Die Kettenreaktionen in Fukuschima gehen weiter

[Wie sich die Leute das vorstellen, was in den japanischen Nuklear-Reaktoren geschieht.]

Der Unfall in Tschernobyl geschah, weil der Reaktor durch eine Reihe leichtsinniger Bedienfehler überkritisch gemacht wurde. Die Explosion in Tschjornobühl ist darum mit der einer Atombombe vergleichbar. Schuld war hauptsächlich der karriere-geile stellvertretende Chefingenieur Djatlow. Ich habe ein paar Beschreibungen für eine Vorlesung gesammelt.

Die Unfälle in Fukuschima sollen mit dem Unfall in Harrisburg vergleichbar sein. Dort wurde angeblich nach einem Problem mit der Kühlung die Kettenreaktion abgeschaltet, der Reaktor tief unterkritisch gemacht, wie es sein soll. Dass es trotzdem zu einem Unfall kam, wird auf die Nachwärme geschoben. Das ist ungefähr das Gleiche, was man auf einer Herdplatte spürt, kurz nachdem man sie abgeschaltet hat.

Der Haken dabei ist nur: Die Nachwärme ist im Vergleich zum dem, was ein kritischer Reaktor an Wärme produziert, lächerlich gering und sie klingt innerhalb weniger Stunden ab. Wenn man zudem berücksichtigt, dass die meisten Spaltfragmente radioaktiv sind und durch ihren Zerfall Wärme erzeugen, kommt etwas hinzu, was für einen nuklearen Reaktor spezifisch ist. Doch auch diese Zerfälle nehmen innerhalb von Stunden stark ab.

Hinzu kommen die merkwürdigen Meldungen mit der „Borsäure“. Die japanischen Reaktoren würden mit Meerwasser gekühlt. Dem Meerwasser würde Borsäure zugesetzt zwecks zusätzlicher Kühlung. Derartige Meldungen führen in die Irre. Bor hat einen riesigen Wirkungsquerschnitt für den Neutroneneinfang. Es wird verwendet um die Kettenreaktion zu unterdrücken. Wenn Techniker Bor in die Reaktoren kippen, bedeutet das, dass es eben doch nicht gelungen ist die Kettenreaktion abzuschalten.

Es ist nie möglich einen Kernreaktor schnell auszuschalten wie eine Lampe. Das hat mit Erdbeben und Tsunamis nichts zu tun, sondern wird durch die unzureichende technische Beherrschung der Kernspaltung verursacht. Doch nach einem Tag sollte das Schlimmste vorüber sein. Dass die Probleme noch nach Tagen zunehmen, zeigt, dass in Fukuschima nicht einmal die Kettenreaktion, die große Energiequelle, unterdrückt werden kann – und das bei mehreren Reaktoren zugleich. Insofern haben die Unfälle in Fukushima doch Ähnlichkeit mit dem Unfall in Tschernobyl.

Ulrich Brosa


Nachtrag am 16.3.2011:

Ich meine, dass nur wenige Leute verstehen, was in einem AKW geschieht. Deshalb die an sich bekannte Erklärung der Kettenreaktion:

1) Ein Neutron trifft Uran-Kern.
2) Uran-Kern spaltet, dampft dabei zwei oder mehr Neutronen ab.
3) Die Neutronen bis auf eines bleiben irgendwo stecken.
4) go to 1)

Ein Reaktor, in dem genau das geschieht, heißt kritisch. Bleibt nach einer Spaltung mehr als ein Neutron übrig, heißt der Reaktor überkritsch, bleibt weniger als ein Neutron übrig, heißt er unterkritisch. Dass der Reaktor genau auf der kritischen Kante bleibt, ist regelnd zu erreichen. Doch nur ein Aufmerksamkeitsfehler, wenn er mehr als zwei Sekunden dauert, hat fatale Folgen. Entweder säuft der Reaktor ab. Dann ist es heikel ihn wieder hochzufahren. Oder viel schlimmer: Der Reaktor explodiert.

Dagegen sollte es sehr einfach sein einen Reaktor unterkritisch zu machen. Dass das in Fukuschima nicht geklappt hat, dürfte an der allgemein bekannten menschlichen Schlechtigkeit gelegen haben. Wie bei einem Betrunkenen, der aufs Gaspedal tritt. Um es noch deutlicher zu schreiben: Die nicht endenden Probleme in Fukuschima wurden durch Erdbeben und Tsunami ausgelöst, aber nicht verursacht. Ursache war die jahrelange Schlamperei vorher und der Mangel an Wissen beim Personal.

Was die Bruchstücke (=Fragmente), die bei der Spaltung entstehen, an Neutronen abgeben, ist bei den gut 2 Stück, die oben hinter 2) erwähnt werden, inbegriffen. Die Neutronen-Emission ist spätestens nach ein paar Sekunden vorbei. Danach zerfallen die Fragmente, indem sie Elektronen und Gammas emittieren. Vor allem die Gammas (extrem hochfrequentes Licht) sind für pflanzliche und tierische Zellen lebensgefährlich. Aber deren Energie ist um den Faktor Tausend kleiner als die Energie, die bei der Kernspaltung frei wird, und die Emissionen der Fragmente nehmen im Lauf der Zeit ab, während die Kettenreaktion andauert.

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158 Antworten to “Die Kettenreaktionen in Fukuschima gehen weiter”

  1. Richard Albrecht Says:

    Herr Dr. Brosa,

    Danke: anschauliche Darstellung der „Kettenreaktion“, klares Wort zur Atomkraft und ihrer technischen Problematik, so daß ich auf Ihre Darstellung/Kommentierung bei http://www.duckhome.de mit Link auf diese Netzseite hingewies,

    besten Eilgruß Richard Albrecht

    • bloegi Says:

      Ich glaube, dass nur wenige Leute verstehen, was in einem AKW geschieht. Deshalb die an sich bekannte Erklärung der Kettenreaktion:

      1) Ein Neutron trifft Uran-Kern.
      2) Uran-Kern spaltet, dampft dabei zwei oder mehr Neutronen ab.
      3) Die Neutronen bleiben irgendwo stecken bis auf eines.
      4) go to 1)

      Ein Reaktor, in dem genau das geschieht, heißt kritisch. Bleibt nach einer Spaltung mehr als ein Neutron übrig, heißt der Reaktor überkritsch, bleibt weniger als ein Neutron übrig, heißt er unterkritisch. Dass der Reaktor genau auf der kritischen Kante bleibt, ist regelnd zu erreichen. Doch nur ein Aufmerksamkeitsfehler, wenn er mehr als zwei Sekunden dauert, hat fatale Folgen. Entweder säuft der Reaktor ab. Dann ist es heikel ihn wieder hochzufahren. Oder viel schlimmer: Der Reaktor explodiert.

      Dagegen sollte es sehr einfach sein einen Reaktor unterkritisch zu machen. Dass das in Fukuschima nicht geklappt hat, dürfte an der allgemein bekannten menschlichen Schlechtigkeit gelegen haben. Wie bei einem Betrunkenen, der aufs Gaspedal tritt.

  2. Richard Albrecht Says:

    Als (in einem frühen der vorigen Leben) „gelernter“ Geistes- und Sozialwissenschaftler einfiel mir freilich des Altmeisters Besen: Der „alte“ Goethe reimte im zweiten Teil seines bekannten Poems 1827:

    „O, du Ausgeburt der Hölle!
    Soll das ganze Haus ersaufen?
    Seh’ ich über jede Schwelle
    Doch schon Wasserströme laufen.
    Ein verruchter Besen,
    Der nicht hören will!
    Stock, der du gewesen,
    Steh doch wieder still!
    […]
    Und sie laufen! Naß und nässer
    Wird’s im Saal und auf den Stufen.
    Welch entsetzliches Gewässer!
    Herr und Meister! hör’ mich rufen! –
    Ach da kommt der Meister!
    Herr, die Noth ist groß!
    Die ich rief, die Geister,
    Werd’ ich nun nicht los.

    „In die Ecke,
    Besen! Besen!

    Seyd’s gewesen.
    Denn als Geister
    Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
    Erst hervor der alte Meister.““

    Es grüßt

    Richard Albrecht, 160311
    http://ricalb.files.wordpress.com/2010/12/cv1.pdf

  3. bloegi Says:

    Dr.Ing. Dipl.-Kfm. Massimo Casalegno schrieb:

    Als ich hörte, dass die Halbierungszeit von Atommüll zigtausende von Jahren dauert – und bevor Atommüll wirklich harmlos wird, reicht die Halbierung nicht aus, von daher braucht man zehn mal so viel Zeit einberechnen – erschienen mir sämtliche übrige Argumente völlig überflüssig.

    Das meinte ich, als ich schrieb: Kaum jemand versteht Kernspaltung. Ich versuche das Problem nochmals zu erklären – diesmal mit einem Vergleich.

    Erdöl hat mindestens zwei Eigenschaften:
    1) Bei seiner Verbrennung kann es beträchtliche Mengen Energie freisetzen.
    2) Es kann Federn der Vögel und die Atmungswege sowie die Verdauungstrakte nahezu aller Tiere verkleben.
    Die beiden Eigenschaften sind insofern miteinander verknüpft, als es einfach ist Erdöl unter Verschluss zu halten, solange nicht ein Teil davon explodiert, siehe Deepwater Horizon.

    Bei der eigentlichen Kernspaltung werden knapp 200 MeV (Megaelektronenvolt) freigesetzt. Die dabei erzeugten radioaktiven Fragmente setzen irgendwann später kaum mehr als 100 keV (Kiloelektronenvolt) frei, also nicht einmal ein Tausendstel. Hinzu kommen Substanzen, die ’nur‘ chemisch giftig sind und allenfalls Energie im Elektronenvolt-Bereich freisetzen. Wenn in Fukuschima die Kernspaltung, die zudem als Kettenreaktion abläuft, richtig abgeschaltet worden wäre, wäre es einigermaßen einfach gewesen diese Substanzen unter Verschluss zu halten.

    Immerhin Uzi Even hat Ahnung:

    An Israeli nuclear expert has accused Japan of downplaying the danger of a nuclear calamity in the region of its quake-stricken Fukushima Daiichi plant.

    „If there is fallout of plutonium oxide, a most toxic substance that they use in the reactor that exploded, no one will be able to set foot on the site for thousands of years“

    Ein israelischer Nuklear-Experte hat Japan angeklagt die Gefahr einer Nuklear-Katastrophe in der Umgebung seiner von Erdbeben erschütterten Fukushima-Daiichi-Reaktoren herunterzuspielen.

    „Sobald Plutoniumoxid, eine höchst giftige Substanz, die die Japaner in ihrem explodierten Reaktor benutzt haben, vom Himmel fällt, wird niemand mehr für Tausende von Jahren einen Fuß in die Gegend setzen können.“

    http://www.monstersandcritics.com/news/middleeast/news/article_1626131.php/Israeli-expert-warns-nuclear-calamity-in-Japan

    und

    „Die Japaner sagen aus Scham nicht die Wahrheit, aber es ist nur eine Frage der Zeit, wann ihnen alles ins Gesicht explodiert.“

    http://www.stern.de/panorama/der-verschleierung-verdaechtigt-israelischer-atomexperte-kritisiert-japans-informationspolitik-1663718.html

  4. LeserIn Says:

    Am Mittwoch hat Großbritannien allen seinen BürgerInnen geraten Tokio und die Gegend nördlich der Hauptstadt zu verlassen wegen Krise der Fukushima-Kernkraftwerke und wegen eines möglichen Zusammenbruchs der Versorgung.

    REUTERS 16.03.11

    Die rechnen alle mit dem ganz großen Knall und mit massivem radioaktivem Niederschlag danach.

  5. LeserIn Says:

    EU-Kommissar Oettinger (Ex-Min-Prä BW) ist Satanist. Er sieht GOTT als Urheber katastrophaler Entwicklungen:

    EU-Kommissar Günther Oettinger hat die Hoffnung darauf aufgegeben. „Man muss im Grunde genommen befürchten, dass das Ganze in Gottes Hand ist, und sich deswegen in den nächsten Stunden weitere katastrophale Entwicklungen ergeben können …

    FOCUS 16.03.2011

    Für EU-Energiekommissar Günther Oettinger ist die Lage im AKW Fukushima außer Kontrolle. Damit löste er an den Märkten weitere Kursverluste aus

    SPIEGEL 16.03.11

  6. bloegi Says:

    Auch die Tödlichkeit ist messbar – nach Rolf Sievert:

    1 Sievert = 1000 Millisievert: die Menge radioaktiver Strahlung, die auf Menschen tödlich wirkt
    1 Millisievert = 1000 Mikrosievert: gesundheitliche Risiken
    1 Mikrosievert: normal

    Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde an der Anlage eine Strahlendosis von bis zu 400 Millisievert je Stunde gemessen.

    WELT 15.03.11

    Nach fünf Stunden in diesem Lüftchen lebt man nur noch Tage.

  7. LeserIn Says:

    … greifen die japanischen Behörden und der Betreiber der Anlage, Tokyo Electric Power Company (Tepco), zu verzweifelten Maßnahmen um eine Notkühlung der Reaktoren und insbesondere des Lagerbeckens für alte Brennelemente im Reaktor 4 zumindest einigermaßen sicherzustellen. Dort sollen die Brennelemente mittlerweile sogar komplett freiliegen – Tepco hat das allerdings bestritten. Klar ist laut der International Atomic Energy Agency (IAEA), dass die Temperatur im Lagerbecken dramatisch angestiegen ist: von Normalwerten unter 25°C auf gestern 84°C. Zahlen von heute liegen nicht vor. Hubschrauber haben deshalb mehrfach große Mengen an Wasser über dem Gelände von Fukushima 1 abgeworfen. Die Aktion musste aber mittlerweile abgebrochen werden, weil die Strahlung über dem KKW viel zu hoch ist. …

    SINCEXX 17.03.11

    Wegen des letzten Satzes: Danach ist der Super-GAU eingetroffen.

    • bloegi Says:

      Aus dem Reaktor 3 in Fukushima stieg weißer Rauch auf. Warum ist dies besonders besorgniserregend?

      Dort spielen sich offenbar chemische Reaktionen ab, die ein Indiz für eine Kernschmelze sind. Von offizieller Seite wird nicht ausgeschlossen, dass hier das Reaktordruckgefäß beschädigt ist und hoch radioaktive Substanzen austreten. Das wäre im Fall von Reaktor 3 besonders dramatisch, denn hier wurden Brennstäbe mit einem hohen Anteil an Plutonium verwendet. […]

      Warum sind die Hubschrauberflüge dennoch abgebrochen worden?

      Die offizielle Begründung dafür war, dass die Strahlenbelastung über den Reaktoren für die Hubschrauberpiloten mittlerweile zu hoch sei. Daraus lässt sich schließen, in welch dramatischem Umfang Radioaktivität entweicht. Die immer wieder geäußerte Sorge, dass ein Super-GAU eintreten könnte, klingt angesichts der offensichtlichen Lage vor Ort eigenartig. Dieses massive Austreten von Radioaktivität ist bereits ein Super-GAU.

      Welt 17.3.2011

      Man könnte es als fahrlässige Massentötung bezeichnen, dass in ein AKW Brennstäbe mit Plutonium eingesetzt wurden, obwohl das AKW dafür nicht konstruiert war.

  8. LeserIn Says:

    Amerikanische Experten glauben, dass sich die Japaner auf den falschen Reaktor konzentrieren und ein anderer noch viel gefährdeter ist: der Reaktor 4. … Im Abklingbecken gebe es kein Wasser mehr, die dort gelagerten Brennstäbe lägen vermutlich im Trockenen. Die Strahlung dort sei deshalb „extrem hoch“ und stelle für die noch in der Anlage befindlichen Arbeiter eine tödliche Gefahr dar, wurde Jaczko in der „New York Times“ zitiert.

    SPIEGEL 17.03.11

    Vermutlich kann sich Jaczko nicht einmal in seinen heftigsten Alpträumen vorstellen, was alles im Reaktor 3 drin ist. Der Reaktor 4 ist leer. Seine Brennstäbe liegen im so genannten Abklingbecken und sind dort offenbar so dicht gestapelt, dass eine Kettenreaktion losgeht, sobald das moderierende Wasser fehlt. Noch eine hemmungslose Schlamperei.

  9. bloegi Says:

    Deutsche Staatsdiener auf der sicheren Seite!

    16.38 Uhr – Wegen der dramatischen Situation am havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima wird die deutsche Botschaft vorübergehend von Tokio nach Osaka verlegt. Während Tokio durch den Reaktorunfall bedroht ist, gilt das 600 Kilometer südwestlich gelegene Osaka als relativ sicher.

    faz 17.3.2011

    Sie sind ja so wertvoll und so unersetzlich.

  10. ricalb Says:

    @ Dr. Brosa

    Ich versuche zu verstehn:

    Es wurden „illegal“ in Bl. 4 Plutonium Brennstäbe und dies noch zu dicht gelagert. Zwar war dieser Block nicht in Betrieb. Aber da Kühlung durch die entspr. Aggregate übers allg. Stromnetz ausfiel … gab´s eine sog. Kettenreaktion, weil nicht mehr gekühlt werden kann von innen. Und von außen auch nicht, da ist´s nicht mal der berüchtigte Kühltropfen auffn nuklearen heißen Stein.

    Das kommt mir bizarr vor. Grad so als wären kriminelle Stümper am Werk. Denen vor allem an Vertuschung liegt. Und wenn was getan wird – bestenfalls symbolisch: mit Hubschaubern seitwärts von außen wie mit´m Gartenschlauch paar Tonnen Wasser sprühn.

    Erbitte – grad von Ihnen – weitere Sachaufklärung,

    eilbest;.-) Richard Albrecht

    • bloegi Says:

      1) Die Brennstäbe mit Plutonium stecken im Reaktor 3. Es handelt sich um ein Sonderangebot unserer verehrten Nachbarn im Westen an unsere fernöstlichen Freunde. Die Franzosen haben bekanntlich viele AKWs, erbrüten dort viel Plutonium, können es aber nur zum Teil für ihre Kernwaffen verwenden. Den Rest verhökern sie weltweit als „MOX“. Neueste Meldung dazu:

      Der französische Atomkonzern Areva stoppt eine geplante Plutoniumlieferung nach Japan.
      […]
      Paris – Die Ankündigung klingt so surreal wie unnötig: Areva „verschiebt“ eine geplante Lieferung von Kernbrennstoff in den havarierten japanischen Atommeiler Fukushima. Die Chefin des französischen Konzerns, Anne Lauvergeon, begründete das mit der „Naturkatastrophe“ in Japan. Wie schon 2010 hätte Areva im April eine Ladung „Mox“ per Schiff an den dortigen AKW-Betreiber Tepco senden sollen. […]

      Der Standard 16.3.2011

      Plutonium hat zwei Nachteile:
      a) Es ist hochgradig giftig, weit mehr als Uran.
      b) Von den so genannten verzögerten Neutronen kommen nach der Spaltung von Plutonium weniger als nach der Spaltung von Uran. Für Atombomben ist das egal, weil es da einfach nur knallen soll. In AKWs aber ist man auf die verzögerten Neutronen angewiesen, weil sich nur ihretwegen ein Reaktor steuern lässt. Man braucht also eine empfindlichere Steuerung in AKWs, die mit Plutonium betrieben werden. Wer MOX-Stäbe in AKWs einsetzt, die für Uran-Spaltung ausgelegt sind, handelt grob fahrlässig.

