Volksgemeinschaft und Erbrechen im Amtsgericht Kirchhain

[Biologen und Tierrechtler hören nicht auf zu betonen, wie ähnlich die Schweine den Menschen sind. Wir sehen hier eine Volksgemeinschaft betrunkener Schweine. Erfahrene Landwirte gießen billigen Fusel literweise in die Tröge ihrer Säue – so zu sagen um den sozialen Zusammenhalt zu stärken.]

Bis heute ist mir unverständlich, wie ein Mensch mit auch nur ein wenig Verstand den Biedenkopfer Grenzgang gutheißen kann. Ein Grenzgang ist von der Anlage her ein Ritual der Fremdenfeindlichkeit, bei dem Fremde – heutzutage symbolisch – mit Peitschen vertrieben oder, wenn sie nicht schnell genug fliehen, aufgehängt werden. Der Fremde wird in Biedenkopf von einem schwarz Geschminkten dargestellt. Der Mohr spielt die Rolle des lächerlichen Scheusals. Edgar Krug, Direktor des Amtsgerichts Kirchhain, beschönigt diesen Aufmarsch, der sich unverblümt faschistisch gebärdet, als „traditionsreiches Volksfest“.

Als Krug mir als Richter unterkam, lehnte ich ihn ab. Bearbeitet wurde mein Befangenheitsantrag von Dr.Recknagel, nach meiner Information einer Richterin auf Probe. Die stellte sich selbstverständlich nicht gegen den Amtsgerichtsdirektor. Sehr merkwürdig ist jedoch, worauf Recknagel ihre Ablehnung meines Befangenheitsantrag stützte. Als moderne Juristin beherrscht sie die Computer-Technik insoweit, als sie Google und Cut&Paste kennt. So fand sie einen Text, der ihr passte:

… Tausende Bürger und Gäste verschmelzen zu einer großen fröhlichen Gemeinschaft. …

Das ist ein Volksgemeinschaftstext. Wer aber hat ihn verfasst? Dr.Recknagel tritt mit einem Doktor-Titel in Erscheinung. Ein Doktor-Titel wird – zumindest in den Naturwissenschaften – nur dem verliehen, der nachgewiesen hat, dass er wissenschaftlich arbeiten kann. Eine Minimalanforderung an wissenschaftliche Arbeit ist die Offenlegung der Quellen. Frau Dr.(?) Recknagel aber nennt den Autor ihres Textes nicht. Vielleicht können wir ihr helfen und jemanden finden, den sie wenigstens sinngemäß als Quelle zitieren kann.

Frage an die geneigten Leserinnen und Leser: Wer hat Folgendes geschrieben?

Der völkische Staat muß dabei von der Voraussetzung ausgehen, daß ein zwar wissenschaftlich wenig gebildeter, aber körperlich gesunder Mensch mit gutem, festem Charakter, erfüllt von Entschlußfreudigkeit und Willenskraft, für die Volksgemeinschaft wertvoller ist als ein geistreicher Schwächling. Ein Volk von Gelehrten wird, wenn diese dabei körperlich degenerierte, willensschwache und feige Pazifisten sind, den Himmel nicht zu erobern, ja nicht einmal auf dieser Erde sich das Dasein zu sichern vermögen. [1]

Dr.Recknagel, Edgar Krug etc. gehören zwar zu den wissenschaftlich wenig Gebildeten. Ob sie aber, erfüllt von Entschlussfreudigkeit und Willenskraft, letztlich obsiegen werden, müssen wir abwarten. Nächste Frage: Wer hat Folgendes geschrieben?

