis 1982 CDU-Landesvorsitzender, von 1977 bis 1983 zudem stellvertretender Bundesvorsitzender und außerdem zeitweise Fraktionschef im Landtag, war bekanntermaßen von September 1940 an NSDAP-Mitglied.

    Dregger galt in der CDU als Spezialist für Sicherheit: „der schwarze Sheriff“. In Wirklichkeit war er Nazi. Schwarz wie die SS.

    Der zum 1. Mai 1933 im Alter von 25 Jahren zum „Parteigenossen“ avancierte Heinz Wolf (Landtagsabgeordneter von 1962 bis 1966) beklagte nach den Recherchen von Klausch 1935, dass sich viele Richter in der „Judenfrage“ noch „von einer gewissen Humanitätsduselei leiten lassen und es noch nicht recht verstehen, der nationalsozialistischen Einstellung zur Rassenfrage bei der Urteilsfindung vollauf gerecht zu werden“. Während des Krieges war Wolf dann als Ankläger beim Sondergericht Danzig tätig. Solche Gerichte verhängten Tausende von Todesurteilen und gelten als staatliche Terrorinstrumente zur Durchsetzung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

    Der Friedberger Horst Geipel, der die CDU von 1974 bis 1982 im Landtag vertrat, wurde am 1. September 1941 mit 17 Jahren in die NSDAP aufgenommen. Er brachte es gemäß der Studie noch zum SS-Untersturmführer der SS-Panzerdivision „Frundsberg“, zudem habe er als Angehöriger des SS-Grenadier-Ersatz-Bataillons „Ost“ von März bis Juni 1943 an der gemeinhin mit äußerster Brutalität geführten Partisanenbekämpfung teilgenommen.

    Alles aus FAZ 04.05.11

  2. Rainer Hoffmann Says:

    hier: http://www.hna.de/nachrichten/hessen/landtag-sassen-weit-mehr-ex-nazis-bisher-bekannt-1230834.html?spreadly=twitter.4dc57867db45114b79000011

  3. LeserIn Says:

    Das Interessanteste an

    http://www.hna.de/nachrichten/hessen/landtag-sassen-weit-mehr-ex-nazis-bisher-bekannt-1230834.html?spreadly=twitter.4dc57867db45114b79000011

    sind die Leser-Kommentare darunter. Etwa zwei Drittel von Neonazis nach dem Motto: „Jetzt muss doch endlich mal Schluss sein!“. Die Neonazis jubeln sich zudem gegenseitig hoch. Unter jedem Kommentar ist eine Beliebtheitsskala.

  4. Rainer Hoffmann Says:

    Ich habe das in meinem Artikel „Unbequeme Wahrheiten über deutsche Richter“ thematisiert:

    http://solarresearch.org/sk2010/videoaudio/weiterevideos/691-020.html

    Ganz am Ende ist ein Video, was ich im 03,05. hochgeladen habe und was Zitate über die gescheiterte Entnazifierung enthält. Diese „personelle Kontinuität“ bedeutete auch eine „inhaltliche Kontinuität“.

  5. bloegi Says:

    An den Artikel (siehe oben) etliche schöne Bilder angehängt. Wer will nicht wissen, wie z.B. Eitel Oskar Höhne (hieß wirklich so) aussah? Vor 1945 NSDAP, nach 1945 maßgeblich verantwortlich für die Meinungsfreiheit in Hessen.

  6. Antinazi Says:

    „Braunes Erbe in Hessen: NS-Vergangenheit hessischer Landtagsabgeordneter
    der 1. – 11. Wahlperiode (1946 – 1987)“ lautet der Titel einer Studie (Download als PDF-Datei) des Oldenburger Historikers Dr. Hans-Peter Klausch, welche …

    http://antinazi.wordpress.com/2011/05/17/braunes-erbe-ns-vergangenheit-hessischer-landtagsabgeordneter/

  7. bloegi Says:

    Link zu Klauschs Broschüre als Nachtrag vom 17.5.2011 ergänzt (siehe oben).