      2) Nach meinen Informationen war Reaktor 4 ausgeräumt, bevor der Tsunami zuschlug, weil der Reaktor gewartet werden sollte. Seine – größtenteils nicht abgebrannten Stäbe – wurden für die Zeit der Wartung ins so genannte Abklingbecken gelegt. Normalerweise kommen abgebrannte Stäbe ins Abklingbecken. Diese Stäbe sind für die Kettenreaktion ungefährlich, weil abgebrannt. Aber die Radioaktivität der in den Stäben steckenden Spaltungsprodukte soll „abklingen“, bevor die abgebrannten Stäbe abtransportiert werden. Es war keine gute Idee frische Stäbe ins Abklingbecken zu legen. Aber sogar das wäre ungefährlich gewesen, wenn der Abstand zwischen den Stäben größer gewesen wäre. Denn ein einzelner Stab kann keine Kettenreaktion auslösen und wird dann auch nicht besonders heiß. Die Nummer mit dem „Abklingbecken“ wurde nur abgezogen um Platz zu sparen. Ein größeres Gebäude hätte mehr gekostet.

      Was oft auch nicht verstanden wird, sind die ungeheuren Mengen an spaltbaren Material, die in neueren Kernkraftwerken aufbewahrt werden. Für eine Atombombe braucht man ein paar Kilo Uran oder Plutonium. In den gegenwärtigen AKWs aber liegen HUNDERTE TONNEN Uran. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Uran für Bomben höher angereichert werden muss, reicht das Uran in einem gewöhnlichen AKW für hundert Bomben vom Hiroschima-Typ.

  11. Franz Kafka Says:

    Eine blöde Frage, die ich mir stelle, wenn ich lese, dass eine Katastrophe vor allem dann ausgelöst wird, wenn die Notstromaggregate und damit die Kühlung ausfällt:

    Warum wurden die Reaktoren nicht unterhalb des Wasserspiegels des nahe gelegenen Versorgungsgewässers gebaut, so dass im Notfall immer noch eine manuelle Zuleitung von Wasser möglich ist?

    Wie ist es möglich, dass die Dieselaggregate quasi ungeschützt herumstehen es keine Pläne B, C, D bis Z gibt für den Ausfall aller vorherigen Vorkehrungen?

    • bloegi Says:

      Manche fahren mit Autos, die fast überall halb kaputt sind. Löcher in der Karosserie sind noch das Harmloseste. Bei den AKWs ist das nicht anders. In der taz vom 17.3.2011 findet man eine Liste mit Mängeln der AKWs in Fukuschima, die seit Jahren bekannt sind. Es hat sich gerächt, dass es in Japan nie kräftige Anti-AKW-Proteste gab.

  12. LeserIn Says:

    In dem beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 hat sich die Lage weiter verschärft. Aus einem der beschädigten Reaktoren stieg am Freitag weißer Rauch auf. Die Ursache ist nicht bekannt. Offizielle Stimmen versuchen Optimismus zu verbreiten. Der AKW-Betreiber Tepco hat inzwischen die Strahlenbelastung für die Arbeiter auf einen gefährlichen Wert von 100 Millisievert pro Stunde erhöht.

    Die japanische Regierung hat den Betreibern von Fukushima 1 verboten, seine Mitarbeiter von der Anlage abzuziehen.

    RP 18.03.11

    Dass die Elektrizitätsgesellschaft ihre Arbeiter aus Fukushima abziehen wollte, besagt über den Zustand der AKWs mehr als die offizielle Bekanntmachungen. Der Befehl der japanischen Regierung die Leute dort zu belassen, wurde als Todesurteil bezeichnet. 100 Millisievert pro Stunde, also 1 Sievert in 10 Stunden. 1 Sievert bedeutet den Tod.

  13. LeserIn Says:

    Noch mehr als 30 Kilometer vom Katastrophen-AKW Fukushima entfernt ist eine deutlich erhöhte Strahlenbelastung festgestellt worden. Die Verstrahlung nordwestlich der havarierten Anlage lag bei 170 Microsievert am Donnerstag und 150 Microsievert am Freitag, wie das japanische Wissenschaftsministerium mitteilte. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die höchste Belastung habe dabei in einer Zone gelegen, die bisher nicht evakuiert worden ist.

    STERN 18.03.11

    Japanisches Wissenschaftsministerium: Die haben ein heftiges Interesse die Situation besser darzustellen, als sie ist.

  14. bloegi Says:

    [11.02 Uhr] Über dem Abklingbecken von Reaktor 4 des AKW Fukushima wurde jetzt Wasserstoff festgestellt. […] Wasserstoff entsteht bei Temperaturen über 800 Grad Celsius durch eine[n] Aufspaltprozess aus dem Kühlwasser im Becken.

    Spiegel 18.3.2011

    Das „Abklingbecken“ des Reaktors 4 ist selbst zum Reaktor geworden, allerdings zu einem offenen. Auch wenn es nicht knallt, steigt die heiße Luft daraus ungehemmt nach oben – Kilometer – und nimmt Radioaktivität mit. Oben weht der Wind und verteilt das Zeug. Die am meisten Geschädigten dürften derzeit Lebewesen im pazifischen Ozean sein.

    Eine Sammlung von Grafiken und Fotos der IAEA (Internationale Atomenergie Agentur):
    http://www.slideshare.net/iaea/technical-briefing-of-nuclear-safety-aspects-of-the-situation-in-japan
    Die IAEA gilt als kompetent und unparteilich, aber verharmlost hier ebenfalls die Verhältnisse am „Abklingbecken“ (Spent Fuel Pool) des Reaktors 4.

  15. LeserIn Says:

    Der japanische Staat täuscht die Öffentlichkeit über das, was seine Reaktoren längst machen.

    … Denn gemessen wurde nicht an den Reaktoren, sondern hunderte Meter entfernt am Zaun der Anlage und im Westen der glühenden AKW-Blöcke – und der Wind weht nach Osten.

    Misst man dort, wo die Reaktoren qualmen, bekommt man ganz andere Werte. In der Luft über Block 3 ergaben sich bereits am Mittwoch 250 Millisievert pro Stunde – so viel, wie die Techniker vor Ort insgesamt abbekommen dürfen.

    Und von den Brennelementen in den teilweise trockenen Abklingbecken sind bisher keine Messdaten bekannt. Experten der GRS schätzen, dass dort eine Strahlenhölle von „mehreren zehntausend Millisievert“ herrscht. Das sind ähnliche Werte wie nach der Katastrophe von Tschernobyl.

    Auch in der Region um das Katastrophen-AKW schlägt sich die Strahlung inzwischen deutlich nieder. …

    taz 18.03.2011

    GRS ist die deutsche Gesellschaft für Reaktorsicherheit
    http://www.grs.de/
    alles andere als ein alternativer Verein, eher mit guten Beziehungen zur Atomindustrie.

  16. bloegi Says:

    U.S. government officials, in private sessions on Capitol Hill Friday, repeatedly declined to give details of radiation measurements at the stricken Japanese nuclear complex, saying the situation is shrouded in a „fog of war.“

    USA-Regierungsbeamte haben – in privaten Gesprächen am Freitag im USA-Parlament – wiederholt abgelehnt Einzelheiten der Strahlungsmessungen am beschädigten japanischen AKW anzugeben, wobei sie sagten, dass die Lage in einem „Nebel-Krieg“ verhüllt werde.

    Wall Street Journal 18.3.2011

    Nach meinen Informationen hat die USA-Regierung die Radioaktivität von Flugzeugen aus messen lassen – erst vor einigen Stunden. Sie hat ihren BürgerInnen nochmals, nun dringend empfohlen die Gegend im Umkreis von 50 Miles (80 km) um Fukuschima zu verlassen. Grund dürfte sein, dass die kaputten Reaktoren und „Abklingbecken“ ständig heiße Luft mit Radioaktivität abgeben.

    In die Gebäude der Reaktoren 5 und 6, die bisher als intakt galten, hat die japanische Regierung Löcher bohren lassen, auf dass der Wasserstoff entweiche. Wenn da Wasserstoff drin ist, sind die Reaktoren, obwohl angeblich erfolgreich abgeschaltet, heißer als 800°, siehe oben.

  17. LeserIn Says:

    [13.40 Uhr] Die Strahlung rund 30 Kilometer nordwestlich von Fukushima ist am Freitag zeitweise 0,15 Millisievert gestiegen – so viel wie ein Mensch bei beim Röntgen seines Brustkorbs abbekommt. Das teilte das japanische Forschungsministerium mit. Amerikanische Spezialflugzeuge führten Messungen über Fukushima durch; der stellvertretende US-Energieminister Daniel Poneman sagte, das Ergebnis stütze die Empfehlung Washingtons, dass sich Menschen nicht im Umkreis von 80 Kilometern um das Atomkraftwerk aufhalten sollten.

    [14.17 Uhr] Nicht nur in Tokio, auch in fünf anderen Präfekturen wurde nach Angaben der Regierung ein erhöhter Wert von Radioaktivität im Leitungswasser nachgewiesen – und zwar in Gunma, Tochigi, Saitama, Chiba und Niigata. In Gunma enthielten Proben pro Kilogramm Wasser für Jod-131 eine Aktivität von 2,5 Becquerel, für Caesium-137 einen Wert von 0,22 Becquerel, und für Caesium-134 waren es 0,16 Becquerel

    [16.30 Uhr] Behörden haben im Leitungswasser nahe des Kraftwerks Fukushima erhöhte Werte von Radioaktivität nachgewiesen. Die Werte hätten den empfohlenen Wert überstiegen, über dem man das Wasser nicht mehr trinken sollte.

    [17.21 Uhr] Bei sechs Männer, die am Atomkraftwerk Fukushima einsetzt waren, wurden mehr als 250 Millisievert gemessen, teilte die Nachrichtenagentur Kyodo mit Verweis auf den Kraftwerksbetreiber Tepco mit. … In Deutschland gilt für Menschen, die beruflich etwa in einem Atomkraftwerk Strahlung ausgesetzt sind, ein Grenzwert von 20 Millisievert pro Jahr. Für alle anderen Menschen, die beruflich künstlicher Strahlenbelastung ausgesetzt sind, liegt die erlaubte Jahresdosis bei 1 Millisievert.

    [19.20 Uhr] Im Nordosten Japans werden für Sonntag und Montag Niederschläge erwartet. Deshalb fordert die japanische Atomenergiebehörde die Menschen in der Krisenregion auf, im Haus zu bleiben. Der Regen könnte mit radioaktiven Partikeln versetzt sein.

    SPIEGEL 19.03.11

    Regierungssprecher Yukio Edano teilte am Abend in Tokio mit, dass durch den AKW-Unfall in Fukushima bereits erste Nahrungsmittel die erlaubten Höchstgrenzen von Radioaktivität überschritten haben. Sowohl Spinat als auch Milch der Region 30 Kilometer rund um das AKW Fukushima dürfen nicht verzehrt werden.

    SHORTNEWS 19.03.11

  18. Richard Albrecht Says:

    @blögi

    Nachdem ich seit Tagen (nicht nur) die von Ihnen rapportierten Infos und (vor allem) Ihre Deutungen lese und zu verstehen versuche frag ich mal nach:

    Irre ich grundlegend, wenn ich meine, was da in den Atomblöcken von eins bis sechs ablief war eine Mixtur aus Vertuschchen krimineller Akte und stümperhaften Versuch-und-Irttum-Maßnahmen?

    Gruß RicAlb, 200311
    http://eingreifendes-denken.net

    • bloegi Says:

      Richard Albrecht schrieb:

      war eine Mixtur aus Vertuschchen krimineller Akte und stümperhaften Versuch-und-Irttum-Maßnahmen?

      Erst Schlamperei, dann Vertuschen, dann noch mehr Schlamperei und noch mehr Vertuschen. Natürlich kann man das kriminell nennen. Andererseits ist es das gewöhnliche Produkt der menschlichen Natur.

      Ich würde als kriminell bezeichnen:
      1) Die Anlage Fukuschima Dai-Itschi war wider besseres Wissen unzureichend gegen Erdbeben und gar nicht gegen Tsunamis gesichert.
      2) Der Reaktor 3 hätte nicht mit MOX befeuert werden dürfen.
      3) Die Brennstäbe des Reaktors 4 wurden zu dicht im Abklingbecken gelagert.
      4) Vorgeschriebene und vorhandene Sicherheitssysteme wurden schon vor dem Erdbeben durch Schlamperei außer Betrieb gesetzt. Siehe z.B. http://thausherr.blogspot.com/2011/03/greenpeace-entdeckt-kompetenz.html

      Aktuell:
      Aus der Anlage wurde bisher schon so viel Radioaktivität abgeblasen, dass man eigentlich nicht mehr schreiben kann, man warte noch auf den Super-GAU. Nur wurde die meiste Radioaktivität auf den Stillen Ozean geweht. Das ändert sich jetzt. Der Wind dreht und es beginnt zu regnen: http://www.wetteronline.de/wotexte/redaktion/topthemen/2011/03/0319_jp_Radioaktiver-Regen.htm

  19. Richard Albrecht Says:

    Dank Ihnen, habe mit Link weitergereicht

    -> http://www.duckhome.de/tb/archives/8995-Ausstieg!.html#comments

    Eilgruß RicAlb, 200311

  20. LeserIn Says:

    Nun auch die wertvollen Schweizer Diplomaten:

    15:50 Schweiz verlegt Botschaft von Tokio nach Osaka

    In der Erklärung hiess es, Schweizer Experten schätzten die weitere Entwicklung des Unglücksreaktors als «sehr unsicher» ein. Ausserdem sei eine Änderung der Windrichtung vorhergesagt, sodass die Strahlung in Tokio zunehmen könne.

    16:30 Radioaktivität nun auch in japanischem Raps

    Der Sprecher des Ministeriums, Yoshifumi Kaji, sagte, Messungen bei Raps hätten «bedeutende Dosen an Strahlung» ergeben. Die Proben stammten aus Regionen, die bislang mit erhöhter Radioaktivität nicht in Zusammenhang gebracht worden seien.

    18:39 Die japanische Regierung hat der Bevölkerung in der Präfektur Fukushima empfohlen, das dortige Leitungswasser nicht zu trinken.

    Tages-Anzeiger 20.03.11

    Dort auch ein eindrucksvolles Foto vom Reaktorblock 3, dem mit dem Plutonium.

    • bloegi Says:

      Wie lange wird die Emission der Radioaktivität dauern?

      Der Reaktorexperte Christian Küppers von Öko-Institut Darmstadt glaubt, dass die Fukushima-Ruine in jedem Fall am Ende „mit einer Art Sarkophag, ähnlich wie in Tschernobyl, eingefasst werden muss.“ Allerdings wäre das eine Maßnahme, die vermutlich erst im Monaten gestartet werden könnte. Hitze und radioaktive Strahlung müssen so weit abgeklungen sein, dass Menschen länger ohne extreme Gefahr an der Anlage arbeiten können. Derzeit sind die Reaktoren teilweise noch so heiß, dass darauf gekippter Sand zu Glas verschmelzen würde.

      Frankfurter Rundschau 20.3.2011

      Die ganze Zeit wird heiße Luft nach oben steigen und Radioaktivität mitnehmen.

  21. LeserIn Says:

    21:30 – IAEA fürchtet Strahlung in Lebensmitteln

    Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA sorgt sich um radioaktiv verseuchte Lebensmittel aus der Region um Fukushima. Nach den der UNO-Behörde in Wien vorliegenden Messungen japanischer Behörden liegen vor allem die Werte von radioaktivem Jod 131 in Milch und Blattgemüse teils weit über der für den Verzehr geeigneten Norm.

    Der IAEA lagen Daten über mit Jod 131 belastete Milch vor, die mit 900 bis 1500 Becquerel pro Kilogramm weit über den japanischen Grenzwerten für den Verzehr lagen (100 bis 300 Becquerel pro Kilogramm). Bei Frühlingszwiebeln lagen die Jod-131-Werte zwischen 110 und 6100 Becquerel pro Kilo, bei Spinat zwischen 8400 und 15’000 Becquerel pro Kilogramm.

    Jod 131 ist ein Fragment, das bei der Spaltung in großen Mengen erzeugt wird. Es ist radioaktiv. Dass Jod 131 auf den Feldern gefunden wird, bedeutet, dass mindestens ein Reaktor geplatzt ist. Die Spaltprodukte liegen offen.

    22:13 – Kan sagt Besuch ab

    Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan hat seinen für Montag geplanten Besuch in der Region nahe des havarierten Atomkraftwerkes Fukushima abgesagt. Grund seien die schlechten Wettervorhersagen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Für die Region ist Regen angesagt.

    Derselbe Kan hat befohlen, dass Arbeiter des AKW wieder ans AKW geschickt werden, obwohl sie schon mehr als hundert Millisievert Strahlung abbekommen hatten. Die Arbeiter müssten „für Japan“ dort hin. Ähnlich ist es nun erforderlich, dass Kan sein „für Japan“ unentbehrliches Leben nicht gefährdet.

    Schweizer Fernsehen – Tagesschau 20.03.11

  22. bloegi Says:

    9:00 Die Weltgesundheitsorganisation WHO nannte die radioaktive Verseuchung japanischer Lebensmittel ernst. Es handle sich nicht um ein örtlich einzugrenzendes Problem, sagte ein Sprecher der WHO in Manila. Die Situation sei viel ernster als man in den ersten Tagen nach der Katastrophe gedacht habe. Die Verseuchung der Lebensmittel sei nicht auf 20 bis 30 Kilometer begrenzt.

    9:08 Das havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima 1 ist am Montag evakuiert worden. Sämtliche Arbeiter seien von der Anlage in Sicherheit gebracht worden, weil grauer Rauch aus Reaktor 3 aufsteige, teilte der Betreiber Tepco mit.

    9:11 Die Regierung befürchtet Rückschläge im Kampf gegen den Super-GAU. Ausserdem wurde im Trinkwasser in Tokio radioaktives Cäsium nachgewiesen.

    Tages-Anzeiger 21.3.2011

    Caesium, genau genommen das Isotop 137, war nach dem Unfall in Tschernobyl der auffälligste Beweis weltweit dafür, dass ein Nuklearreaktor explodiert war.

  23. Anonymous Says:

    Die Atomlügen der CDU…

    Machen wir es uns ganz einfach. Es lohnt sich nicht die Helden der FDP zu betrachten, die selbstverständlich immer für all das sind, was den Menschen in diesem Land den größtmöglichen Schaden zufügt und den Reichen, also den Her…

  24. LeserIn Says:

    Japans Atomaufsicht hat dem Betreiber des Katastrophen-AKW Fukushima massive Schlamperei bei den Inspektionen vorgeworfen. Am 2. März 2011 erschien ein Bericht, in dem die Behörde Verzögerungen im Zeitplan der Inspektionen anprangert. Unter den nicht überprüften Teilen hätten sich zentrale Elemente des Kühlsystems für die sechs Reaktoren und die Abklingbecken befunden. Insgesamt seien 33 Teile der Anlage nicht untersucht worden.

    SPIEGEL 21.03.11

  25. bloegi Says:

    Die radioaktive Verseuchung im Umkreis des japanischen Atomkraftwerkes Fukushima wird nach Einschätzung der französischen Atomaufsichtsbehörde (ASN) jahrzehntelang andauern. Aus dem beschädigten Kraftwerk im Nordosten Japans entwichen nun „in bedeutendem Maß“ radioaktive Stoffe, und der radioaktive Niederschlag dauere an, stellte die Behörde am Montag fest. „Man muss sich deshalb darauf einstellen, dass Japan mit den Folgen dieses Niederschlags auf seinem Boden dauerhaft umgehen muss“, sagte ASN-Leiter André-Claude Lacoste. Das Problem werde „Jahrzehnte und Aberjahrzehnte“ bestehen bleiben.

    Stern 21.3.2011

  26. LeserIn Says:

    Für die Arbeiter im havarierten Atomkraftwerk sind die Zukunftsaussichten schlecht. Jeder Zweite muss mit dem Strahlentod rechnen, schätzt der deutsche Atomexperte Edmund Lengfelder. „Wenn eine Gruppe von zehn jüngeren Leuten zwölf Stunden einer solchen Dosis Leistung ausgesetzt ist, werden 50 Prozent davon, also fünf Männer, den akuten Strahlentod sterben“, sagte Lengfelder der „Frankfurter Rundschau“.