Vor unseren Plakaten stauten sich die Menschen, die größten Säle der Stadt waren immer gefüllt, und Zehntausende verführter Marxisten fanden den Weg zurück zu ihrer Volksgemeinschaft, um Kämpfer für ein kommendes, freies Deutsches Reich zu werden. [2]

Das ist wie in Biedenkopf. Das Festzelt ist immer gefüllt und alle grölen für Deutschland – unter schwarz-weiß-roter Fahne, versteht sich. Nur Marxisten, die hat es in Biedenkopf wohl nie gegeben. Wissen Sie noch nicht, von wem das Volksgemeinschaftsblabla ist? Noch ein Zitat:

Reich und arm, Stadt und Land, gebildete, wissende und unwissende, sie sind da. Aufgabe der Politik kann es nun nicht sein deshalb sie getrennt zu organisieren und sie niemals wieder zusammenkommen zu lassen, sondern Aufgabe der politischen Führung muss es sein diese willkürliche Trennung nun durch ein größeres Ideal, durch eine größere Erkenntnis zu überwinden. Und ich fasste damals den Entschluss es als einzelner Unbekannter zu wagen dieser Zerreißung den Krieg anzusagen und über diese Parteien hinweg das deutsche Volk eben doch wieder auf einer Ebene zusammenzufassen. [3]

Nun die Auflösung der Rätselfragen:

[1] A.Hitler: Mein Kampf, Zentralverlag der NSDAP, München, 851.-855. Auflage 1943, Band II, 2.Kapitel
[2] A.Hitler, ibidem, Band II, 7.Kapitel
[3] A.Hitler, Rede im Berliner Sportpalast 10. Februar 1933.

[Volksgemeinschaft knapp erklärt von und für Nazis]

So hat Richterin Dr.Recknagel einen Text zitiert, der von A.Hitler stammen könnte. Jedoch wäre es falsch zu behaupten, Hitler hätte den Schwachsinn mit der Volksgemeinschaft erfunden. Er war wie ein Korken, schwamm mit der stärksten Strömung und er schwamm oben. Es war falsch ihm die alleinige Schuld zu geben. Mindestens genauso schuldig waren die Volksgenossen und -innen, die die Strömung produzierten, auf der Hitler schwamm. Derartige Volksgenossen und -innen gibt es – zumindest in Hessen – immer noch massenweise.

[Tja, so geht es jedem, der sich in die Volksgemeinschaft nicht einfügen will.]

Im Deutschen Historischen Museum Berlin wird gegenwärtig eine Ausstellung gezeigt: Volksgemeinschaft und Verbrechen, in der zum ersten Mal von einer quasi deutsch-staatlichen Stelle zugegeben wird, dass das Dritte Reich nicht auf einen Einzigen reduziert werden kann, sondern das Werk von Millionen war.

Mir jedenfalls wird speiübel, wenn mir vorgehalten wird, ich solle mit den Süffels beim Grenzgang oder dem Personal des Amtsgerichts Kirchhain verschmelzen.

Ulrich Brosa

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8 Antworten to “Volksgemeinschaft und Erbrechen im Amtsgericht Kirchhain”

  1. MA pol D. Pavlovic Says:

    Der Topos „Volksgemeinschaft“ ist tatsächlich ein ganz zentraler Bestandteil rechtsextremistischer Ideologie wie ein Blick in die entsprechenden Lexikon Einträge „Rechtsextremismus“ und „Volksgemeinschaft“ offenbart.

    Insofern ist der Artikel „Volksgemeinschaft und Erbrechen im Amtsgericht Kirchhain“ ein Lehrstück angewandter Faschismuskritik, da korrekt recherchiert.

  2. bloegi Says:

    Das Oktoberfest in München mit seinen Massenbesäufnissen und dem massenhaften Mampfen tierischer Leichen produziert auch eine Volksgemeinschaft. Der Spiegel hat dazu eine eindrucksvolle Bilderserie publiziert:
    http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/2828/wie_hitler_das_oktoberfest_stahl.html
    Die Akzenturierung des begleitenden Texts ist aber nicht ganz richtig. Es war nicht Hitler, der das Oktoberfest stahl. Umgekehrt waren es das Oktoberfest und viele ähnliche Veranstaltungen, die das Dritte Reich möglich machten.

    Der Biedenkopfer Grenzgang ist dennoch ein paar Nummern ärger als das Oktoberfest. Das Oktoberfest war nicht von vornherein eine Schau der Fremdenfeindlichkeit. Peitschenschläger, die vorführen, wie Fremde vertrieben werden, und Peitschenschläger, die die Volksgenossen, welche ‚vom Wege abkommen‘, auf den ‚rechten Weg‘ zurücktreiben oder einen ‚Mohr‘, der weiße Frauen mit schwarzer Schuhcreme beschmiert, gibt es in München nicht.