  8. LeserIn Says:

    Hier eine Liste der NSDAP-Kreisleitungen im Gau Hessen-Nassau:

    http://freepages.family.rootsweb.ancestry.com/~dettweiler/webdocs/e055.htm

    Marburg ist nicht dabei, dafür aber Biedenkopf. Wer sich in Marburg umsieht, glaubt, es könne rechter gar nicht mehr gehen. Es geht aber doch noch rechtsextremer, z.B. in Biedenkopf.

    https://bloegi.wordpress.com/2009/11/22/rassismus-in-hessen-als-lustiges-volksfest/
    https://bloegi.wordpress.com/2010/02/28/neger-auspeitschen/

  9. bloegi Says:

    Es ist ähnlich wie 1945 in Deutschland. In Tunesien gibt es den alten Diktator Ben Ali nicht mehr, aber in den Behörden hat sich das korrupte Staatsdiener-Gesindel gehalten:

    […] Zwar ist die Zeit der Unterdrückung vorbei, doch immer noch kommt es in der Stadt zu Plünderungen, die Wirtschaft des Landes liegt am Boden
    […] Sie stehen vor dem Justizministerium – und sie sind wütend. Es sind vielleicht hundert, die sich hier versammelt haben. Sie rufen, was viele Tunesier denken. So zum Beispiel der Jurist Chokri Benaissa: „Wir sind mitten in einer Krise. Die Revolution wurde zum Scheitern gebracht, die Polizei zeigt sich wieder in alter Stärke. Wir kehren zur Gewalt, zur Diktatur zurück“, sagt er. Und ein Demonstrant pflichtet ihm bei: „Es ist immer noch das gleiche. Hier hat doch keiner aufgeräumt. Es sind immer noch die gleichen Leute im Amt, in den Ministerien, die mit Ben Ali zusammengearbeitet haben.“

    Vier Monate nach dem Abgang des Präsidenten sind viele ernüchtert. Sie befürchten, dass ihnen die Revolution zwischen den Fingern zerrinnt, dass die alten Kräfte wieder das Ruder übernehmen. […]

    Tagesschau 17.5.2011

    Bald werden sich in Tunesien – wie damals in Deutschland – die alteingesessenen Staatsdiener als Wahrer des öffentlichen Friedens präsentieren. Motto: Wenn es uns nicht gibt, wird halt geplündert.

    Ich empfehle jetzt schon zu bedenken, wie Derartiges verhindert werden kann, falls es in Deutschland zu einer Umwälzung kommt.

  10. Der Mann, der jetzt Leitender Oberstaatsanwalt in Marburg ist, hat die Strafverfolgung des Nationalsozialistischen Untergrunds vergeigt « bloegi Says:

    […] war juristischer Import aus Hessen. Er ist ein juristischer Ziehsohn des NSDAP-Mitglieds Karl-Heinz Koch. Trotz oder gerade wegen Unfähigkeit machte Koeppen in Thüringen zunächst Karriere. Bis 2004 war […]

  11. bloegi Says:

    Die folgende Geschichte hat sich zwar nicht in Hessen, sondern in Österreich abgespielt. Aber sie ist so makaber, dass sie registriert werden muss:

    Zechmann, XXX. Bomben-Bastler. Sohn von Heiner Zechmann sr.

    Zechmann, Heiner. sr. Sohn von Heinrich Zechmann (NSDAP-Gauamtsleiter, später Mitbegründer der FPÖ). Nach eigenen Angaben kein FPÖ-Mitglied. AHS Lehrer in Villach. [1995] Pädagogenpreis des 3. Europäischen Chemielehrerkongresses (S 50.000,-). [2002]: Landesschulratspräsident Kärnten. [2003?]: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Bringt [2002] eine Klage (Rechtsvertretung: Kanzlei Gheneff-Rami) gegen das Periodikum Volksstimme ein. Dieses behauptete in einem Artikel, dass Z. in seiner Zeit als Lehrer antisemitische, rassistische und sexistische „Witze“ erzählt haben soll. Prozess vertagt bis [2003|5|15].