    Diesen Menschen werde zunächst schwindelig, dann brächen lebenswichtige Funktionen zusammen. Bei der anderen Hälfte der Männer sinke die Leistungsfähigkeit und „ihr Krebsrisiko steigt massiv“, sagte der Wissenschaftler.

    WELT 21.03.11

    Es ist also verständlich, weshalb Regierungschef Naoto Kan selbst nicht nach Fukuschima möchte.

  27. LeserIn Says:

    Nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima 1 ist nun radioaktives Meerwasser gemessen worden. In der Nähe der Atomanlage lagen nach Angaben des Betreibers Tokyo Electric Power Company (Tepco) die Werte für radioaktives Jod 127 Mal über dem Normalwert. Bei radioaktivem Cäsium war der Wert 25 Mal so hoch wie sonst üblich. Auf Menschen hat dem Betreiber zufolge dies keinen negativen Einfluss. Auch sei es noch zu früh, die Auswirkungen auf die Fischerei zu beurteilen, so Tepco.

    China Radio International 22.03.11

    Die Ausdrücke „üblich“ und „über dem Normalwert“ sind nicht richtig. Es müsste richtig „über den zulässigen Grenzwerten“ heißen.

  28. bloegi Says:

    Japans Industrie- und Wirtschaftsminister Kaieda soll Feuerwehrmänner aus Tokio gezwungen haben, stundenlang Wasser auf den radioaktiv strahlenden Reaktor im Atomkraftwerk Fukushima Eins zu sprühen. Kaieda soll den Männern eine Strafe angedroht haben, falls sie die Aufgabe nicht ausführten, berichtet Kyodo.

    Spiegel 22.3.2011

    Es ist aber unwahrscheinlich, dass Kaieda dem Premierminister Kan eine Strafe androht, wenn er nicht nach Fukuschima fährt.

  29. ricalb Says:

    @ Blögi

    „Nur“ ´ne subjekltive Meinunghsäußerung:

    Die nun durch „Messung“ dokumentierte Meerwasser-Radioaktivität war doch klar, nur die Konzentration war bisher nicht absehbar, mir kommt das so vor wie wenn Kleinkinder Verstecken spielen, beide Hände vors Gesicht halten und meinen, Sie wär´n dann nicht mehr sichtbar.

    l
    Einer der Gründer des 1919er Rats der Geistigen Arbeiter, Dr. [iur.] Kurt Hiller, pädierte fünfzig Jahre später gegen Atomkraft mit Ihrer RADIOAKTIVität und war RATIOAKTIV.

    In diesem Sinn, best;-)

    Richard Alrbecht, 220311
    http://eingreifendes-denken.net

  30. LeserIn Says:

    Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA ist wegen eines möglichen Lecks im Fukushima-Reaktor 1 besorgt. Außerhalb der Anlage gebe es weiterhin hohe Strahlungsswerte, teilte die IAEA mit. Man habe bisher nicht herausfinden können, ob der Sicherheitsbehälter des Reaktors beschädigt sei.

    DER STANDARD 22.03.11

    Da Jod 131, Caesium 134 und 137 gefunden wurden, ist unter Garantie mindestens ein Behältnis aufgebrochen.

    Radioaktiv verseuchte Milch, belasteter Spinat, Sorgen um Sushi – der radioaktive Niederschlag aus dem schwerbeschädigten Atomkraftwerk Fukushima wird zu einer Krise für die japanische Landwirtschaft. Die für den Verbraucherschutz zuständige Ministerin Renho bemühte sich am Montag in Tokio, die Sorgen der Bevölkerung über belastete Lebensmittel zu zerstreuen. … Lieferungen in die asiatischen Nachbarländer sind eingestellt. In Taiwan waren am Wochenende kontaminierte Bohnen aus Nordostjapan entdeckt worden.

    NZZ 22.03.11

    Das wird Monate so weitergehen und schließlich nur ‚aufhören‘, weil es die Massenmedien nicht mehr interessant finden.

  31. LeserIn Says:

    Die Mitarbeiter seien vorübergehend vom Reaktor 2 abgezogen worden, erklärte die zuständige Aufsichtsbehörde am Mittwoch. Demnach erreichte die Radioaktivität eine Stärke von 500 Millisievert pro Stunde.

    Im Reaktor 1 stieg die Temperatur nach Angaben der Behörde über den Grenzwert, für den der Meiler ausgelegt ist. In einem Druckbehälter seien 400 Grad Celsius gemessen worden, hieß es. Der Grenzwert liegt bei 302 Grad.

    Danach zur Verhöhnung der LeserInnen:

    Es bestehe dennoch keine unmittelbare Gefahr, erklärte die Reaktorsicherheitsbehörde.

    REUTERS 23.03.11

    In dem Dorf, das rund 60 Kilometer südwestlich des Unglücksreaktors von Fukushima liegt, sind extrem hohe Jodwerte im Trinkwasser gefunden worden. Messungen hätten Werte von 965 Becquerel Jod pro Liter Leitungswasser ergeben, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Der Grenzwert liege allerdings schon bei 300 Becquerel, heißt es auf der Website des Dorfes.

    STERN 23.03.11

    Babys und Kleinkinder sollen in Tokio kein Leitungswasser mehr trinken. Im Wasser seien erhöhte Werte von 210 Becquerel pro Liter an radioaktivem Jod 131 festgestellt worden, sagte ein Sprecher der Stadtregierung am Mittwoch vor den Medien.

    Die radioaktive Strahlung im Trinkwasser überschritt die Gefahrengrenze für Neugeborene. Nach den gesetzlichen Vorschriften sei das Leitungswasser derzeit nicht für die Zubereitung von Babynahrung geeignet, sagte der Behördenvertreter weiter.

    Die Werte übertreffen nach seinen Angaben den Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm, die das Gesundheitsministerium für Kleinkinder festgesetzt hat. Die Warnung gelte für alle 23 zentralen Bezirke in Tokio und für das westlich gelegene Tama-Gebiet.

    Die erhöhten Werte an radioaktivem Jod 131 seien am Dienstagmorgen in einer Wasseraufbereitungsanlage in Tokio festgestellt worden.

    swissinfo 23.03.11

    Dass starke Radioaktivität auch südwestlich von Fukuschima auftritt, ist um so gravierender, als der Wind fast die ganze Zeit seit dem Erdbeben aus Südwesten geweht hat. Die Belastung des Stillen Ozeans muss gigantisch sein.

  32. LeserIn Says:

    AKW Fukushima komplett evakuiert

    Kurz nach Entdeckung des Rauchs aus Reaktor 3 betrug die radioaktive Belastung nach Angaben der Atombehörde 283,7 Millisievert. Zwei Stunden zuvor habe sie bei 435 Mikrosievert gelegen.

    SPIEGEL 23.03.11

    Schon 435 Millisievert pro Stunde gefährden die Gesundheit, wenn man sich tagelang darin aufhält. Ein paar Stunden in 283,7 Millisievert pro Stunde sind tödlich.

  33. Tilman Says:

    Was mich interessiert:
    Inzwischen weiss nun jeder aus den Nachrichten, dass sogenannte „Brennstäbe“, auch wenn verbraucht, heiss werden und gekühlt werden müssen. Soweit, so schlecht.
    Wie ist es denn mit neuen „Brennstäben“? Es ist ja wohl nicht so, dass die inaktiv und friedlich sind, bis man sie wie so ein Lichtdingsbums knickt und erst dann loslegen mit dem strahlen. Wie werden die transportiert und sichergestellt? Kann man die überhaupt lagern? Oder werden die „just in time“ produziert?
    Ich finde es skurril, dass die „aktiven“ Atomkraftgegner gegen den Müll protestieren, aber nie gegen den Transport von „Brennstäben“. Ich will jetzt nicht zu etwas aufrufen, es wundert mich nur, von der Logik her.

    • bloegi Says:

      Unabhängig davon, was ich jetzt gleich schreiben werde, würde ich es für vernünftig halten gegen die Zulieferung von Brennstäben zu protestieren. Ich verstehe nicht, weshalb in Frankreich (fast) niemand gegen den Export von MOX vorgeht.

      Warum sind frische Brennstäbe, in denen noch keine Spaltungsprodukte enthalten sind, ungefährlich? Ganz sind sie es nicht, denn Uran spaltet auch SPONTAN, wenn auch sehr selten. Im Wesentlichen aber spaltet Uran – genau genommen das Isotop 235 – INDUZIERT, d.h. U235 muss von einem Neutron getroffen werden. Woher soll das Neutron kommen? Von einer anderen Spaltung, die kurz zuvor passiert ist. Denn bei jeder Spaltung werden im Durchschnitt etwas mehr als 2 Neutronen freigesetzt. Wenn man genug Uran zusammenbringt, die berühmte kritische Masse, genügen die Neutronen aus den spontanen Spaltungen um die induzierten Spaltungen auslösen. In dem Moment, in dem das losgeht, muss man sofort Absorberstäbe, die viele Neutronen wegfangen, zwischen die Uranstäbe schieben. Sonst explodiert das Zeug wie eine Atombombe. Die Absorberstäbe dürfen aber nicht zu tief eingefahren werden. Es ist nicht einfach einen Nuklearreaktor zu steuern. Vergleichbar ist es ungefähr mit Tempo 200km/h auf einer dicht befahrenen Autobahn.

      Beim Transport und der Lagerung kommt es entscheidend darauf an die frischen Stäbe weit genug auseinander zu halten. Dabei spielt die Temperatur eine tückische Rolle. Wenn die Stäbe heiß werden, biegen sie sich. Das geschieht ungleichmäßig. Dabei können mehrere Stäbe einander so nahe kommen, dass die kritische Masse entsteht. Ich meine, dass im Abklingbecken des Reaktors 4 die Stäbe zu dicht gepackt waren. Solange keine Störung eintrat, war der Abstand gerade noch so groß, dass keine Kettenreaktion ausgelöst wurde. Als aber das Becken beim Erdbeben geschüttelt wurde, kamen ein paar Stäbe einander zu nah.

      Ähnlich ist es mit der so genannten Kernschmelze. Die noch ziemlich frischen Stäbe hängen im Reaktor, der immer heißer wird. Die Stäbe schmelzen. Das Uran sammelt sich unten im Reaktor. Sobald es eine kritische Masse bildet, explodiert es wie eine Bombe.

      Die Explosionen können übrigens unterschiedlich vor sich gehen. Manchmal gibt es den großen Knall. Meistens aber spritzt das Material ’nur‘ auseinander. Die Kettenreaktion wird unterbrochen, bis sich wieder genug Material für die kritische Masse sammelt. Ich meine, das ist es, was gegenwärtig in den Reaktoren 1,2 und 3 geschieht.

      (Das Auseinanderspritzen missvergnügt die Bombenbauer. Die wollen natürlich, dass möglichst alles Uran spaltet und die gesamte Energie auf einmal frei wird. Der größte Teil der militärischen Forschung und die vielen Versuche in den fünfziger und sechziger Jahren waren darauf gerichtet.)

  34. LeserIn Says:

    Nach wie vor haben die Behörden große Probleme mit der Wahrheit:

    Im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 sind drei Einsatzkräfte verstrahlt worden. Dies teilten die Behörden heute mit. Sie hätten eine ausserordentlich hohe Strahlendosis abbekommen. Sie seien 170 bis 180 Milisievert ausgesetzt gewesen, sagte Hidehiko Nishiyama von der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA). … Zwei von ihnen seien mit Verbrennungen an den Beinen ins Spital gebracht worden. Sie hatten an Reaktor 3 gearbeitet.

    Tages-Anzeiger 24.03.11

    Wenn schon Verbrennungen an der Haut sichtbar werden, haben die Arbeiter mehr abbekommen als 170 Millisievert, viel mehr. Sogar bei 1 Sievert ist den Verstrahlten äußerlich nichts anzusehen. Ihnen wird schwindlig und sie brechen zusammen.

  35. LeserIn Says:

    Die Beine der Leute sind nicht durch Feuer verbrannt worden:

    Die Füße der Arbeiter seien mit radioaktiven Elementen in Berührung gekommen. … Seit dem atomaren Zwischenfall wurden in Fukushima-Daiichi rund zwei Dutzend Menschen verletzt.

    Hamburger Abendblatt 23.3.2011.

    Von deren Tod wird man so wenig hören wie von dem Tod der so genannten Liquidatoren von Tschernobyl, also der Leute, die an den kaputten Reaktor geschickt wurden um ihn zu löschen und zuzubetonieren.

  36. LeserIn Says:

    Großer Erfolg: Im Kontrollraum brennt wieder Licht.

    12.26 Uhr … Des Weiteren stieg weißer Dampf über den Blöcken 1, 2 und 4 auf. Es sei das erste Mal, dass dies auch bei Block 1 beobachtet werde, berichtete der Sender NHK. Dort habe sich die Lage aber stabilisiert, sagte Nishiyama von der Atomsicherheitsbehörde. Im Kontrollraum brenne inzwischen wieder Licht.

    Unterdessen traten auch in dem bisher unkritischen Block 5 Probleme auf. Auch dort ist nun das Pumpsystem des Reaktors nach Angaben der NISA defekt. Die Kühlung sei ausgefallen.

    Hamburger Abendblatt 24.03.11

  37. Richard Albrecht Says:

    @blögi u.a.

    Gut, daß Sie von Anfang an didaktisch beschrieben & kritisch die einsickernden Informationen kommentierten. Auch gestrige taz hat´s verstanden.

    Und ich frag, wann nach der „Geisteswissenschaftler“-Initiative gegen vuz Graf Guttenberg und der Anti-BILD-Sache der vielen Geologen die höchstnötige Anti-Lügen-Initiative (natur-) wissenschaftlicher Physiker startet: ES GEHT UMS ÜBERLEBEN – ATOMKRAFT IST SOZIO-TECHNISCH UNBEHERRSCHBAR.

    Freundliche Grüße

    Richard Albrecht, 240311
    http://ricalb.files.wordpress.com/2011/03/cv1.pdf

    • bloegi Says:

      Richard Albrecht schrieb:

      ES GEHT UMS ÜBERLEBEN – ATOMKRAFT IST SOZIO-TECHNISCH UNBEHERRSCHBAR.

      Auch die Justiz ist sozio-technisch unbeherrschbar.

      Ich kann vorhersagen, worauf das hinausläuft: auf mehr Automaten und eine Maschinen-Kultur. Schon heute werden die großen Flugzeuge von Robotern gesteuert und wehe, wenn die einmal nicht funktionieren und der menschliche Kapitän eingreift. Er macht nur Mist. Die Katastrophe wird erst abgewendet, wenn er die Roboter wieder anschaltet und sie dann doch wieder funzen.

      Tiere, also auch Menschen, sind chaotische Systeme. Bei einer Technologie, die auf Wasser in Bläschen beruht, ist das nicht einmal erstaunlich. Wenn ein Mensch 90% von dem einhält, was er selbst zugesagt hat, kann er schon als sehr zuverlässig gelten. Andererseits leben mehr als 6 Milliarden Menschen, die alle den Wanst nicht voll kriegen können, auf der kleinen Erde. Die Organisation dieser ungeheuren Mengen ist ohne höchst zuverlässige Roboter nicht machbar.

      Zurück zum Thema: Das Bundesamt für Strahlenschutz hat eine Karte der Gamma-Ortsdosisleistungen, d.h. der Radioaktivität in der BRD, veröffentlicht:

      http://odlinfo.bfs.de/

      Verständlich sind die hohen Dosen im südwestlichen Sachsen. Die kommen von Wismut Aue etc. Im Erzgebirge liegen verhältnismäßig viele schwere Metalle, eben Wismut, darin aber auch Uran und Radium. Einigermaßen verständlich sind auch die hohen Dosen im bayrischen Wald und im Fichtelgebirge. Bekanntlich enthält Mineralwasser von daher viel Radium. Erstaunlich finde ich die hohen Dosen im Oberrheintal.

  38. Juanita Metzner Says:

    Der Supergau ist längst im Gang !
    T otal
    E limination of
    P oulation
    Co mpany

    Aber: „Die Situation ist weiterhin stabil“ UNFASSBAR !!!!!

    Inzwischen spielen die Machos dieser Welt Krieg wie gehabt.

    Für eine Umkehr scheint es längst zu spät zu sein.

    Ich trauere für unsere Kinder und Enkel

    UND ICH BIN SO WÜTEND OB ALL DIESER DUMMHEIT

    • bloegi Says:

      Juanita Metzner schrieb:

      UND ICH BIN SO WÜTEND OB ALL DIESER DUMMHEIT

      Wie würden Sie es besser machen jetzt, nachdem der Super-Gau eingetreten ist?

      Technisch am wenigsten schlecht wäre es, wenn das gesamte AKW auseinander gebaut und die Teile chemisch bearbeitet würden. Das könnten aber nur Roboter tun. Denn Menschen, die an die Quellen der Radioaktivität dicht herangingen, wären tot, bevor sie eine halbe Stunde gearbeitet hätten. Geeignete Roboter gibt es jedoch nicht.

      Technisch am zweitwenigsten schlecht wäre wohl die zügige Verpackung der gesamten Anlage in Beton – wie in Tschernobyl. Das könnte mit den ganz großen Betonpumpen geschehen, die es schon gibt. Im Sarkophag müssten Kamine eingeplant werden mit Filtern, die die Radioaktivität möglichst weitgehend zurückhalten. Zugleich müsste ein Graben um die Anlage gezogen werden – auch an der Küste -, damit die radioaktiven Abwässer kontrollierbar bleiben.

  39. LeserIn Says:

    Japans beschädigtes AKW in Fukuschima hat radioaktives Jod und Caesium in Mengen abgeben, die an die herankommen, die nach dem Tschernobyl-Unfall 1986 beobachtet wurden. Österreichische Forscher haben ein weltweites Netz von Strahlungsdetektoren benutzt, das entwickelt worden war um heimliche Atombomben-Tests anzuzeigen, und haben bewiesen, dass Jod-131 täglich in Mengen abgegeben wird, die 73% von dem entsprechen, was nach der Katastrophe von 1986 beobachtet wurde. Die tägliche Menge von Caesium-137, die in Fukuschima freigesetzt wird, beträgt etwa 60% der Menge, die in Tschernobyl freigesetzt wurde.

    Japan’s damaged nuclear plant in Fukushima has been emitting radioactive iodine and caesium at levels approaching those seen in the aftermath of the Chernobyl accident in 1986. Austrian researchers have used a worldwide network of radiation detectors – designed to spot clandestine nuclear bomb tests – to show that iodine-131 is being released at daily levels 73 per cent of those seen after the 1986 disaster. The daily amount of caesium-137 released from Fukushima Daiichi is around 60 per cent of the amount released from Chernobyl.

    New Scientist 24.03.11

  40. LeserIn Says:

    Becquerel auf Deutsch = Bäckerell

    1 Bq = 1 Becquerel = 1 radioaktiver Zerfall pro Sekunde

    1 MBq pro Quadratmeter = 1 Million radioaktive Zerfälle pro Sekunde im Quadratmeter.

    0,9 MBq/m^2 = 900 000 radioaktive Zerfälle pro Sekunde im Quadratmeter.

    „Die zugänglichen Resultate zeigen eine Kontamination im Bereich 0,2 bis 0,9 MBq pro Quadratmeter.“ Dieser für Laien unverständliche Satz deutet eine mögliche Katastrophe für die Bewohner der Region rund um das japanische AKW Fukushima Daiichi an. Übersetzt heißt das nämlich, dass an den Messpunkten in der Region Strahlenwerte gemessen werden wie an den berüchtigten „Hotspots“ der evakuierten Zone rund um den ukrainischen Katastrophenreaktor Tschernobyl.

    taz 24.03.11

    „mögliche Katastrophe“: Auch bei der taz hat man Sinn für Humor.