  3. vaeternotruf Says:

    Am selben Abend brannte in Bad Hersfeld die erste jüdische Synagoge. In den Landkreisen Fulda und Melsungen, u. a. den Orten Baumbach, Eschwege, Fritzlar, Rotenburg an der Fulda, Witzenhausen, wurden fast alle jüdischen Wohnungen und Geschäfte demoliert.[16] Im Laufe des Abends und der Nacht wurden zahlreiche Juden misshandelt. In Felsberg gab es dabei das erste jüdische Todesopfer in Kurhessen.

    Am Nachmittag des 9. November wurden ab 15 Uhr die Synagoge und das jüdische Gemeindehaus in Dessau angezündet. Ab 19 Uhr begannen die Ausschreitungen in Chemnitz. Die Brandstiftungen betrafen allesamt nur Synagogen und Geschäfte, deren Brände die Nachbarhäuser nicht gefährden konnten. Nichtjüdische Häuser und Wohnungen blieben überall verschont.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Novemberpogrome_1938

    • bloegi Says:

      Es ist wohl nicht allgemein bekannt, dass die Reichspogromnacht des 9.11.1938 in Nordhessen schon am 8.11.1938 begann. Nicht die NS-Reichsführung hat die Reichspogromnacht initiiert, sondern es waren die NordhessInnen. Wie oft zuvor sprangen Hitler und Goebbels auf den anfahrenden Zug und gebärdeten sich als Lokomotivführer.

      Ein erstklassiges Geschichtsbuch ist das von H.Bambey, A.Biskamp, B.Lindenthal u.a.: Heimatvertriebene Nachbarn – Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain, ISBN 3 – 924 296 – 07- 3. Derjenige, welcher die deutlichsten Kapitel beigetragen hat, B.Lindenthal, ist natürlich ein Fremder.

      Der damalige Kreis Ziegenhain heißt heute im Wesentlichen Schwalm-Eder, Hauptstadt Schwalmstadt, dabei als Ortsteil Treysa. Das ist dort, wo der Staatsanwalt Zmyj-Köbel gegenwärtig als Kommunalpolitiker sein Unwesen treibt.
      https://bloegi.wordpress.com/2008/07/22/totschlager-aus-dem-herrschaftsgebiets-des-staatsanwalts-zmyj-kobel/

  4. bloegi Says:

    Wüster Schwulst auf einer Doberlug-Kirchhainer Heimatseite:

    Privilegierte Schützengilde 1718 Kirchhain e.V.
    […]
    In der Nachkriegszeit hat die Schützengilde ihre Tradition und ihren vaterländischen Geist trotz aller Schwierigkeiten bewahrt. Die Schützenfeste unserer Heimatstadt waren in der Wahrung heimatlichen Brauchtums stets der Ausdruck bester Volksgemeinschaft.

    http://www.doberlug-kirchhain.de/verzeichnis/visitenkarte.php?mandat=51748

    Man müsste einmal nachsehen, ob das angebliche Gründungsjahr „1718“ stimmt. Wird der Verein vom Verfassungsschutz beobachtet?

  5. Justiz im Nationalsozialismus – Komplizin der Vernichtungspolitik « bloegi Says:

    […] bedeutet aber Asozialer etwas Anderes als Polizeibeamter.) Ich erinnere hier an den Fall der Richterin Dr.Recknagel und des Amtsgerichtsdirektors Krug im Amtsgericht Kirchhain, die hemmungslos gewisse Großaufmärsche betrunkener Rassisten beschönigen, eben weil die […]

  6. Rassismus in Hessen als lustiges Volksfest « bloegi Says:

    […] auspeitschen Volksgemeinschaft und Erbrechen Komplizin der Vernichtungspolitik Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post […]

  7. Galgen-Kult in Biedenkopf – DAS GRAUEN « bloegi Says:

    […] ich “vorbeigetrieben” schreibe, meine ich das. Wer sich in Biedenkopf nicht aus der Volksgemeinschaft ausgrenzen will, muss am Grenzgang teilnehmen, und wer an dem Festzug teilnimmt, darf vom […]

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