    http://oesterreich.blogspot.de/

    Dazu ein Artikel in Der Standard 3.9.2002

    „Das Erbe der Väter. Erwirb es, um es zu besitzen.“ Vielleicht hat der Klagenfurter Rohrbombenbastler diesen Wahlspruch seiner Familie allzu drastisch verstanden. Urgroßvater und Großvater haben sich an dieser Gedankenwelt orientiert […] Der Vater, drahtig und hager, ein harter Mann. Ein Gerechter, sagt man. Seit 2001 Kärntens Landesschulratspräsident. Heiner Zechmann ist vor allem eines: streng zu sich selbst und zu anderen. Maßlos in der Selbstkasteiung, um sich das Maximum an Leistung abzuringen. Auch von den eigenen Kindern […] Der Beste zu sein, das ist die Lebensmaxime: „Natürliche Auslese“, als Grundlage der von Großvater Heinrich, dem Reichsbahnpräsidenten, Villacher NS-Gauamtsleiter und späteren FPÖ-Mitbegründer bis an die Enkel weitergegebenen Weltanschauung. […] Der promovierte Chemieprofessor hat es zu Anerkennung und Ehren gebracht. Fachlich brillant, wurde Heiner Zechmann weit über die Grenzen seines Wirkungsbereiches am Villacher Peraugymnasium hinaus als hervorragender Pädagoge geschätzt. 1991 erhält er das Silberne Ehrenzeichen der Republik. […]

    Orden stinken. Fast immer werden damit Leute hochgejubelt, die besser in der Versenkung verschwänden.

  12. Anonymous Says:

    […] […]
    http://www.aktienboard.com/forum/f10/besser-fdp-waehler-t112959/72#post2700723

  13. bloegi Says:

    Alptraum deutsche Justiz, Alptraum FDP. Nicht umsonst waren viele BRD-Justizminister von der FPD

    Nach Erkenntnissen der britischen Besatzungsbehörden gab es in Westdeutschland eine Verschwörung gegen den Staat und die alliierte Autorität im Land – so stand es in dem amtlichen Kommuniqué aus London, das die deutsche Öffentlichkeit am 15. Januar 1953 überraschte. Demnach planten die „Rädelsführer“ einer Gruppe hochrangiger Altnazis einen radikalen Umsturz – mit noch radikalerem Ziel: die „Wiederergreifung der Macht in Westdeutschland“.

    Der Sensationsmeldung war in der Nacht zuvor eine Welle von Verhaftungen, Durchsuchungen und Beschlagnahmungen in der britischen Zone vorausgegangen: In Hamburg, Solingen und Düsseldorf hatten britische Sicherheitsoffiziere ein halbes Dutzend Politiker verhaftet und lastwagenweise Aktenmaterial aus ihren Wohnungen abtransportiert. Die Häftlinge, die ins alliierte Militärgefängnis nach Werl gebracht wurden, hatten eines gemeinsam: Noch wenige Jahre zuvor waren sie hochrangige Nazi-Funktionäre gewesen – jetzt agierten sie als Mitglieder der in Bonn mitregierenden FDP.
    […]
    Besonders großen Einfluss auf die Gruppe hatte der NRW-Landtagsabgeordnete Ernst Achenbach, der unter Hitler die Deportation französischer Juden in Vernichtungslager mitorganisiert hatte. Er strickte nun an Rhein und Ruhr ein FDP-Netzwerk brauner Kameraden und hatte eigens einen Ausschuss gebildet, um über die liberale Regierungspartei eine Generalamnestie für alle NS-Verbrecher zu erreichen. Anführer der Gruppe war jedoch ein gewisser Werner Naumann, letzter Staatssekretär und rechte Hand von Hitlers Chefpropagandist Joseph Goebbels.
    […]
    Der braune Revolutionsversuch begann am 20. November 1952. Auf dem richtungsweisenden Bundesparteitag der Liberalen in Bad Ems sollte der nordrhein-westfälische FDP-Chef und spätere Verleger Friedrich Middelhauve gegen das moderate „Liberale Manifest“ das nationalistische „Deutsche Programm“ durchsetzen.