  41. bloegi Says:

    Ein paar technische Begriffe:

    1) Der Reaktor ist der Stahltopf, in dem die Brennstäbe hängen und die Kettenreaktion vor sich geht. Die Wände des Reaktors sind etliche cm dick.
    2) Der Sicherheitsbehälter (Safety Containment) ist eine Hülle aus Stahl und/oder Beton, die den Reaktor umschließt und verhindern soll, dass Radioaktivität austritt, wenn der Reaktor undicht wird.
    3) Im Reaktorgebäude befinden sich Sicherheitsbehälter und Reaktor. Meist sind da auch die Abklingbecken drin. Alles zusammen wird oft dreifache Hülle genannt.
    4) Zum Reaktorblock gehören der Reaktor, der Sicherheitsbehälter, das Reaktorgebäude, die Steuerung, die Kühlung meist mit Wärmetauscher und im Regelfall die Turbinen, die mit heißem Dampf aus dem Reaktor oder vom Wärmetauscher betrieben werden sollen.
    5) Alles zusammen, oft mehrere Reaktorblöcke, bildet das Kernkraftwerk oder AKW.

    Ich schreibe das ausführlich, weil lange behauptet wurde, im AKW Fukuschima sei nur Knallgas explodiert und nur die Reaktorgebäude seien beschädigt worden. Jetzt wird allmählich zugegeben, dass mindestens ein Reaktor geplatzt ist – der mit dem Plutonium:

    25. März, 5:30 Uhr:

    […] Die japanische Regierung plant derzeit keine Ausweitung der Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima. Regierungssprecher Yukio Edano sagte aber, den Bewohnern des Gebiets in einer Entfernung von 20 bis 30 Kilometern um das Kraftwerk Fukushima-Eins werde empfohlen, sich freiwillig in weiter entfernte Regionen zu begeben. Diese Empfehlung erfolge nicht aus Sicherheitsgründen, betonte Edano [… schlechter Witz]

    25. März, 7:27 Uhr:

    Stark radioaktiv belastetes Wasser hat nun auch die Arbeiten an den Reaktoren 1 und 2 im Atomkraftwerk Fukushima Eins gestoppt. […]

    25. März, 7:35 Uhr:

    Die chinesischen Behörden haben bei zwei Reisenden aus Japan eine hohe radioaktive Verstrahlung festgestellt. […] Die gemessene Radioaktivität liege deutlich über dem Grenzwert. […]

    25. März, 8:02 Uhr:

    Der Reaktordruckbehälter im Block 3 der havarierten Atomanlage Fukushima 1 ist nach Angaben der Betreiberfirma Tepco möglicherweise beschädigt. […]

    Frankfurter Rundschau 25.3.2011

    Die letzte Meldung ist die bedeutendste. Mit „Reaktordruckbehälter“ können die nur den Reaktor selbst meinen. Denn wenn der Reaktor nicht kaputt ist, kann keine Radioaktivität aus dem Sicherheitsbehälter entweichen. Meines Erachtens sind auch die Reaktoren in Block 1 und 2 undicht. Der Reaktor 4 ist nur deswegen heil, weil der leer war, als die Erde zu beben begann. Im Block 4 jedoch ist das Abklingbecken zum Reaktor geworden, allerdings zu einem ohne dicke Stahlwände und ohne Safety Containment.

  42. bloegi Says:

    Naoto Kan auch in ernster Lage immer zum Scherzen aufgelegt:

    Die Atombehörde teilte am Freitag mit, die im Wasser des mit Plutonium-Brennstäben ausgestatteten Blocks gemessene Strahlung sei 10.000 Mal höher als normal. Es konnte nicht mehr ausgeschlossen werden, dass der Druckbehälter beschädigt war und somit im großen Maße Radioaktivität vom Reaktorkern austrat. Japans Ministerpräsident Naoto Kan bezeichnete die Lage als sehr prekär. Allerdings habe sie sich nicht verschlimmert, versuchte er aber zugleich Sorgen zu zerstreuen, es habe sich bereits ein Super-GAU ereignet.

    Reuters 25.3.2011

    „Strahlung sei 10.000 Mal höher als normal“ bedeutet nicht, dass die Strahlung 10000 Mal höher ist als in normalem Trinkwasser, sondern 10000 höher als in dem Wasser, das normalerweise bei der Kühlung aus dem Reaktor rauskommt. Auch das Kühlungswasser strahlt schon eifrig.

  43. bloegi Says:

    In den Massenmedien wird immer voller Glück berichtet der Wind wehe in Japan ablandig, so dass die meiste Radioaktivität in den Pazifik getrieben werde. Der Pazifik dürfte weitaus dichter bewohnt sein als Japan, allerdings nicht von Menschen.

    Im Meerwasser nahe des japanischen Atomkraftwerks Fukushima eins ist eine Konzentration von radioaktivem Jod 131 gemessen worden, die um das 1.250-fache über dem gesetzlich zulässigen Höchstwert liegt. […] Die Probe wurde demnach vom Akw-Betreiber Tepco einige hundert Meter von dem Atomkraftwerk entfernt im Pazifik entnommen. Am Dienstag hatte der Wert bei Messungen noch um das knapp 127-fache über der zulässigen Grenze gelegen.

    Doch auch die betroffenen Menschen gehören nicht zur Elite. Es sind Leiharbeiter, die von dem, was sie im AKW erwartet, wenig verstehen:

    Die Leitung von Tokyo Electric Power Co. (Tepco) erklärte, jeder Beschäftigte könne selbst entscheiden, ob er unter den jetzigen Bedingungen in dem havarierten Kraftwerk weiter arbeiten wolle. Kyodo zitierte aber einen Experten mit den Worten, dass es diese Wahlfreiheit kaum für Beschäftigte von Drittfirmen gebe, die von Tepco mit der Arbeit in der Anlage beauftragt wurden. Auch die am Donnerstag in Block 3 verstrahlten Arbeiter, die ohne Schutzstiefel in Wasser mit 10.000-fach erhöhter Strahlung standen, waren bei einer Drittfirma beschäftigt.

    Der Standard 26.3.2011

  44. LeserIn Says:

    Im Reaktorblock 2 stieg die Radioaktivität zuletzt auf einen Wert, der zehn Millionen Mal höher als normal ist. Die Strahlung wurde am Sonntag (27.03.2011) im verseuchten Wasser gemessen, das im Turbinen-Gebäude des Reaktorblocks steht. Die Messarbeiten seien daraufhin abgebrochen und die Arbeiter abgezogen worden …

    „10 Millionen Mal höher als normal“: Das bedeutet mindestens 1 Sievert, die tödliche Menge. „Die Arbeiter abgezogen“: Solange sie noch gehen konnten. Was wäre. wenn die Arbeiter an ihrem ‚Arbeitsplatz‘ zusammenbrächen? Niemand könnte sie rausholen.

    Regierungssprecher Yukio Edano sagte im japanischen Fernsehen, das kontaminierte Wasser stamme „fast zweifellos“ aus einem Reaktorkern.

    Mit Reaktorkern meint Edano oder der, der ihn übersetzt hat, einen Reaktor.

    Auch das Meer um das Atomkraftwerk wird immer stärker radioaktiv verseucht. Bei jüngsten Messungen übertraf die Strahlung den zulässigen Grenzwert bereits um das 1850-fache. Viele Experten gehen jedoch davon aus, dass sich die Konzentration der radioaktiven Substanzen im Meer schnell verdünnt, so dass derzeit keine größere Gefahr für Mensch und Umwelt bestehe.

    Der letzte Satz ist eine Lüge.
    DEUTSCHE WELLE 27.03.11

  45. bloegi Says:

    Hapag-Lloyd fährt nicht mehr nach Tokio und Yokohama, der Hamburger Reeder Claus-Peter Offen ebenfalls: Wegen der erhöhten Strahlenbelastung vor der Küste Nordjapans meiden inzwischen immer mehr Containerschiffe die beiden Großhäfen, die normalerweise zusammen 40 Prozent der gesamten Seefracht Japans abfertigen. Auch zahlreiche amerikanische und chinesische Unternehmen haben ihre Schiffsrouten geändert und laufen nun Osaka oder Kobe statt Tokio an, berichtet die „New York Times“ am Samstag.

    Spiegel 26.3.2011

    Das ist ein sehr zuverlässiger Indikator für das, was wirklich im Pazifik los ist. Denn die Änderung von Schiffsrouten kostet viel Geld. Die Reeder, die nicht einmal selbst auf ihren Schiffen fahren, sondern im Sicheren sitzen, würden solche Änderungen nicht anordnen, wenn sie nicht Sorge haben müssten sonst noch mehr Geld zu verlieren.

  46. LeserIn Says:

    28. März, 5:30 Uhr: Teilweise Kernschmelze in Unglücksreaktor

    Im Reaktor 2 hat nach Einschätzung der japanischen Regierung vorübergehend eine Kernschmelze eingesetzt. Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Montag

    FR 28.03.11

    Edano will sagen, dass der Reaktor in Block 2 geplatzt ist. Da kommen jetzt die vielen Spaltprodukte und das viele Uran raus – nicht vorübergehend, sondern immer.

  47. LeserIn Says:

    Japans Gesundheitsministerium hat Wasseraufbereitungsanlagen im ganzen Land angewiesen, kein Regenwasser mehr zu verwenden und Becken mit Plastikplanen abzudecken.

    SPIEGEL 28.03.11

    Im schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima Eins ist am Montag erstmals außerhalb des Gebäudes vom Reaktor 2 stark radioaktiv verseuchtes Wasser entdeckt worden. In mehreren Kontrollschächten eines unterirdischen Kanals, der aus dem Turbinengebäude des Reaktors hinausführt, habe sich Wasser angesammelt, dessen Radioaktivität bei 1000 Millisievert pro Stunde liege

    Hamburger Abendblatt 28.03.11

  48. bloegi Says:

    28.03.2011
    Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi gibt es nach Einschätzung der Bundesregierung mit hoher Wahrscheinlichkeit Schäden an Kernbrennstäben in den Reaktoren eins, zwei und drei sowie im Abklingbecken von Block vier. Dies erklärte das Bundesumweltministerium am Montag und bezog sich auf Erkenntnisse des eigenen Krisenzentrums.

    Focus 28.3.2011

    Das wurde hier schon am 23.3.2011 erörtert. Der erste, der kapiert hat, was in Fukschima geschieht, war vermutlich Uzy Even am 15.3.2011.

    • Tilman Says:

      Ich habe damals am Mo 14.3. ein Teil meiner Aktien (die mit Gewinn) in elektronisches Papiergeld getauscht, spricht verkauft. Ohne Ahnung von Atomphysik zu haben war klar, dass da was ganz ganz Übles passiert. Ich war schliesslich schon bei Tschernobyl weit über 18. Eine Anlage, die bei Strom-Ausfall nicht in einen stabilen oder beherrschbaren Grundzustand geht, ist per se gefährlich.

      • bloegi Says:

        Was haben Sie verkauft? E.ON oder RWE? Oder hatten Sie sogar TEPCO-Aktien?

      • Tilman Says:

        Nein, keine Versorger, bzw. nur indirekt. Daimler (die hatten seinerzeit den „wenig fähigen“ Chef ausgewechselt, und das zahlte sich aus) und einige blue chips Fonds. Meine Theorie war und ist dass eine solche Katastrophe alle betrifft, nicht nur die Atomindustrie. In die Solarindustrie habe ich auch nie investiert, weil das für mich wie ein Hype schien. Da weiss ich zuwenig um zu erkennen wer von denen seriös ist oder wer lediglich PR macht.

  49. LeserIn Says:

    An mehreren Stellen in dem Unglücks-AKW wurden Spuren von Plutonium im Boden gefunden. … Das Plutonium sei an insgesamt fünf Stellen nachgewiesen worden.

    SPIEGEL 28.03.11

    Vielleicht wurde schon vor dem Unfall so exzessiv rumgeschlampt, dass sich überall Abrieb mit Plutonium findet. Nach dem Motto: „Arbeiter XXX! Schleifen sie diese Brennstäbe aus der Anlieferung zum Reaktor 3!“ Bei Schleifen sind dann ein paar Stäbe zerbrochen.

    Andernfalls stellt der Fund den Beweis dar, dass der Reaktor 3 geplatzt ist.

  50. Richard Albrecht Says:

    @Blögi

    (1) Dank für Ihre mir hilfreiche kritische INFO-Kommentierung

    (2) ich vermute/te, daß der Reaktor Block 3 schon letzten Freitagvormittag „platzte“ infolge chemischer Kernschmelze

    (3) wobei m.E. die Debatte müßig ist, ob diese Großhavarie mit qualifiziertem Bestschutz (dessetwegen der Anfang der 1970er Jahre geplante BASF-Reaktor auf dortigem Werksgelände – kühlgünstig direkt am Rhein gelegen – damals vom TÜV Rheinland n i c h t genehmigt werden sollte) hätte verhindert werden können,

    Eilgruß

    Richard Albrecht
    http://eingreifendes-denken.net

  51. LeserIn Says:

    In Fukuschima wird Tschernobyl wiederholt auch, was die Geheimhaltung betrifft.

    Die Leute, die an den brennenden und heftig strahlenden Reaktor in Tschernobyl geschickt wurden, damit sie ihn löschen und mit Beton überdecken, bekamen den Namen Liquidatoren. Offiziell sind von den Liquidatoren nicht einmal 50 gestorben. Ich halte aber Schätzungen, dass 50000 umgekommen sind, für realistischer. Dazu der Ukas U-2617 C vom 27.6.1986 aus der III. Hauptverwaltung des Gesundheitsministeriums der UdSSR:

    Für geheim erklärt sind die Daten über die Havarie, für geheim erklärt sind die Ergebnisse über die Heilung der Krankheiten, für geheim erklärt sind die Daten über das Ausmaß radioaktiver Bestrahlung von Personal, das bei der Liquidation der Havarie des Atomkraftwerks Tschernobyl
    teilgenommen hat.

    http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Gesundheitliche_Folgen_Tschernobyl.pdf

    Ja, das ist praktischer Datenschutz, wie wir ihn von den rechtsstaatlichen Behörden der rechtsstaatlichen Bundesrepublik Deutschland kennen!

    • masterX21 Says:

      Zuerst mal meinen Dank an alle die diese Informationen zusammentragen und versuchen ein wenig Licht in das ganze Dramma zu bekommen.

      Der Bericht über die „Gesundheitlichen Folgen von Tschernobly“ ist erschreckend, aber noch unfassbarer ist das Zitat von Herrn Blix :

      „Angesichts der Wichtigkeit der Kernenergie könnte die Welt einen Unfall vom Ausmaß Tschernobyl pro Jahr ertragen.“
      Hans Blix, Generaldirektor der IAEA von1981 bis 1997 ( Hans Blix in „Le Monde“, 28.8.1986 )

      Es mag sein das dieser werte Herr dies heute nach Fukuschima nicht mehr so sieht, aber die Tatsache die Kernenergie über die Menschheit zustellen ist grob fahrlässig und unverantwortlich. Wie sollen wir das unseren Kinder erklären. Wir haben diese Fragen bereits bekommen.

      • bloegi Says:

        http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Blix

        Ich habe Hans Blix bei einer IAEA-Konferenz erlebt. Er war/ist Jurist. Er verfügte nicht über die intellektuellen Voraussetzungen um zu verstehen, was bei der Kernspaltung und in einem AKW geschieht. Ich bin übrigens der Meinung, dass Angela Merkel, die keine Juristin ist, das AKW-Moratorium nicht nur aus wahlopportunistischen Gründen verfügt hat. Sie ist in Panik geraten, als die Meldungen von den Explosionen bei ihr eingingen. Dass die Explosionen noch Tage nach dem Erdbeben geschahen, zeigte zumindest den PhysikerInnen überdeutlich, dass es nicht gelungen war die Kettenreaktionen in den Reaktoren zu unterbinden.

      • masterX21 Says:

        Als Frau Merkel das Moratorium verkündete, war meine erster Gedanke „Die Frau besinnt sich ihrer Wurzeln“ Ich hoffe nur, das der Unfall in Japan das geöffnete Zeitfenster von allen Verantwortlichen sinnvoll genutzt wird und der Schwerpunkt wieder auf den Ausbau von regenerative Energieträger gelegt wird. In Deutschland könnte der Anteil an regenerativen Energieträgern viel größer sein, wenn nicht in den letzten 10-15 Jahren der betriebswirtschaftliche Aspekt im Vordergrund gestanden hätte. Ich behaupte mal, das ein Versorger lieber 25% Ertrag aus Atomstrom bilanziert als 15% Ertrag aus Windkraftanlagen.

        Tschernobly ist in den meisten Köpfen in Vergessenheit geraten, Fukuschima ( so schlimm es auch ist ) kann vielleicht wieder etwas „Verstand“ in die Energiepolitik bringen.

  52. LeserIn Says:

    Kleine Erde. Der Wind weht drum herum.

    Partikel des radioaktiven Isotops Jod-131 aus der havarierten Atomanlage in Fukushima sind jetzt auch in Südkorea, China und den USA gemessen worden. Die Strahlung sei aber in keinem der Länder gesundheitsgefährdend, erklärten die örtlichen Behörden.

    T-ONLINE 29.03.11

    Wenn man nur ein paar Stunden in einer solchen Wolke bleibt, mag es ungefährlich sein. Auf die Dauer aber droht Krebs. Die Strahlungsschäden in den Organismen summieren sich und, wenn sie Krebs auslösen, heilen sie nie.

  53. bloegi Says:

    BILD (29.3.2011), die Stimme des gerechten Volkszorns, hat endlich Ersatz für das ehemals einträgliche Ehepaar von und zu Guttenberg:

    Plutonium-Horror!

    Immer mehr, immer tiefer – hochgiftiges Plutonium (Halbwertszeit 24 000 Jahre!) verseucht den Boden um das Katastrophen-AKW Fukushima! Sogar außerhalb des Atomkraftwerks wurde das tödliche Material jetzt nachgewiesen.

    14.53 Uhr: Wind dreht auf Tokio: Am Mittwochabend wird der Wind in Richtung der japanischen Hauptstadt drehen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit.

    14.29 Uhr: Plutonium wird auch in deutschen AKW verwendet.

    Die letzte Behauptung ist sicherlich wahr. Aber in welchen AKWs?

    Laut einer Mitteilung von CORE (Cumbrians Opposed to a Radioactive Environment) vom 27.10.09 liegen der britischen Sellafield MOX-Anlage (SMP) Aufträge zu Lieferung von plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen an sechs deutsche Atomkraftwerke vor: Nicht nur für das AKW Grohnde, sondern auch für die AKW Brokdorf, Gundremmingen, Isar, Neckarwestheim und Krümmel.

    http://www.nadeshda.org/foren/cl.politik.atom/p3256s3273a20.html

    Grohnde, Brokdorf, Gundremmingen, Isar, Neckarwestheim und Krümmel: Die Liste ist wahrscheinlich nicht komplett.

    Bis 2016 sollen noch 648 MOX-Brennelemente in Frankreich, Belgien oder Großbritannien gefertigt und in deutschen Atomkraftwerken eingesetzt werden. Das geht aus einer Anfrage der Linken im Bundestag hervor. […] Jedes MOX-Brennelement ist rund 500 Kilogramm schwer und enthält etwa 20 Kilogramm Plutonium. Schon sieben bis acht Kilogramm Plutonium reichen aus, um eine Atombombe zu bauen

    http://www.hamelner-markt.de/portal/startseite_Atomkraftgegner-rufen-zur-Sitzprobe-auf-_arid,299021.html

    Also 1620 deutsche Atombomben. Franz-Josef Strauß würde triumphal aufheulen.

  54. bloegi Says:

    Im Stern vom 25.3.2011 wird Edmund Lengfelder als Experte interviewt und das ist nicht falsch, weil Lengfelder tatsächlich einige Kenntnisse hat.

    versichert Ministerpräsident Naoto Kan in einer seiner seltenen Fernsehansprachen und versucht, die Angst zu zerstreuen, es habe sich bereits ein Super-GAU ereignet. Doch den hat es nach Ansicht von Edmund Lengfelder, Leiter des Otto Hug Strahleninstituts in München, längst gegeben. „Seit über einer Woche haben wir den Supergau“, sagte er stern.de.

    Das ist aber nichts Neues. Doch in demselben Interview eine andere Passage, die kaum jemand verstehen dürfte, der nicht tiefliegende Kenntnisse vom Kernwaffenbau hat:

    In Tschernobyl wurden die Brennelemente nur wenige Wochen bis Monate benutzt. In Japan sind jedoch drei bis fünf Jahre üblich. Deshalb sammeln sich dort auch viel mehr radioaktive Nuklide an.

    Der Reaktor in Tschernobyl hatte neben der Wärmeproduktion eine fast noch wichtigere Aufgabe: Er sollte aus Uran, genau genommen aus dem Isotop U238, Plutonium für den Kernwaffenbau erbrüten. Für den Kernwaffenbau ist nur das Isotop Pu239 brauchbar. Je länger man die Uran-Brennstäbe im Reaktor lässt, desto mehr werden schwere Isotope erbrütet: Pu240, Pu241 usw., die aus einer professionellen Pu-Bombe einen ineffizienten Frühzünder machen. Literatur dazu:
    https://bloegi.wordpress.com/2010/02/18/kernspaltung/#comment-3127

    Deshalb wurden die Uran-Brennstäbe schon nach Wochen aus dem Tschernobyl-Reaktor gezogen, während sie jahrelang in den Fukuschima-Reaktoren blieben – schon wegen Wirtschaftlichkeit. In der Folge sind in den Fukuschima-Brennstäben mehr Spaltungsprodukte, d.h. mehr Radioaktivität, als in den Tschernobyl-Brennstäben. Nebenbei sind die Brennstäbe in Fukuschima nach dem jahrelangen Gebrauch auch mechanisch viel stärker verschlissen. Sie deformieren sich stärker und brechen leichter.

    Allmählich wird klar, was nach der vermeintlichen Abschaltung am 11.3.2011 im Inneren der Reaktoren 1 bis 3 geschah.

  55. LeserIn Says:

    19:10: Es wird zur traurigen Gewissheit, was Experten schon seit Tagen vermutet hatten. Die Kernschmelze hat in allen drei Reaktoren des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1 eingesetzt. Das bestätigte die japanische Atomaufsicht heute.

    naanoo 29.03.11

    In Deutschland wird so sehr über die Entvölkerung der ländlichen Gebiete geklagt. Wie wäre es mit 200 000 JapanerInnen im Landkreis Marburg-Biedenkopf? Das wäre immerhin etwas Neues.

  56. bloegi Says:

    Handelsblatt 29.3.2011 prognostiziert: AKW-Abschaltung löst Katastrophe in deutschen AKWs aus. Dann ist nämlich nicht mehr genug Strom da um die AKWs zu kühlen.

    Mit der Abschaltung von bis zu 13 Kernkraftwerken im Mai könnte der Einsatz der Notstromaggregate zur Kühlung der Reaktoren erforderlich werden. Fachleute warnen im Handelsblatt vor diesem ungeplanten und risikoreichen Test für den Ernstfall.

    Grund ist, dass im Mai voraussichtlich 13 von insgesamt 17 deutschen Meilern still stehen. Sieben sind im Zuge des Moratoriums abgeschaltet, der Reaktor Krümmel ist und bleibt ohnehin abgeschaltet; für fünf weitere Meiler stehen im Mai mehrwöchige Revisionen an. „Das wird eng. Es stellt sich die Frage, ob wir dann noch ausreichend gesicherte Leistung haben. Außerdem wird sich erst noch erweisen müssen, ob die Netzkapazitäten ausreichen, um den Strom dann dort hin zu leiten, wo er gerade gebraucht wird“

  57. LeserIn Says:

    Kapitalisten lieben es gar nicht, wenn ihnen das Geschäft verdorben wird. In diesen Dingen ist die Financial Times (Deutschland) eine ausgezeichnete Quelle:

    Die „MOL Presence“ passierte den Katastrophenreaktor Fukushima in rund 120 Kilometern Entfernung. Doch das reichte: Im chinesischen Hafen Xiamen sprangen die Geigerzähler an. Die Grenzkontrolle stellte an dem Frachter der Reederei Mitsui OSK Lines erhöhte Strahlenwerte fest. Mit 4698 Containern an Bord musste das Schiff umdrehen und sich auf den Rückweg nach Japan machen.

    Der Fall ist exemplarisch: Verstrahlte Frachter alarmieren derzeit weltweit die Schifffahrtsbranche. „Ich rechne damit, dass europäische Häfen Schiffe aus Japan wegschicken“, sagt Erik van der Noordaa, Chef der Schiffsprüfungsgesellschaft Germanischer Lloyd.

    FTD 29.03.11

    Das Meerwasser nahe dem japanischen Kernkraftwerk Fukushima in Japan enthält 3355 mal so viel radioaktives Jod wie gesetzlich erlaubt. Ein Sprecher der japanische Behörde für nukleare Sicherheit räumte jedoch ein, dass hiervon keine Gefahr für Menschen ausgehe …

    FOCUS 30.03.2011

    Der bisherige Rekordwert lag beim 1850-fachen des gesetzlichen Grenzwerts. Vielleicht gibt es in den nächsten Tagen keine neuen Rekorde im Meer, weil der Wind dreht und die Radioaktivität nun nicht mehr bevorzugt aufs Meer, sondern auf die japanische Erde trägt.

  58. bloegi Says:

    Die IAEA rät zu einer größeren Evakuierungszone rund um das AKW Fukushima. Im Dorf Iitate 40 Kilometer vom Kernkraftwerk entfernt ist Strahlung über dem Grenzwert der Atomenergiebehörde gemessen worden.
    […]
    Die Regierung und Atomexperten diskutierten „jede Möglichkeit“, um das havarierte Kraftwerk unter Kontrolle zu bringen, so Regierungssprecher Yukio Edano. So soll überlegt werden, die Reaktoren mit einem Spezialgewebe abzudecken oder die Trümmer mit Kunstharz zu besprühen, damit der radioaktive Staub an die Ruine geklebt werden.
    […]
    Der französische Atomkonzern Areva hat fünf Nuklear-Experten ins Krisengebiet geschickt.

    Die Presse 30.3.2011

    Das sind drei Schreckensmeldungen, die zeigen, dass die Strahlenkrankheit in Tokio schon ausgebrochen ist.

    Statt des Kunstharzes würde ich Honig verwenden. Das ist echt Bio und klebt noch besser.

    Areva ist die Aktiengesellschaft, die die MOX-Brennelemente nach Japan verkauft hat. Neuigkeiten zur Areva-Aktie:

    http://www.boersennews.de/markt/aktien/areva-sa-cdi-b-eo-3-8-fr0004275832/288551/profile?source=g&gclid=CIOpkr7j9qcCFYu-zAodA30Qaw&rd=1

    Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist seit seinem Amtsantritt oberster Botschafter französischer Nukleartechnik. 2007 etwa schloss Sarkozy eine erste Rahmenvereinbarung mit Libyens damals noch hofiertem Machthaber Muammar al-Gaddafi. Kooperationsverträge zugunsten des staatlich kontrollierten Konzerns Areva vereinbarte Sarkozy zudem mit Marokko, Algerien und Saudi-Arabien. Auch in Jordanien, im Jemen und in Tunesien soll Areva in Sachen Atomkraft vorstellig geworden sein.

    WOZ Ausgabe 31.3.2011

  59. bloegi Says:

    Singapur meldete der IAEO, aus Japan Kohl geliefert bekommen zu haben, in dem die empfohlenen Strahlenwerte um das Neunfache höher seien.

    Focus 30.3.2011

    Wahrscheinlich soll das heißen, dass die Radioaktivität des Kohls neunfach höher als zulässig war.

  60. Richard Albrecht Says:

    Richard Albrecht // Mrz 31, 2011 at 8:33 am

    Zur Sache:

    (1) „Es wird zur traurigen Gewissheit, was Experten schon seit Tagen vermutet hatten. Die Kernschmelze hat in allen drei Reaktoren des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1 eingesetzt. Das bestätigte die japanische Atomaufsicht heute. Vermutlich stamme das Plutonium, das man im Umfeld des Kraftwerks gefunden habe aus Reaktor 3. Dort wurden sogenannte MOX-Brennstäbe eingesetzt, die die Energieeffizienz des AKWs erhöhen sollen und das hoch-toxische Plutonium enthalten.“ (http://www.naanoo.com/live/atomkraftwerk-japan-akw-fukushima-live-6-gninews [290311]; auch http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1422381/)

    (2) Das war schon letzten freitagvormittag [260311] absehbar und da hab ich auch entsprechend netzreagiert: http://duckhome.de/tb/archives/9019-Systemwirtschaft-in-der-Kernsch [und] http://www.klaus-baum.info/2011/03/25/wer-cdu-wahlt-wahlt-atomkraft/#commentsmelze.html270311

    (3) Bertolt Brecht abhandelte im Galilei-Stück (1937/1955) die allgemeine Verantwortungsproblematik von (Natur-) Forschern und Heinar Kipphardt im OPPENHEIMER-Stück später die von (Atom-) Physikern. Brecht wollte mit diesem m.E. allgemeingültigen Satz die Lüge bannen und Lügner aus dem Haus jagen:
    „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß, und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“ (Bertolt Brecht, Leben des Galilei: Berliner Letztfassung 1955)

    (4) Ich halte Robert Jungks „Atomstaat“ (1977) für so aktuell, daß ich nur anregen kann, diesen kritischen Ansatz zum ATOM-INDUSTRIE-KOMPLEX forschungsempirisch wieder aufzunehmen und politisch zu erweitern

    Richard Albrecht/310311
    http://eingreifendes-denken.net

  61. LeserIn Says:

    Leider doch neue Rekorde im Stillen Ozean:

    Im Meerwasser vor dem havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima nimmt die radioaktive Verseuchung weiter zu. Die Betreibergesellschaft Tepco teilte am Donnerstag mit, dass die Konzentration von radioaktivem Jod den zulässigen Höchstwert um das 4385-fache überschritten habe.

    STERN 31.03.11

  62. bloegi Says:

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753938,00.html

    Interview im Spiegel, das wie von hier abgeschrieben erscheint. Bemerkenswert ist dieser Zusatz:

    Laut „New Scientist“ lagerten in Fukushima 1760 Tonnen Brennmaterial – zehnmal so viel wie in Tschernobyl

  63. LeserIn Says:

    Für die Bestattung von 1000 Toten werden Castor-Behälter benötigt:

    Bis zu 1000 Leichen rund um das AKW Fukushima sind wegen der Strahlengefahr bisher nicht geborgen. Dies meldet die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Polizei. Die Leichen in der 20-Kilometer-Evakuierungszone seien hoher Strahlung ausgesetzt gewesen, heißt es. Die Japaner fürchten, dass Rettungsteams, Ärzte oder Angehörige bei der Bergung zu viel radioaktive Strahlung abbekommen könnten. Werden die Opfer später eingeäschert, könnten die radioaktiven Partikel zudem in die Luft gelangen. Bei einer Erdbestattung könnte der Boden kontaminiert werden

    WELT 31.03.11

  64. Richard Albrecht Says:

    @blögi

    Mal von der Selbstdarstellung und der Pose dieses „anständigen Ingeneur“ und angeblichen oder wirklichen Hannöverschen „Strahlenschutzexperten“ abgesehn … das konnte wers kann grad hier schon bei Ihnen in den letzten Wochen lesen. Bleint insofern positiv anzumerken;->]): Der Ingenieur kann wenigstens (Ihre Netzseite) lesen … bis auf den SPIEGEL-redaktionellen (und mir neuen) Hinweis:

    „Laut „New Scientist“ lagerten in Fukushima 1760 Tonnen Brennmaterial – zehnmal so viel wie in Tschernobyl“

    also im Westen, rechts, nix Neues …

    Dr. Richard Albrecht, 310311
    http//eingreifendes-denken.net

    • bloegi Says:

      1760 Tonnen Brennmaterial

      Das ist mehr, als ich dachte. Für eine Bombe reichen ein paar Kilogramm. Dazu ein nuklearer Slapstick:

      1999 kam es in der japanischen Fabrik Tokai Mura – in der Uranbrennstoff hergestellt wird – zu einem solchen Unfall. Arbeiter füllten 16 Kilogramm relativ hochangereichertes Uran in einen Tank, eigentlich hätten es nur 2,4 Kilogramm sein dürfen. Dies führte dazu, dass im Tank eine kritische Masse entstand und eine unkontrollierte Kettenreaktion begann. Zwei Angestellte wurden so hoch verstrahlt, dass sie wenige Wochen später starben.

      WOZ 24.3.2011

      Das könnte aus einem Dick-und-Doof-Film sein oder – moderner – von den Simpsons.

      Aktuell

      Betreiberfirma des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1 in Japan, Tepco, hat am Donnerstag zehntausendfach zu hohe Radioaktivitätswerte gemeldet. Demnach übersteige der Wert der gemessenen Radioaktivität die zugelassene Höchstgrenze um das Zehntausendfache. Die Strahlenwerte seien im Grundwasser in der Nähe des Kernkraftwerks gemessen worden.

      finanznachrichten 31.3.2011

      Wo sollen die 1760 Tonnen auch hin?

  65. LeserIn Says:

    Das ist alles wie damals in der Umgebung wie Tschernobyl:

    In Rindfleisch aus der Region des havarierten Atomkraftwerks Fukushima fanden Wissenschafter Spuren von hochradioaktivem Cäsium, wie der AKW-Betreiber Tokyo Electric Power (Tepco) am Donnerstag mitteilte. Die Strahlenbelastung des Rindfleischs sei ungewöhnlich hoch gewesen.

    news.at 31.03.11

    Caesium, besonders Cs-137, war der Dauerbrenner und ist es in Bayern und Baden-Württemberg immer noch.

  66. LeserIn Says:

    Schlamperei beim Betreiber der AKW Fukushima: Die Strahlen-Messwerte vom Grundwasser in und um das Atomkraftwerk seien teilweise fehlerhaft, teilte die Atomaufsichtsbehörde mit. Das Grundwasser sei jedoch sehr wahrscheinlich dennoch verstrahlt. Am Vortag hatte die Betreibergesellschaft Tepco mitgeteilt, dass im Grundwasser im Umfeld des Atomwracks ein 10.000-fach erhöhter Wert von radioaktivem Jod gemessen worden sei. Wie hoch die Belastung wirklich ist, war zunächst nicht klar. Die Behörde drückte ihr „starkes Bedauern“ über den erneuten Fehler aus. Tepco hatte bereits zuvor fehlerhaft gemessen.

    WELT 01.04.11

    An dieser Stelle ist es notwendig Partei für Tepco zu nehmen. Es gibt verschiedene Grade der Unwahrheit. Den höchsten Grad haben gewöhnlich Behörden. Die japanische Regierung möchte den Zustand des AKW Fukushima Daiichi um jeden Preis beschönigen und ist verärgert, wenn Tepco Messwerte veröffentlicht, die das verhindern.

  67. bloegi Says:

    Die Anwohner des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima werden nach Einschätzung der Regierung in Tokio für lange Zeit nicht in ihre Häuser zurückkehren können. […] Drei Wochen nach dem Atomunfall durch Erdbeben und Tsunami ist ein Ende der Krise nicht in Sicht. Am Vortag lehnte die japanische Regierung eine Ausweitung der Sperrzone ab.

    Reuters 1.4.2011

    In Japan leben knapp 130 Millionen Menschen nominell auf einer Fläche so groß wie die Deutschlands. Doch die meisten leben an den Küsten. Wohin sollen die evakuiert werden?

    Der japanische Staat muss den Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1, Tepco, womöglich mit Steuergeld stützen. Dem Konzern drohe sonst während seines Kampfes gegen die größte Nuklear-Katastrophe des Landes das Geld auszugehen, berichteten japanische Medien.

    AFP 1.4.2011

    Etliche der größten Nuklearprojekte in der Bundesrepublik Deutschland sind am Geld gescheitert, z.B. die AKWs in Wyhl, die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf, der schnelle Brüter in Kalkar etc.. Die Gerichte erlaubten letztlich den Betrieb, aber es wurde für die Betreiber zu teuer.

  68. LeserIn Says:

    Unter Tränen berichtete die Mutter eines 32-jährigen Fukushima-Arbeiters dem US-Sender „Fox News“ von einem Gespräch mit ihrem Sohn. „Er erzählte mir, sie hätten akzeptiert, dass sie alle wahrscheinlich sterben werden – kurzfristig an der Strahlenkrankheit oder langfristig an Krebs“. Ihren Namen wollte die Frau nicht nennen, weil das Management alle Arbeiter angehalten habe, weder ihren Verwandten von dem Einsatz zu erzählen noch mit Medienvertretern zu reden.

    Die Nisa kritisierte die Arbeitsbedingungen der Männer im Unglücks-AKW scharf. Fukushima-Betreiber Tepco habe den Arbeitern nicht genügend Strahlenmessgeräte zur Verfügung gestellt, hieß es.

    SPIEGEL 01.04.11

    Viele von denen werden bald sterben, und zwar unter Datenschutz.

  69. LeserIn Says:

    Aus einem Reaktor des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima fließt radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Grund sei ein Leck im Betonboden von Reaktor 2, teilte die Betreibergesellschaft TEPCO heute mit. Es sei eine Strahlung von 1.000 Millisievert pro Stunde gemessen worden. Die natürliche Strahlenbelastung liegt zwischen einem und zehn Millisievert pro Jahr.

    Nach Angaben der japanischen Atomaufsicht will TEPCO nun Beton in das Reaktorinnere pumpen, um das Leck zu stopfen.

    ORF 02.04.11

    Immerhin wissen wir jetzt, weshalb das Reaktorgebäude 2 nicht nach oben explodiert ist. Der Reaktor hat sich nach unten Freiraum geschaffen.

    Die Bespritzung der Blöcke durch die Feuerwehr hat nur dazu geführt noch mehr radioaktives Material aus den Abklingbecken und geplatzten Reaktoren herauszuschwemmen.

  70. Richard Albrecht Says:

    @ LeserIn; blögi et.al.

    Wär´s so … nahezu unerklärlich und dringlich, das (scheinbar) Unerklärliche zu erklären.

    Unwissenheit schützt nicht nur nicht „vor Strafe“, sondern wird, gibt sie sich als expertisches Wissen aus, selbst verbrecherisch im Brecht´schen Sinn.

    Bertolt Brecht abhandelte im GALILEI-Stück (1938/39; 1955) die allgemeine Verantwortungsproblematik von (Natur-) Forschern und Heinar Kipphardt im OPPENHEIMER-Stück später die von (Atom-) Physikern. Brecht wollte mit diesem m.E. allgemeingültigen Satz die Lüge bannen und Lügner aus dem Haus jagen:

    „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß, und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“ (Leben des Galilei [1938/39]. Neunte Szene; in: Gesammelte Werke 3 / Stücke 3, werkausgabe edition suhrkamp 1967: 1300; auch Berliner Letztfassung [1955]: große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe 1988, Band 5 / Stücke 5: 248/249)

    Im Übrigen halte ich Robert Jungks ATOMSTAAT (1977) für so aktuell, daß ich bei „die Nachgeborenen“ nur anregen kann, diesen kritischen Ansatz zum ATOM-INDUSTRIE-KOMPLEX forschungsempirisch wieder aufzunehmen und politisch zu erweitern.