    Schließlich wurde das Schicksal der Altnazis in die Hände der bundesdeutschen Justiz gelegt. Was geschah da? Wir erraten es leicht:

    So behielt Friedrich Middelhauve seinen Posten als Parteichef in Düsseldorf, die Karriere Ernst Achenbachs gipfelte im Amt des FDP-Fraktionsvizes im Bundestag und als Abgeordneter im Europäischen Parlament. Glimpflich endete der Skandal auch für dessen Verursacher: Werner Naumann durfte schon im Juli 1953 das Untersuchungsgefängnis verlassen. Die zuständigen Richter am Bundesgerichtshof ließen die Hauptverhandlung gegen Rädelsführer Naumann gar nicht erst zu und stellten das Verfahren gegen den Gauleiter-Kreis im Dezember 1954 ganz ein. Ihre Begründung: Das Ziel der „Wiedererrichtung eines nationalsozialistischen Führerstaats“ käme in den Äußerungen der Angeschuldigten „nirgends deutlich zum Ausdruck“.

    Spiegel 15.1.2012

    mit schönen Bildern vom Führer und seinen getreuen Geführten.

  14. LeserIn Says:

    Ernst Klee ist tot

    Internationales Renommee erwarb sich Klee 1983 mit seinem Buch „Euthanasie im NS-Staat. Die Vernichtung lebensunwerten Lebens“. Darin erschloss er der Öffentlichkeit erschütterndes Archivmaterial, das bis dahin unbekannt gewesen war. 1997 beleuchtete sein Buch „Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer“ die Rolle von Ärzten und Pflegern …

    HR 18.05.13

    Klee hat eine Menge mehr gemacht. Seine Bücher sind alles andere als schön, trotzdem empfehlenswert, weil in ihnen zahlreiche Dokumente reproduziert sind. Erstaunlich ist, dass Klees erstes Buch erst vierzig Jahre nach den Taten erschien und dass kaum ein anderer etwas Ähnliches zustande gebracht hat.

    Dann

    … Aufdeckung von bisher unbekannten Medizinverbrechen, besonders im Zusammenhang mit den Euthanasieverbrechen der Aktion T4 und deren mangelhafte Strafverfolgung …

    Die Staatsanwaltschaften haben natürlich nichts aufgeklärt, sogar die Strafverfolgung mit allen ihren Tricks behindert.

  15. Staatsanwalt Arndt Peter Koeppen als Beispiel für die Rechtsorientierung in den staatlichen Organen, einschließlich den Gerichten, 24.07.2013 | Justizfreund Says:

    […] war als Import aus Hessen nach Thüringen gekommen. Er ist ein juristischer Ziehsohn des NSDAP-Mitglieds Karl-Heinz Koch. Trotz oder gerade wegen Unfähigkeit machte Koeppen in Thüringen zunächst Karriere. Bis 2004 war […]

  16. Antonius Theiler geb.1941 Says:

    Die-Akte-Rosenburg!
    „Welchen Einfluss Alt-Nazis auf das Justizministerium hatten?“
    Auch Hans A. Engelhart hat 1984 einen 79 Seitenwitz gestartet.
    Derartige Untersuchungen sind gut, waren aber leider auch damals zu spät.
    Die Kinder derer sitzen ja wieder im gleichen Sattel und reiten das Volk.
    Das soll keine Volksverhetzung sein und auch keine Sippenhaftung.
    „Ja so war’s.“ – öffentliche Aussage eines Nazis.
    „Man darf nicht anhalten bis auch der letzte Deutsche erkannt hat, dass Jurist sein eine Schande ist.“ Und alle Juristen und sonstige Dummköpfe klatschten Beifall.
    Doch jetzt könnte eine Untersuchung über den nahtlosen Übergang der NS Presse in den bundesrepublikanischen Blätterwald beweisen, dort geschah es nicht anders!
    Ich schlage einen Zündfunken:
    „Der lustige Stellungswechsel“ von Karl Ude Vater von Christian Ude.
    Jetzt werden bei der Süddeutschen Zeitung die Ohren aber rot.

    Grüße aus Dobl
    Antonius Theiler

    Anhang:
    Aus 20 Zeitungen, für die Karl Ude von 1933 bis 1945 als München-Korrespondent schrieb, hat der Münchner Autor Johann Türk circa 5.000 vor Mai 1945 erschienene Artikel von Karl Ude gesammelt. Nach Türk betreibt Karl Ude in 80 Prozent dieser Artikel „zum Teil üble NS-Propaganda“

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