    Dr. Richard Albrecht/0204311
    http://denken-lernen.net

  71. LeserIn Says:

    Titelblatt und Titelgeschichte des
    STERN Nr. 13, 24.03.2011

    waren wieder einmal auf dem Niveau der Hitler-Tagebücher:

    Das unglaubliche Volk

    Stolz, diszipliniert, leidensfähig, selbstlos – wie Kultur und Katastrophen die Mentalität der Japaner prägen

    In Wirklichkeit müsste es heißen

    Nationalistisch, unterwürfig, feige, völkisch – die Japaner

    Sehr bedeutende kulturelle und technische Leistungen von Individuen, die in Japan gelebt haben und leben, sollen nicht bestritten werden. Insgesamt ist die japanische Gesellschaft aber noch verschlossener als die deutsche. Japanische Koreaner-Witze sind noch öder als deutsche Juden-Witze. Der japanische Nationalismus, der bei den Eroberungskriegen in China rassistisch ausartete, ist unerträglich.

    In Japan wird es als Tugend gepriesen, wenn alle nach einer Pfeife tanzen. Nur kein Individualismus, nur keine Kritik! In gewisser Weise sind sehr viele Japaner an der Katastrophe in Fukuschima schuld.

    Letztlich ist eine Gesellschaft mit viel Individualität, viel Freiheit, besonders viel Meinungsfreiheit doch leistungsfähiger und sicherer, wofür allerdings die deutsche Gesellschaft auch kein hervorragendes Beispiel liefert.

  72. LeserIn Says:

    Auf dem Gelände der havarierten japanischen Atomanlage Fukushima 1 sind zwei junge Mitarbeiter der Betreiberfirma Tepco tot aufgefunden worden. … Den Angaben zufolge starben die 21 und 24 Jahre alten Angestellten am 11. März, als das Erdbeben und der Tsunami das Atomkraftwerk schwer beschädigten. Ihre Körper hätten zahlreiche äußere Wunden aufgewiesen. … Die Leichen waren bereits am 30. März gefunden worden, wie jetzt bekannt wurde. Die Leichen hätten erst dekontaminiert werden müssen …

    FOCUS 03.04.11

    Voraussichtlich wird es in Japan keine Strahlentoten, sondern nur bei Erdbeben und Tsunami Umgekommene geben.

    Das Abdichten des Lecks unter dem Reaktor 2 hat natürlich nicht geklappt.

  73. Richard Albrecht Says:

    Freilich kann man die Verstrahlung im Wasserfluß aussm AKW 2 – Leck nicht sehn (könnte sie auch nicht schmecken…), sehn kann man hier

    -> http://headlines.yahoo.co.jp/hl?a=20110403-00000005-jijp-soci.view-000

    daß und wie Wasser kräftig aussm Leck fließt nach dem Motto:

    WENN SCHON DENN SCHON & DENN MAN TAU …

  74. Richard Albrecht Says:

    Als P.S. möchte ich hier noch auf zwei argumentative Gratistexte zur „Sackgasse“ ATOM hinweisen:

    (1) Hermann Scheer, Brücke ins Nichts (Blätter für deutsche und internationale Politik, 55 [2010] 12: 55-65)

    http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2010/dezember/atomenergie-bruecke-ins-nichts

    (2) Reinhard Loske, Alles anders nach Fukushima? (ebenda, 56 [2011] 4: 5-7)

    http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2011/april/alles-anders-nach-fukushima

    Mit freundlichem Gruß

    Dr. Richard Albrecht
    http://eingreifendes-denken.net

  75. LeserIn Says:

    Nicht in Japan, sondern in Deutschland:

    Die nordrhein-westfälische Landesregierung vermisst dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ zufolge insgesamt 2285 Brennelementekugeln aus dem Forschungszentrum Jülich. … Der Atom-Experte der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Hans Christian Markert, sprach von einem erschreckenden Beispiel dafür, „wie lax mit radioaktiven Stoffen hier umgegangen wurde“. Nach seinen Berechnungen stecken in den verschwundenen Kugeln etwa 2,2 Kilogramm Uran 235 und 23 Kilogramm Thorium 232. Falls die Brennelemente benutzt …

    AFP 03.04.11

  76. LeserIn Says:

    Schon die Bewegungen des gewöhnlichen Wassers überfordern die menschliche Intelligenz:

    Versuche, den Abfluss verseuchten Wassers durch einen Riss ins Meer mit Hilfe chemischer Bindemittel zu stoppen, haben bislang keinen Erfolg gebracht. Der Betreiber Tepco will nun Barrieren errichten, um eine weitere Verseuchung des Meers zu verhindern. Zudem wurde weißes Färbemittel in das Wasser geleitet, um den genauen Verlauf von verseuchten Wasser in der Anlage festzustellen und weitere Lecks aufzufinden. Da das gefärbte Wasser jedoch nicht bei den Abflussausgängen ankam, werde befürchtet, dass das Wasser versickert …

    FOCUS 04.04.11

  77. LeserIn Says:

    Das Unternehmen (Tepco) will 11.500 Tonnen verseuchtes Wasser ins Meer leiten. Das Wasser sei nur schwach radioaktiv, betonte ein Tepco-Sprecher. Die Verstrahlung liege um das 100-Fache über dem gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert. Der Schritt sei nötig, um innerhalb der Anlage Platz für stärker belastetes Wasser zu schaffen.

    SPIEGEL 04.04.11

    „nur schwach radioaktiv“, das „100-fache über dem gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert“. 11,5 Millionen Liter. Die werden den Pazifik kaputt kriegen.

  78. LeserIn Says:

    Der Atom-GAU im japanischen Kernkraftwerk Fukushima hätte möglicherweise trotz des verheerenden Erdbebens verhindert werden können: Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) hat den Betreiber des Horror-AKW erstmals wegen unzureichender Vorsorgemaßnahmen kritisiert. … In seiner ersten Reaktion am 14. März hatte Amano noch kaum kontrollierbare Naturkräfte für den Unfall in Fukushima verantwortlich gemacht – und nicht etwa menschliches Versagen.

    BILD 05.04.11

    Es ist unwahrscheinlich, dass AKW-Betreiber sonstwo auf der Erde zuverlässiger sind als TEPCO.

  79. LeserIn Says:

    Aus den Ruinen des japanischen AKW Fukushima strömt weiter ungehindert verstrahltes Wasser in den Pazifik. Wo sich das Leck befinde, sei immer noch nicht klar, räumten die Atomaufsichtsbehörde und die Betreiberfirma Tepco am Dienstag ein. … Südlich des Unglücksreaktors wurden in kleinen Fischen erhöhte Cäsiumwerte gemessen. … Rund 60 Kilometer von den Unglücksreaktoren entfernt bearbeiten die Bauern währenddessen wieder ihre Felder. Die Angst ist groß, dass das, was sie hier ernten werden, verstrahlt sein wird und sich kein Käufer für die Ernte finden wird.

    FOCUS 05.04.11

    Es gibt unter Garantie etliche Löcher unter dem AKW. Fels besteht zum größten Teil aus Spalten.

  80. LeserIn Says:

    7,5-Millionen-mal ist neuer Rekord, und zwar heftig.

    Am Montag habe der Anteil von radioaktivem Jod 131 im Meerwasser unweit der Atom-Ruine den gesetzlichen Grenzwerten 7,5-Millionen-mal übertroffen, teilte Tepco mit.

    SPIEGEL 05.04.11

    Fische krepieren an Strahlenschäden genauso wie Menschen. Doch die letzteren interessiert nur, dass sie diese Fische nicht mehr auffressen können.

  81. LeserIn Says:

    Inhaltsreicher Artikel in der SZ vom 06.04.11

    Darin auch

    Die Injektion von Stickstoff soll auch die amerikanische Behörde für Nuklearsicherheit NRC vorgeschlagen haben, wie die New York Times am Mittwoch aus einem vertraulichen Bericht zitierte. Nishiyama bestritt allerdings, Japan habe eine Empfehlung befolgt.

    als ob man sich in einer solchen Situation Eitelkeit noch leisten könnte. Und

    Die mögliche Abdeckung der havarierten Anlagen mit Kunststoffplanen sei, so Edano, frühestens im September möglich. Bis dahin muss Japan mit dem Risiko neuer Freisetzung von Radioaktivität rechnen.

  82. LeserIn Says:

    Jetzt ist erstmals ein Dokument aufgetaucht, das zeigt, wie besorgt die NRC-Experten … sind. Wie die „New York Times“ berichtet, fürchtet die NRC (USA-Reaktorsicherheitskommission), dass an dem AKW viele Gefahren und Probleme noch längst nicht gebannt sind. Im Gegenteil: Immer mehr kommen hinzu.

    * die zunehmende Belastung der Reaktorsicherheitsbehälter, die mit radioaktivem Kühlwasser vollaufen. Dadurch werden sie während der Nachbeben, die das Gelände erschüttern, anfälliger für Risse.
    * Innerhalb der Sicherheits- und Reaktordruckbehälter kann es dem Gutachten zufolge weiterhin zu Explosionen kommen. Der Grund: Aus dem Meerwasser, das in die Reaktoren gepumpt wurde, wird Wasserstoff und Sauerstoff freigesetzt. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit für eine Explosion ist, darüber spekulieren die NRC-Experten laut „New York Times“ jedoch nicht. Deshalb hat Tepco am Mittwochabend damit begonnen, Stickstoff in das Gebäude von Reaktor 1 zuzuführen, um eine Wasserstoffexplosion zu verhindern.
    * Sowohl ein Nachbeben als auch neue Explosionen könnten, das fürchten die NRC-Experten, zu einem Bruch der Sicherheits- und Reaktordruckbehälter führen.

    SPIEGEL 06.04.11

  83. bloegi Says:

    Nur um klarzustellen, wie sehr Menschen jetzt schon auf Automaten angewiesen sind:

    Eingleisige Bahnstrecken, bei denen im Personenverkehr Zugbegegnungen stattfinden, sollen zukünftig mit Zugbeeinflussungssystemen ausgerüstet werden. Diese sollen Züge, die Haltesignale überfahren, automatisch stoppen. […] Der tragische Eisenbahnunfall am 29. Januar 2011 auf der Strecke Magdeburg-Halberstadt mit 10 Toten und 42 Verletzen habe deutlich gemacht, dass Sicherheit im Eisenbahnverkehr höchste Priorität besitze. Es müssten alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um die Risiken zu begrenzen

    Bundestag Pressemitteilung vom 6.4.2011

    Wer sich auf Menschen verlässt, stirbt früher.

  84. bloegi Says:

    Bei einem heftigen Nachbeben im Nordosten Japans ist ein weiteres Atomkraftwerk beschädigt worden. Aus den Abklingbecken dreier Reaktoren von Onagawa sei Wasser ausgetreten, teilte der Betreiber Tohoku Electric Power am Freitag mit. […] „Wir versuchen herauszufinden, wo die Lecks sind.“

    Reuters 8.4.2011

  85. LeserIn Says:

    Der AKW-Betreiber Tepco teilte nach Angaben des Fernsehsenders NHK mit, am Donnerstag seien nördlich von Fukushima Eins in Meerwasserproben 110 Becquerel des radioaktives Jods-131 pro Kubikzentimeter festgestellt worden. Diese Zahl liege 2800 Mal höher als der Grenzwert. Am selben Ort seien am Dienstag das 600-fache und am Mittwoch das 1000-fache des Grenzwertes registriert worden. Die Atomsicherheitsbehörde Nisa wies Tepco an, die Kontrollen zu verstärken, um eine mögliche Belastung des Pazifiks abzuklären.

    Eine Barriere aus Stahl soll nun eine weitere Verseuchung des Pazifiks mit radioaktiv-belastetem Wasser am havarierten AKW verhindern. Tepco begann laut der Nachrichtenagentur Kyodo damit, die Absperrung zu erreichten.

    Schweizer Tagesschau 09.04.11

    Nach meinen Informationen hat die Regierung der Volksrepublik China bei der Regierung Japans interveniert: Japan soll den Abfluss radioaktiver Materialien in den Pazifik stoppen.

  86. bloegi Says:

    In Tschernobyl sind angeblich 56 Leute an Radioaktivität gestorben.
    Interview mit dem Strahlenbiologen Alexej Jablokov über die Auswirkungen der Radioaktivität auf Organismen in Tschernobyl und Fukuschima:
    http://jungle-world.com/artikel/2011/14/42963.html
    Frösche sind nicht radiophob, erkranken aber trotzdem.

    In Japan hat man die Erdbeben und den Tsunami, denen man beliebig viele Tote zuschreiben kann.

    Ein Arbeiter aus der japanischen Atomruine Fukushima Eins ist ins Krankenhaus gebracht worden. Der Mann habe über Übelkeit geklagt, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

    Bild 10.4.2011

  87. LeserIn Says:

    Der Münchner Elektrokonzern Siemens hat nun einen Schlussstrich unter sein Atomengagement mit dem französischen Staatsunternehmen Areva gezogen. „Wir sind da raus. Der von einem Gutachter festgelegte Kaufpreis von 1,62 Milliarden Euro wurde an Siemens überwiesen. Im Gegenzug übertrug Siemens das Aktienpaket von 34 Prozent an Areva“, bestätigte ein Siemens-Sprecher „Welt Online“ den Ausstieg.

    WELT 10.04.11

    Es kann als gesichert gelten, dass das Siemens-Management nicht auf der Grundlage moralischer Bedenken gehandelt hat, sondern kalkuliert hat, dass sich das Geschäft mit der Kernenergie nicht mehr lohnt. Areva ist ein Staatskonzern und seine Aktien dümpeln ärger als die der Deutschen Telekom.

  88. LeserIn Says:

    Die Evakuierungszone solle wegen der hohen Strahlung auf 30 Kilometer vergrößert werden, berichtete die Zeitung Asahi am Montag. Innerhalb einer Woche sollen die Einwohner das Gebiet verlassen. Die Japan Times berichtet, dass die bisherige Evakuierungszone von 20 Kilometern komplett gesperrt werden soll. Den 70.000 betroffenen Menschen ist es dann nicht mehr gestattet, in den Trümmern ihrer Häuser nach Habseligkeiten zu suchen. Trotz eindringlicher Appelle hat Japans Regierung bislang eine Ausweitung der Evakuierungszone abgelehnt.

    SZ 11.04.11

    Die Erweiterung ist kaum anders zu erklären, als dass es schon eine Reihe von Strahlenerkrankungen gegeben hat und dass es schwieriger wird diese Erkrankungen geheim zu halten, je mehr es werden.

    Es gibt Berichte, nach denen am Reaktor 1 exorbitante Strahlenbelastungen vorgekommen sein sollen, 100 Sievert und mehr, was den Tod innerhalb von Minuten bewirkt. Doch sind die Quellen dieser Berichte nicht gut genug belegt.

  89. Richard Albrecht Says:

    Dr Brosa, Blögie, LeserIn & Rest der Netzwelt

    Hier´s „nur“´n Link auf´n Kürzesttext

    http://www.duckhome.de/tb/archives/9069-TALMIWIRTSCHAFT.html

  90. LeserIn Says:

    Das Beben der Stärke 6,3 ließ auch in der Hauptstadt Tokio Häuser wackeln.

    Zuvor hob Japan die Gefahr des Atomstörfalls im AKW auf die höchste Stufe an. Das gab die Atomaufsichtsbehörde in Tokio am Dienstag bekannt. Der Unfall hat damit jetzt die Einstufung 7, was bisher nur die schwere Tschernobyl-Katastrophe hatte.

    Das radioaktive Leck könnte jedoch die in Tschernobyl freigesetzte Menge noch übertreffen, berichtete Kyodo unter Berufung auf den Betreiber Tepco.

    Die Strahlung stamme überwiegend aus dem Reaktor 2, wo es am 15. März zu einer Explosion gekommen war, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

    FR 12.04.11

    Reaktor 2: Das ist der, dessen Gebäude wenig zerstört erscheint. Die Anhebung auf die Stufe 7 bedeutet zweierlei:
    1) das Geständnis der TEPCO, dass Reaktor 2 geplatzt ist.
    2) das Geständnis der japanischen Regierung, dass sie mit dem Unfall nicht fertig werden wird.

  91. Anli Says:

    Kaum zu glauben für wie blöd die uns halten. Gleich bei der ersten Explosion war mir klar, dass es sich hier um die größte Atomkatastrophe aller Zeiten handeln wird. Plutonium, Cäsium wurde nachgewiesen. Dies käme nur bei einer Kernschmelze vor. Die ist von Anfang am im Gange. Tepco versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Das nur aus wirtschaftlichen Gründen. Alle Atombeführworter gehören direkt erhängt. Das ist ein Verbrechen an die Natur und die Menschen. Schlimmer wie Hitler. Der war noch zu stoppen, jedoch Atom ist nicht zu stoppen. Wieviele riesige Landflächen sollen unbewohnbar werden für viele tausend Jahre? Weg vom Konsum zurück zur Vernunft und zurück zur Natur. Ich kann nur appelieren an das Volk umzudenken. Kinder sollen mit klötzen spielen und nicht mit 4 Jahren mit Nintendo etc. Die Natur entdecken solange sie es noch gibt… Japan gibt es bald nicht mehr… Wo lagern die ihren Atommüll? Wir der bald in Fässern hier an der Küste angeschwemmt? Es ist eine Sekunde vor zwölf.

  92. bloegi Says:

    zur Verwunderung vieler hält das Abpumpen der hoch radioaktiv verseuchten Wassermengen mit dem neu hinzugefügten Kühlwasser nicht mit. Der Wasserpegel in den Gebäuden und unterirdischen Tunneln steigt wieder an.

    Tagesschau 16.4.2011

    Wenn der Spiegel des radioaktiven Wassers über dem Grundwasser- und dem Meerwasser-Spiegel liegt, kann das zusätzliche Wasser nicht aus dem Boden oder dem Meer kommen. Dann muss es aus Abklingbecken oder geplatzten Reaktoren stammen, die nicht unter Kontrolle sind.

  93. LeserIn Says:

    Das havarierte AKW Fukushima in Japan soll in neun Monaten unter Kontrolle sein. In drei Monaten sollen die radioaktiven Strahlungswerte einen Abwärtstrend vorweisen. So ist es zumindest im Zeitplan vorgesehen, den sich der AKW-Betreiber Tepco zur Bewältigung der Krise gesetzt hat.

    Schweizer Fernsehen 17.04.11

    Mit anderen Worten: Mindestens drei weitere Monate soll Radioaktivität in beträchtlichen Mengen nach außen abgegeben werden.

  94. LeserIn Says:

    BILD 17.04.11 proudly presents:

    Fotos, die ein ferngesteuerter Hubschrauber (Drohne) von den Reaktorgebäuden am 16.04.11 gemacht hat. Aus dem Block 3 (den mit dem Plutonium) raucht es immer noch, während die Zerstörungen des Blocks 4 (den mit dem leeren Reaktor) zeigen, dass es mindestens eine Explosion im Abklingbecken gegeben haben muss – ein starkes Stück.

    Die Bilder findet man unten im Artikel. Das Video oben ist arm.

  95. bloegi Says:

    Ziemlich ahnungsloser Artikel im Spiegel vom 18.4.2001:

    Im havarierten Atomkraftwerk Fukushima I sind zum ersten Mal ferngesteuerte Roboter zum Einsatz gekommen. Die in den USA produzierten Maschinen, sogenannte PackBots, sind in die kritischen Reaktorblöcke 1 und 3 der AKW-Ruine vorgedrungen – und haben dort hohe Radioaktivität gemessen. […] Die gemessene Radioaktivität betrug 10 bis 49 Millisievert pro Stunde in Block 1 und 28 bis 57 Millisievert pro Stunde in Block 3. Das ist nach Angaben des Betreibers Tepco fast 6000-mal höher als im Normalbetrieb des Reaktors.

    Bemerkenswert sind nur die Zahlenwerte. Schlecht ist, dass nicht klar wird, wo die Roboter waren. Sie waren bestimmt nicht in den Reaktoren. Denn dort dürfte die Radioaktivität tausendfach höher als 50 Millisievert sein. Wahrscheinlich waren sie auch nicht in den Sicherheitsbehältern, den Containments. Vermutlich waren die Roboter nur in den Reaktorgebäuden, also dort, wo Arbeiter längst waren – tage- oder sogar wochenlang.

    Sehr bemerkenswert ist, dass nichts über die Arbeiter berichtet wird, die nach Verstrahlungen in Krankenhäuser eingeliefert wurden.

  96. WK Says:

    Eine Frage an den Experten: Kann man hoffen, dass der schlimmste Fall, dass die Kernschmelze aus dem Reaktor-Druckgefäß austritt endgültig vorüber ist? Der Unfall ist nun immerhin schon fünf Wochen her.

    • bloegi Says:

      Kernschmelze ist ein romantisches Wort. Die Frage ist, ob ein Reaktor schon geplatzt ist. Beim Reaktor 2 ist es mit Sicherheit längst geschehen und, ich befürchte, bei den Reaktoren 1 und 3 auch. Das Abklingbecken im Block 4 ist wegen unsachgemäßer Lagerung der Brennstäbe zum Reaktor geworden, allerdings zu einem von vornherein offenen.

      Dass dies nicht mehr zu leugnen war, gab den Grund den Unfall bei Fukuschima von 5 auf 7 hochzustufen.

      In den nächsten Monaten (hoffentlich nicht Jahren) wird es immer wieder mehr oder weniger kräftige Explosionen geben, bis hunderte Tonnen radioaktiven Materials in der Umwelt verteilt sind.

  97. Richard Albrecht Says:

    @ blögi

    Sie sagen es: „Kernschmelze“ soll verharmlosen. Kleinreden.

    Inzwischen gibt´s wenigstens in Tokyo Anti-AKW-Aktionen „von unten“. Spät kommse. Aber sie kommen.

    Besser gestern aktiv als heute radioaktiv geht nicht mehr. Aber BESSER HEUTE RATIOAKTIV ALS MORGEN RADIOAKTIV geht immer noch.

    Oder nicht?

  98. bloegi Says:

    Der Medien-Hype ist vorbei, obwohl die radioaktive Belastung zunimmt.

    Auf dem havarierten AKW Fukushima I arbeiten selbst ferngesteuerte Roboter unter erschwerten Bedingungen. Am Dienstag ist der Versuch gescheitert, sie weiter in Reaktor 2 vordringen zu lassen. Der Grund: Massenhaft Dampf wabert derzeit im Gebäude des Blocks. Die Kameras der Geräte seien beschlagen – und eine Orientierung dadurch erschwert. Tepco hat die Roboter nach eigenen Angaben deshalb vorsichtshalber zurückgelotst.
    […]
    Am Dienstag begannen die Arbeiter damit, das hochgradig mit radioaktiven Partikeln kontaminierte Wasser aus dem Turbinengebäude von Reaktor 2 zu pumpen. Tepco will so in den nächsten Wochen 10.000 Tonnen Wasser in eine Auffanganlage pumpen – aus dem Turbinengebäude von Reaktor 2 und einem damit verbundenen unterirdischen Tunnelschacht, der nahe am Meer liegt. […] Nach Schätzung von Tepco befinden sich in und um das Turbinengebäude 25 000 Tonnen Wasser, das teils mit mehr als 1000 Millisievert pro Stunde strahlt.

    Spiegel 19.4.2011

    25000 Tonnen und 1 Sievert pro Stunde. Sehr viel. Wenn das in Biblis wäre, müssten der Rhein und seine Ufer geräumt werden: Mainz, .., Köln, .., Düsseldorf .. bis runter nach Rotterdam.

  99. bloegi Says:

    Über dem alten Sarkophag in Tschernobyl soll ein neuer gebaut werden, der 1,6 Milliarden Euro kosten soll. Es gibt Leute, die den Bau des neuen Sarkophags für physikalisch unsinnig, für eine „Geldmaschine“ halten, weil der größte Teil des radioaktiven Materials am 16.4.1986 in die Umwelt geschleudert wurde und in der Reaktorruine wenig blieb:

    http://www.gfstrahlenschutz.de/docs/2tesarg.pdf

    Vielleicht überzeichnet diese Darstellung den wahren Sachverhalt, aber im Wesentlichen entspricht sie auch meinen Kenntnissen.

  100. Richard Albrecht Says:

    @ blögi

    Auch ich habe viel aus Ihren kritischen Sachstandsberichten und -kommentaren gelernt. Deshalb rege ich an, daß Sie, den Zeitpunkt bestimmen Sie selbst, in absehbar-überschaubarer Zeit Ihre Beiträge hier in Form eines wissenschaftspublizistischen Essays gebündelt zusammenfassen.

    Selbstverständlich steht Ihnen dazu http://www.duckhome.de zur Verfügung. Darüber hinaus kann ich auch versuchen, die Deckungsauflage einer ISBN-Broschüre zu organisieren.

    Mit freundlichem Gruß

    (Dr. Richard Albrecht)

    • bloegi Says:

      Firlefanz! Sehen Sie besser zu, wie Sie die deutsche Justiz derangieren und dieses System institutionalisierten Betrugs durch etwas ersetzen, was weniger schädlich ist. Wenn man die Schäden, die der AKW-Unfall in Fukuschima angerichtet hat und noch anrichten wird, mit dem vergleicht, was die deutsche Justiz jährlich tut, dürfte der AKW-Unfall als Bagatell-Schaden zu verbuchen sein.

      Weshalb sind in Deutschland etliche hochgradig gefährliche Nuklear-Projekte nicht realisiert worden? An den Gerichten lag es jedenfalls nicht. Die höchstrichterlich bestätigten Genehmigungen lagen stets vor. Die Projekte in Wackersdorf, Whyl, Kalkar usw. wurden fallen gelassen, weil sie den beteiligten Unternehmen zu teuer wurden. Jede halbwegs korrekte Buchhaltung ist mehr wert als das ganze deutsche Justizsystem.

  101. WK Says:

    Gerade heute höre ich, dass eine sog. Ethikkommission, die die deutsche Bundesregierung berät, entschieden hat, dass ein beschleunigter Ausstieg aus der zivilen Nutzung der Kernkraft nicht wünschenswert sei weil dadurch die Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze gefährdet würden.
    Und zugleich sehe ich auf youtube, dass die japanische Regierung die Bewohner von Tokio aufgefordert hat, nach Möglichkeit das Land zu verlassen. Die radioaktive Belastung steigt insbesondere beim Trinkwasser an, so dass geraten wird es nicht mehr zu benutzen. Weder zum Trinken noch zum Duschen.

    Da scheint noch einiges auf die Japaner zu zu kommen und auch ein Zusammenbruch der Wirtschaft ist nicht mehr vollkommen auszuschliessen. Dass Fukuschima als Bagatelle anzusehen ist kann ich mir da eigentlich nicht vorstellen, auch wenn die Schäden der Justiz immens sein mögen. Aber das was dort geschehen ist kann man höchstens noch durch einen Atomkrieg toppen.

    • bloegi Says:

      Absolut genommen ist der Unfall in Fukuschima keine Bagatelle. Doch relativ zu den Schäden, welche die deutsche Justiz anrichtet, sind die Folgen der Nuklear-Havarie in Japan überschaubar.

  102. LeserIn Says:

    Woher hat SPIEGEL ONLINE 21.04.11 seine Informationen? Zu blöd um Kindergarten-Rechenaufgaben zu lösen.

    Im Umgang mit den Folgen der Fukushima-Katastrophe greift das japanische Erziehungsministerium zu drastischen Methoden: Die Behörde hat die maximale Strahlendosis, der Kinder in Schule und Kindergarten ausgesetzt sein dürfen, auf 3,8 Mikrosievert pro Stunde festgesetzt. Nach SPIEGEL-Informationen kann sich dies auf das Jahr hochgerechnet bei acht Stunden Aufenthalt pro Tag im Freien auf rund 20 Millisievert aufsummieren – die Höchstdosis für einen deutschen Atomkraftwerksmitarbeiter.

    3.8 Mikrosievert pro Stunde *8 Stunden * 365 Tage = 11096 Mikrosievert pro Jahr. Also 11 Millisievert pro Jahr, was auch schon beträchtlich ist, aber deutlich weniger als 20 Millisievert pro Jahr.

  103. LeserIn Says:

    So sind sie, die Menschen. Erst wenn es knallt und stinkt, wachen sie auf:

    In der japanischen Hauptstadt Tokio haben mehrere tausend Menschen gegen die Atomkraft und für erneuerbare Energien demonstriert.
    Der Unmut richtete sich auch gegen die Firma Tepco, welche das schwer beschädigte AKW Fukushima betreibt. Unter den Demonstranten waren zahlreiche Jugendliche und Familien. Die Frage nach einem möglichen Ausstieg aus der Atomenergie ist in Japan bisher kaum öffentlich diskutiert worden. Mehrere Demonstranten erklärten, sie hätten vor dem Atomunfall nie über die Gefahren der Atomenergie nachgedacht.

    Schweizer Radio DRS 24.04.11

    Währenddessen hat die japanische Regierung die Regierung der Volksrepublik China im Genick:

    Ein japanischer Atomexperte hat heute in Beijing die chinesische Seite über den Unfall in Fukushima informiert. Dabei hat er die Gerücht, dass Japan Atomwaffen heimlich entwickelt, entschieden abgelehnt. … Anfang dieses Monats hatte ein berühmter japanischer Journalist einem sensationellen Verdacht Ausdruck verliehen. Laut Yoichi Shimatsu, Ex-Chefredakteur der Japan Times, soll ein geheimes Atomwaffenprogramm im AKW in Fukushima die Rettungsaktionen behindern. … Die Meinung von Shimatsu löst heftige Debatten im japanischen Internet aus. Aber die meisten Internetnutzer glauben ihm kein Wort und bezeichnen ihn als „Verschwörer“ und „Storymaker“.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang zu bemerken, dass die japanische Regierung soeben die 20-Kilometer-Zone um das Kraftwerk komplett mit Sicherheitskräften abgeriegelt und zur verbotenen Zone erklärt hat. Bei Zuwiderhandlungen drohen Japanern, insbesondere den einheimischen Flüchtlingen, hohe Bußgelder und sogar Freiheitsstrafen.

    german.china.org.cn 22.04.11

    Die Volksrepublik China hatte zuvor heftig dagegen protestiert, dass große Mengen radioaktiven Wasser in den pazifischen Ozean eingeleitet werden. Seitdem erklärt die japanische Regierung, Bassins und eine große Mauer würden um das AKW gebaut, um weitere radioaktive Flüsse zu verhindern.

  104. bloegi Says:

    Die Meldung ist nicht ganz frisch. Aber die Menge 10000 Tera-Bequerel wurde her nicht präsentiert: 1 Bequerel bedeutet 1 radioaktiver Zerfall pro Sekunde. 1 Tera-Bequerel bedeutet 1 Billion = 1 000 000 000 000 Zerfälle pro Sekunde. 10 000 Tera-Bequerel sind 10 000 000 000 000 000 Zerfälle pro Sekunde (pro Sekunde!). Nehmen wir an, das würde gleichmäßig auf alle Menschen verteilt, dann bekommt jeder Mensch 20 Millionen Zerfälle pro Sekunde ab. Und das für mehrere Stunden. Nehmen wir 10 Stunden an, dann müssen die 20 Millionen nochmals mit 36 000 multipliziert werden. Jeder Mensch ist Multi-Milliardär geworden.

    Kurzzeitig mehr als 10.000 Terabecquerel freigesetzt
    Jetzt, genau einen Monat nach dem Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011, die die Kühlung im japanischen Kraftwerk Fukushima Daiichi ausfallen ließen, gibt die japanische Atomaufsichtsbehörde erstmals auch offiziell zu, dass dort höhere Mengen an Radioaktivität ausgetreten sind. In den ersten Tagen nach Beginn der Havarie, so die Behörde, sei für mehrere Stunden die Grenze von 10.000 Terabecquerel überschritten worden. Diese Werte seien jetzt aber wieder gesunken. Wie weit, darüber herrscht allerdings noch immer Unklarheit.

    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-13269-2011-04-12.html

  105. LeserIn Says:

    Loch im Reaktor 1

    Die Atomaufsichtsbehörde Nisa erklärte, nach Reparaturen an den Messgeräten deute sich an, dass in Reaktor 1 teilweise geschmolzene Brennstäbe auf den Boden des Reaktordruckbehälters gefallen seien. Möglicherweise seien sie auch in den Sicherheitsbehälter gelangt. … Die extrem heißen Brennstäbe haben offenbar die Hülle eines Reaktors beschädigt. „Es muss ein großes Loch geben“, sagte ein Manager der Betreiberfirma Tokyo Electric Power (Tepco). Anders sei der anhaltend niedrige Wasserstand nicht zu erklären, schließlich werden täglich 150 Tonnen Kühlwasser hineingepumpt. Das Wasser sei vermutlich ausgelaufen.

    SPIEGEL 12.05.11

    Täglich werden 150 Kubikmeter in den Reaktor 1 gepumpt und täglich fließen 150 Kubikmeter heraus, dann allerdings stark radioaktiv.

  106. Schmölzen… « pn2011 Says:

    […] 13.05.2011: eine kompetent-kritische Begleitung der Ereignisse: U.Brosa […]

  107. WK Says:

    @blögi
    Von Ihnen als Experten hatte ich gehofft, eine Einschätzung zu erhalten, wie sich ein geschmolzener Reaktorkern verhalten wird. Immerhin handelt es sich nicht mehr um ein definiertes Gebilde sondern die verschiedenen Substanzen sind dort in unterschiedlichen Regionen in unterschiedlichen Anteilen vorhanden. Will sagen, die ehemaligen Steuerstäbe sind jetzt irgendwie darin verteilt. Gibt es aus den bereits geschehenen Katastrophen Erkenntnisse, wie sich diese Masse ich sags mal Laienhaft: radioaktiv verhalten wird. Das hat ja nichts mehr mit den durch die Konstrukteure vorgegebenen Struktur zu tun. Ist da die Kettenreaktion überhaupt noch berechenbar?

    Was mich auch verwundert hat: die unterschiedlichen Aussagen über die Vorgänge in Tschernobyl, die unterschiedlicher nicht sein können. Auf der einen Seite sagen Sie, da ist durch die Explosion das gesamte radioaktive Inventar rausgeflogen. Auf der anderen Seite lese ich, dass es geschmolzenes erstarrtes Kernmaterial dort geben soll, einen sog. Elephantenfuss. Da soll noch mindestens 80% des ursprünglichen Kernbrennstoffs noch drin sein. Ja was denn nun?

  108. LeserIn Says:

    Die Mengen an spaltbarem Material sind in Fukushima viel größer als in Cernobyl:

    Vorigen Dienstag etwa meldete die Atomüberwachungsbehörde Nisa, der Pegel im Reaktordruckbehälter von Block 1 sei um exakt 50 Millimeter gestiegen. … In Wahrheit liegt der Wasserstand drei Meter tiefer als gedacht – dies bedeutet, dass die Brennstäbe trocken lagen und nicht gekühlt wurden.

    Das ist eine der schlechtesten Nachrichten seit Beginn des japanischen Super-GAUs. Denn daraus ergibt sich: Große Teile der Brennstäbe in Block 1 sind zu einem Uranklumpen verschmolzen, der sich nun auf dem Boden des Reaktordruckbehälters befindet. Die Masse habe wahrscheinlich bereits zentimetergroße Löcher in Schweißnähte am Stahlboden gefressen, räumte ein Tepco-Sprecher ein.

    SPIEGEL 16.05.11

  109. bloegi Says:

    Wird jetzt als sensationell neue Nachricht verkauft:

    Bei der Atomkatastrophe im japanischen Kraftwerk Fukushima ist es nach Erkenntnissen der Betreiberfirma in drei Reaktoren zur Kernschmelze gekommen. Kurz nach dem Beben Anfang März habe es auch in den Reaktoren 2 und 3 „sehr wahrscheinlich“ eine Kernschmelze gegeben, teilte Tokyo Electric Power (Tepco) am Dienstag (24.05.2011) bei der Veröffentlichung neuer Messwerte mit.

    Bislang war nur von einer Kernschmelze in Reaktor 1 die Rede.

    Deutsche Welle 24.5.2011

    Dass es so sein muss, wurde hier schon am 23.3.2011 mit aller Deutlichkeit erklärt ausgehend von der Tatsache, dass die Reaktoren nicht von selbst abkühlten.

    Gegenwärtig beschönigt der AKW-Betreiber Tepco immer noch, die Reaktoren seien dicht oder fast dicht, während in Wahrheit das Kühlwasser in die Reaktoren einströmt, dort radioaktives Material löst und es schließlich nach außen transportiert. Im DW-Artikel heißt es dazu:

    Die Tanks, die radioaktives Wasser aus den Reaktoren aufnehmen, sind fast voll. Kraftwerksbetreiber Tepco erklärte, die Lager würden in drei Tagen kein weiteres Wasser mehr aufnehmen können. Ein System zur Wiederaufbereitung der derzeit mehr als 80.000 Tonnen Wasser ist noch nicht einsatzbereit.

    Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass ein beträchtlicher Teil des eingeleiteten Kühlwassers im Boden versickert und direkt oder indirekt in den Ozean fließt.

    Eine andere wichtige Desinformation betrifft die Leute, die verstrahlt in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Was ist aus denen geworden?

  110. LeserIn Says:

    Die Radioaktivität im Atomkraftwerk Fukushima steigt: Im Reaktorgehäuse von Block 1 wurden Werte bis zu 4000 Millisievert pro Stunde gemessen. Das ist die höchste bisher in der Luft gemessene Radioaktivität in dem zerstörten AKW … Aus einer Öffnung im Boden für ein Rohr, das durchs Gebäude führt, sei Dampf ausgetreten. Das Rohr selbst sei aber unbeschädigt. Der Dampf scheint aus dem Druckkessel zu kommen, wo sich Kühlwasser angesammelt haben soll.

    SPIEGEL 04.06.11

    Mit „Druckkessel“ meinen die Redakteure den eigentlichen Reaktor. Der ist also geplatzt. Kettenreaktionen finden nichtsdestoweniger immer noch statt. Denn sonst könnte das eingeleitete Kühlwasser nicht so erhitzt werden, dass es verdampft.

    4 Sievert sind tödlich.

  111. real exist. ÖTM™ « pn2011 Says:

    […] via Brosa-Kommentare (ich habe eine persönliche Relation zu ihm, U.B.) von […]

  112. LeserIn Says:

    Bei Bodenproben im japanischen Katastrophengebiet sind nun auch Spuren von radioaktivem Strontium entdeckt worden. Der Stoff kann Leukämie verursachen…. Der gefährliche Stoff sei an elf verschiedenen Standorten in der Provinz Fukushima gefunden worden, wo auch das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Eins steht …Nach Aussagen der Atomaufsichtsbehörde sei es aber unwahrscheinlich, dass das Strontium eine unmittelbare Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellt, meldete die Agentur Kyodo.

    FOCUS 09.06.2011

  113. LeserIn Says:

    Ein angebliches Kernkraft-Kaninchen erzeugt in Japan Panik. Das ohrenlose Tier sei am Rand der Strahlenschutz-Zone um Fukuschima geboren worden. Es wurde im Fernsehen vorgeführt und kann auf Youtube besichtigt werden:

    In der Folge kam es in Japan erstmalig zu größeren Anti-Kernkraft-Demonstrationen

    Drei Monate nach der verheerenden Katastrophe von Fukushima demonstrieren Tausende Japaner gegen Atomkraft. In dem ressourcenarmen Land galt Atomkraft bislang als alternativlos und unumstritten, doch die Stimmung in Japan scheint gekippt zu sein. Tausende Tokioter nahmen an einer Demonstration vor dem Hauptsitz des Kraftwerkbetreibers Tepco (Tokio Electric Power Company) teil und forderten Japans Atomausstieg … Die IAED (IAEA) indes erklärte, dass die Reaktorkatastrophe von Fukushima keinesfalls hinter Tschernobyl anzusiedeln ist, möglicherweise seien die Ausmaße noch weitaus schlimmer.

    MARKENPOST 12.06.11

  114. ricalb Says:

    @ Blögi; LeserIn

    Ein WDR-Hörfunk Fünf Wirtschaftsredakteur brachte vorn paar Tagen was sonst dort Ungesagtes in den Äther, die These der Fikushima Doppelkatastrophe: die erste die Multihavarie mit Atomkern- und Brennstäbeschmelze, Wasser/Boden/Luftvergiftung höchsten Ausmaßes – und die Nicht/Desinformation des „Betreibers“ genannten Atomprofitunternehmens Tokyo Electric Power Company TEPKO, die immer nur und verspätet das veröffentlichte, was kritische BeaobachterInnen wie Sie hier begründet vermuten konnten. Kein Vergleich mit „Tchernobyl“ Aoril 1996 – heraushörte iczh zwischen den Sätzen -: da informierten die Sowjetbehörden ziemlich schnell auch übers Ausmaß, während es in Japan bis heute eine weitgehend „stumme“ Regierung gibt … Soweit mal aus der Hörerinnerung …

    Richard Albrecht/130611
    http://ricalb.files.wordpress.com/2011/06/cv.pdf

  115. LeserIn Says:

    Areva hat die MOX-Brennelemente (mit Plutonium) für den Reaktor 3 in Fukushima I geliefert. Sarkozy hat ‚Atomic Anne‘, die Chefin von Areva, jetzt feuern lassen – aber nicht wegen Fukushima.

    Paris – Anne Lauvergeon, Frankreichs mächtigste Atommanagerin, verliert ihren Platz an der Spitze des weltgrößten Atomkonzerns Areva.

    Dass Staatschef Nicolas Sarkozy die 51-jährige Topmanagerin loswerden wollte, war in Paris zuletzt ein offenes Geheimnis. … Die Verzögerungen beim Bau des EPR-Druckwasserreaktors in Finnland und die Niederlage beim Kampf um einen Großauftrag aus Abu Dhabi hatten Lauvergeon in die Kritik gebracht.

    Sorgen um ihre Zukunft wird sich Lauvergeon wohl nicht machen müssen. Die Suche nach einem neuen Job dürfte der Französin leichtfallen – zumindest wenn sie in der Branche bleiben will. Zuletzt erwarb sie sich auch als Krisenmanagerin einen hervorragenden Ruf. Nach der Fukushima-Katastrophe bot Lauvergeon Hilfe an und reiste nach Japan.

    SPIEGEL 16.06.11

    „Krisenmanagerin … hervorragener Ruf“ wirklich? Was hat sie in Fukushima besser gemacht?

  116. bloegi Says:

    Weiterer Rückschlag in Fukushima

    Im Ringen um eine Stabilisierung des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima hat die Betreibergesellschaft Tepco einen weiteren Rückschlag erlitten. Schon wenige Stunden nach dem Beginn der Reinigung von hoch radioaktiv verseuchtem Wasser musste der Einsatz einer Wiederaufbereitungsanlage wegen eines Schadens abgebrochen werden. Als Grund für das technische Problem vermutet das Unternehmen, dass entweder Schmutz in die Wasserwiederaufbereitungsanlage
    eingedrungen sei oder dass das verstrahlte Wasser höhere Strahlenwerte aufweise als bisher gemessen. – Die mit französischer und US-Technologie gebaute Anlage soll die bis zu 100.000 Tonnen Wasser reinigen, die nach der Havarie im März zur Kühlung der Reaktoren eingesetzt wurden. Das aufbereitete Wasser soll anschließend wieder zur Kühlung verwendet werden. Erst dann können die langfristigen Reparaturen der Kühlsysteme beginnen.

    Deutsche Welle 18.6.2011

    Das Wasser, mit welchem gegenwärtig gekühlt wird, dringt in die geborstenen Reaktoren ein, gelangt dort an Brennstäbe, die zerstört sind, und spült die radioaktiven Spaltprodukte heraus. Keine Wiederaufbereitungsanlage macht aus dieser Brühe wieder halbwegs reines Wasser.

  117. LeserIn Says:

    In der Nähe des havarierten japanischen Atomkraftwerkes Fukushima sind wegen erhöhter Radioaktivität vier weitere Evakuierungszonen eingerichtet worden. Die Entscheidung betreffe 113 Haushalte in der Stadt Date rund 60 Kilometer nordwestlich des Atomkraftwerkes, teilten die Behörden mit.

    In den Bezirken Ryozenmachi, Kamioguni, Shimooguni und Tsukidatemachi überstieg die radioaktive Strahlung den von der Regierung festgelegten Grenzwert von 20 Millisievert pro Jahr.

    In der Nähe = 60 km Entfernung und das in Japan, wo Platz äußerst knapp ist.

    Eine japanische Bürgerorganisation und die französische Organisation zur Kontrolle der Radioaktivität im Westen (ACRO) stellten derweil die Untersuchungergebnisse aus Urinproben von zehn Kindern vor, die in der Stadt Fukushima, 62 Kilometer von dem AKW entfernt, leben.

    In allen Proben der Kinder zwischen sechs und 16 Jahren, die im Mai genommen wurden, fanden sich demnach kleine Mengen der radioaktiven Substanzen Cäsium 134 und Cäsium 137. Das Ergebnis der Untersuchungen spreche dafür, dass der von der Regierung festgelegte Strahlungsgrenzwert zur Festlegung der Evakuierungszonen zu groß sei, erklärte ACRO.

    WELT 30.06.11

    Weiterhin keine Nachrichten von Tepco-Arbeitern, die verstrahlt in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Angeblich gebe es wegen Fukushima keine Strahlentoten.

  118. LeserIn Says:

    Bemerkenswerte Bemerkungen über die Rolle der Presse in der Gesellschaft:

    Die Atomlobby hat den PR-Negativpreis „Verschlossene Auster“ vom Netzwerk Recherche verliehen bekommen – mindestens ein Jahr zu spät. Ein altes Vorurteil bestätigt sich: In der Journaille schwimmen die einzelnen Berufsvertreter viel zu sehr mit dem Strom.

    Lächerliche Siegerjustiz von Medien, die komischerweise schon wieder auf der Siegerseite stehen. Schön brav die Anzeigen der Energieriesen drucken, schwachsinnige Berechnungen über jährlich zweistellige Mehrbelastungen auf der uns allen heiligen Stromrechnung anstellen, und immer ganz genau bei Spiegel Online abschreiben, wo irgendein gelernter Kulturwissenschaftler Hetzreden über Photovoltaik absondert …

    http://www.textberater.com/viral-videos/nachtreten-kommt-immer-zu-spat/

    Wer Journalisten kennt, weiß: Sie sind keine Helden. Auch sie möchten möglichst immer auf der Seite der Sieger stehen. Daher multiplizieren sie auch die Pressemitteilungen der Gerichte vom Typ: „Und wieder hat der Bundesgerichtshof die Rechte der kleinen Leute gestärkt…“

  119. bloegi Says:

    Am havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima Eins hat der Betreiber Tepco die höchste Radioaktivität seit dem verheerenden Erdbeben im März gemessen. Mehr als zehn Sievert pro Stunde betrug die Strahlung am Boden eines Außenrohrs zwischen den Reaktoren 1 und 2

    FAZ 1.8.2011

    10 Sievert = 10000 Millisievert töten rasch. Hoffentlich wurde ein Mess-Roboter eingesetzt. Der bisherige Rekord lag bei 4 Sievert.

    Es ist bemerkenswert, dass die Strahlung außerhalb der Reaktoren gemessen wurde. Die Reaktoren sind offenbar nach wie vor aktiv und treiben immer wieder große Mengen Radioaktivität nach außen.

  120. LeserIn Says:

    An dem japanischen Katastrophenreaktor Fukushima sind an einer weiteren Stelle tödliche Strahlenwerte entdeckt worden. Der AKW-Betreiber Tokyo Electric Power (Tepco) teilte am Dienstag mit, auch in einem Lüftungsschacht seien mehr als zehn Sievert gemessen worden. Bereits am Vortag waren am Boden des Schachts ähnlich hohe Werte festgestellt worden…. Die tatsächlichen Werte könnten sogar noch deutlich höher liegen, weil die von Tepco eingesetzten Messgeräte nur eine Strahlung von bis zu zehn Sievert darstellen können.

    Berliner Morgenpost 03.08.11

  121. Tilman Says:

    Ich glaube dies ist genau so ein fake wie die Geschichte über den niedrigen IQ der MSIE Benutzer, aber es ist witzig:

    Weil ein schwedischer Mann in seiner Wohnung einen Atomreaktor bauen wollte, wurde er festgenommen und muss mit einer Geldstrafe rechnen

    • bloegi Says:

      Das ist ein Fake. Schon natürliches Uran ist schwer zu bekommen; U235 (das ist das Isotop, das induziert spaltet) kommt in natürlichen Uran nur in winzigen Mengen vor. Anreicherungsanlagen sind sehr aufwendig. Americium kommt natürlich überhaupt nicht vor. Er muss erbrütet werden. Es kann nur in Wiederaufarbeitungsanlagen chemisch rein dargestellt werden. Die gesamte Nuklear-Technologie kann nur von Staaten eingerichtet und aufrechterhalten werden.

      Echt war meines Wissen die Geschichte, dass ein junger Mann Antiquariate abgraste, um alte Uhren mit Leuchtziffern zu finden. Da ist Radium drin. Damit kann man etwas Radioaktivität unter die Leute bringen. Doch verglichen mit den Mengen, die in Fukuschima freigesetzt worde sind, ist es lächerlich wenig.

  122. LeserIn Says:

    Das Gebiet rund um die Atomruine Fukushima wird wohl noch auf lange Sicht unbewohnbar bleiben. … Eine Untersuchung der Regierung zeigte kürzlich, dass einige Gebiete in der 20-Kilometer-Sperrzone um das Atomkraftwerk eine Strahlung von mehr als 500 Millisievert pro Jahr aufwiesen. Das ist 25 Mal mehr als der jährliche Grenzwert.

    FOCUS 22.08.11

  123. LeserIn Says:

    Die USA haben hochangereichertes Uran exportiert. Davon sind zweieinhalb Tonnen verschwunden. Das reicht für mehrere hundert Atombomben.

    Das Government Accountability Office (GOA) – in etwa vergleichbar mit dem deutschen Bundesrechnungshof – listet darin penibel auf, welche Mengen an hochangereichertem Uran die USA bisher exportiert haben, und vor allem: wie viel davon die Amerikaner vermissen. … Damit bleiben unter dem Strich 2700 Kilogramm hochangereichertes Uran, deren Verbleib offenbar bestenfalls lückenhaft bekannt ist. Wo genau man sie vermutet, wird in dem GAO-Bericht nicht erwähnt. Wie das US-Magazin „Wired“ auf seiner Website berichtet, wurden diese Informationen als zu brisant eingestuft und dem Kongress in einem vertraulicher Bericht gemeldet.

    SPIEGEL 16.09.11

  124. LeserIn Says:

    Ergebnisse vom Norwegian Institute for Air Research (NIAR):

    Bei der nuklearen Katastrophe von Fukushima im März dieses Jahres wurde möglicherweise zweieinhalb Mal so viel radioaktives Edelgas Xenon-133 freigesetzt wie durch den Super-GAU von Tschernobyl.

    Vielleicht gab es auch in einem der beschädigten Blöcke eine „Rekritikalität“, das bedeutet, dass nach dem Ausfall der Kühlung wieder eine Kettenreaktion einsetzte, so dass weiteres Xenon-133 entstand.

    Laut der Studie wurden in Fukushima in den Monaten März und April knapp 36 PBq Cäsium-137 freigesetzt. Diese Menge entsprach zwar nur rund zwei Prozent des Inventars der Fukushima-Reaktoren 1-3 sowie des Abklingbeckens von Block 4 an dem strahlenden Metall. Dennoch erreicht die in die Luft entwichene Radioaktivität gut 42 Prozent des für Tschernobyl geschätzten Werts.

    Das wohl am meisten Aufsehen erregende Ergebnis der Studie ist indes der zeitliche Verlauf der Freisetzung von Xenon-133. … Die Forschergruppe fand jetzt aber „starke Hinweise“, dass die Freisetzung des strahlenden Edelgases vermutlich unmittelbar nach dem Erdbeben und der Notabschaltung der Reaktoren begann, die um 15 Uhr Ortszeit erfolgte – also lange vor dem Eintreffen des Tsunami.

    FOCUS 27.10.11

  125. bloegi Says:

    Immer wieder Kettenreaktionen

    In Reaktor 2 des japanischen AKW gebe es Anzeichen auf unkontrollierte Kernspaltung, teilte der Betreiber der Atomruine mit. […] Die Sorge über eine mögliche unkontrollierte Kernspaltung war durch das vermutete Auftreten der Gase Xenon 133 und Xenon 135 entstanden […] Beide Substanzen haben eine kurze Halbwertzeit, so das eine mögliche Kernspaltung kürzlich erfolgt sein müsste.

    Spiegel 1.11.2011

  126. WK Says:

    Wie der Spiegel meldet:
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,801294,00.html
    soll die Radioaktivität soweit abgeklungen sein, dass keine aktive Kühlung mehr notwendig ist.
    Wie glaubwürdig ist das?

  127. LeserIn Says:

    Die Radioaktivität aus Fukushima verteilt sich immer weiter.

    Erstmals seit der Atomkatastrophe in Fukushima ist in Japan laut einem Medienbericht radioaktives Cäsium in Milchpulver für Babys festgestellt worden. Nach Informationen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo wurde in einer Probe des Nahrungsmittelherstellers Meiji Cäsium von bis zu 30,8 Becquerel pro Kilogramm gefunden. … Betroffen seien rund 400.000 Dosen des Milchpulvers Meiji Step, hieß es.

    n-tv 06.12.11

    TEPCO hatte am Sonntag entdeckt, dass mindestens 45 Tonnen radioaktives Wasser aus einer Reinigungsapparatur ausgelaufen seien. Das Wasser sei durch eine gerissene Wand in eine Abflußrinne gelangt, die in den Pazifik führt. Erst nach 21 Stunden haben die Arbeiter die undichte Stelle entdeckt. Das Wasser enthalte radioaktives Cäsium und Strontium.

    stromtarife.de 06.12.11

  128. bloegi Says:

    Ein Anonymer hat mir diesen Link

    http://chernobylpictures.net/

    geschickt. Präsentiert wird eine Sammlung von Fotos, von denen zumindestens ein paar aus Tschjornobühl stammen. Ich habe Bedenken wegen der Anonymität des Kollektors; er ist keine erstklassige Quelle.

  129. LeserIn Says:

    Doch nicht „unter Kontrolle“

    In Reaktor 2 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima befinden sich nur noch 60 Zentimeter Kühlwasser … Arbeiter melden außerdem neue Lecks, aus denen verstrahltes Kühlwasser austritt. … Die Strahlungswerte in Reaktor 2 seien zehnmal so hoch wie eine tödliche Dosis…. Der niedrige Wasserstand sei vermutlich auf Lecks im Druckbehälter zurückzuführen, hieß es … Teile (des verstrahlen Wassers) seien der Mitteilung zufolge ins Meer geflossen.

    SPIEGEL 27.03.12

  130. bloegi Says:

    Das Forschungsunternehmen ASR hat ein Movie über die Ausbreitung der Radioaktivität von Fukuschima aus veröffentlicht.

    Danach ist die Radioaktivität hauptsächlich über den Stillen Ozean nach Osten transportiert worden. Die Mitte und der Norden Japans haben eine Menge abbekommen, der Rest Asiens, insbesondere Sibirien, Korea und China aber nicht.

  131. bloegi Says:

    Dass die Abklingbecken in Fukuschima fast noch gefährlicher sind als die Reaktoren, wurde schon oben angemerkt. In einem AKW sind die Mengen spaltbaren Materials unvergleichlich viel größer als in einer Atombombe. Wenn diese Mengen z.B. von einem Erdbeben zusammengerüttelt werden, können Explosionen geschehen, die sich niemand vorstellen mag.

    „Besondere Sorge“ bereite ihm aber nicht die Unordnung, sondern die gewaltigen Mengen an nuklearem Brennstoff, die in den Abklingbecken in den oberen Stockwerken der Reaktorgebäude lagern. … Mehrere Fachleute warnen davor, dass im Falle eines erneuten Erdbebens die Abklingbecken zerstört werden, das Kühlwasser ausläuft und die Brennelemente schmelzen. Im schlimmsten Fall könne es gar zu einer unkontrollierten Kettenreaktion kommen. … Allein im Abklingbecken von Reaktor 4 beträgt die Nachzerfallswärme derzeit rund 5,8 Megawatt

    Brennelemente im AKW Fukushima-Daiichi
    Gebäude Verbrauchte Elemente Neue Elemente gesamt
    Block 1 292 100 392
    Block 2 587 28 615
    Block 3 514 52 566
    Block 4 1331 204 1535
    Block 5 946 48 994
    Block 6 876 64 940
    Sammel-Abklingbecken 6375 0 6375
    Behälter-Lagerhalle 408 0 408
    Gesamt 11329 992 12321
    Quelle: Tepco, Stand: 23. April 2012

    SPIEGEL 03.05.12

    Dass ein Brennelement „verbraucht“ ist, bedeutet nicht, dass darin alle Uran-Kerne gespalten sind, sondern nur, dass schon so viele gespalten sind, dass sich der Verbleib des Brennelementes im Reaktor wirtschaftlich nicht mehr lohnt.

  132. LeserIn Says:

    Noch ein Fall von ‚Datenschutz‘:

    Die japanischen Behörden haben den Bürgern kurz nach dem AKW-Unfall von Fukushima wichtige Messdaten vorenthalten, berichtet ein Minister. Das habe dazu geführt, dass Menschen in ein Gebiet flohen, in dem die radioaktive Belastung besonders stark war. … Die Menschen dort waren der sonst für ein Jahr noch erlaubten Strahlendosis binnen acht Stunden ausgesetzt.

    SPIEGEL 19.06.12

  133. LeserIn Says:

    Im Meer vor Fukushima gefangene Fische weisen Rekordwerte radioaktiven Cäsiums auf.

    Bei zwei Grünlingen wurden 25.800 Becquerel Cäsium pro Kilogramm gemessen. Das gab der Akw-Betreiber TepCo laut japanischen Zeitungen vom Mittwoch bekannt.

    Zum Vergleich: 25 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl wurde in Bayern bei einem Wildschwein ein Spitzenwert von 4900 Becquerel Cäsium pro Kilogramm gemessen. Andere Schweine waren zwar deutlich weniger stark belastet, aber bei einem Viertel der untersuchten Tiere lag die Belastung mit Cäsium über dem deutschem Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm.

    WELT 222.08.12

    Wahrscheinlich sind die Grünlinge gerne gestorben – bei 25800 Becquerel/kg im eigenen Körper.

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