Stolz auf Opa


[Der jüdische Friedhof in Wetter bei Marburg]

Jüdische Friedhöfe schänden wird von Jugendlichen im ländlichen Hessen als eine Art Volkssport betrieben. Zur Reichspogromnacht am 9.11.2008 war einmal mehr der Friedhof in Wetter dran.

Die Tat erregte Aufsehen, weil kurz zuvor BürgerInnen der USA den Friedhof aufgesucht hatten, und sie kam beiläufig raus, als die Wohnung eines bekannten Neonazis nach Waffen durchsucht wurde. In Wetter ging es damals hoch her: Etwa vierzig Verkehrschilder waren mit SS-Runen, Rudolf-Heß-Bildern und W wie Widerstand besprüht und die Schule war mit rechtsextremen Plakaten beklebt worden. Die 2. Machtergreifung stand kurz bevor. Darüber hätte sich hier niemand groß aufgeregt. Aber die BesucherInnen aus den USA…!

Womöglich ist dieser Neonazi nicht prominent genug. Sein Großvater jedoch ist es. Herbert Gellert, Jahrgang 1926, war 1940 schon alt genug um die Judenvertreibungen aus den heimischen Dörfern bei vollem Bewusstsein mitzuerleben:

Der zweite Weltkrieg hatte verhindert, dass er seinen jugendlichen Berufswunsch, Pfarrer zu werden, auch verwirklichen konnte. Nach Arbeitsdienst und Kampfeinsatz bei der Luftwaffe trat er 1946 in die hessische Polizei ein und versah nach der Ausbildung den größten Teil seiner Dienstzeit in Marburg, wo er es schließlich bis zum Leiter der Polizeistation Cappel brachte.

Herbert Gellert war einer der höchsten Polizeibeamten im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die GdP (Gewerkschaft der Polizei) ist des Lobes voll über ihn (POLIZEIREPORT Nr.100 Juni 2009 Seite 11).

Die Beziehung zwischen Polizei-Opa und Neonazi-Enkel wurde bekannt, als der Enkel bei der Gerichtsverhandlung (54 Ds 1 Js 9936/08 AG Marburg) am 12.3.2009 seines Opas gefühlvoll gedachte. NS-Arbeitsdienst, Kampfeinsatz bei der NS-Luftwaffe und schon 1946 bei der Polizei, das lässt jeden hessischen Enkel stolz auf Opa sein.

Apropos: Bürgermeister in Wetter ist Polizeisprecher Kai-Uwe Spanka, der zwar sein polizeiliches Amt nicht mehr ausübt, seit er Dorfschulze wurde. Doch ein Bürgermeister aus den Reihen der hessischen Polizei garantiert natürlich Sicherheit.

Ulrich Brosa

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13 Antworten to “Stolz auf Opa”

  1. bloegi Says:

    Wetter feiert auch einen Grenzgang

    Mit einem dreifachen „Wetteranus est“ schickt Bürgermeister Kai-Uwe Spanka die Wetteraner zurück ins „normale“ Leben und begräbt das Grenzegangfest 2008 am Dienstag, den 12. August auf dem Marktplatz unter Mitwirkung von mehreren hundert Wetteranerinnen und Wetteranern.

    Nach dem Fest ist vor dem Fest; auf Wiedersehen beim Grenzegang 2015!!!

    Quelle: http://www.wetter-hessen.de

    Grenzgänge signalisieren immer die völkische Ausrichtung der Bevölkerung.

  2. R. Meier Says:

    Welche Drogen werden denn in diesem Landkreis genommen! Frösche machen, was sie wollen. Staatsbedienstete feiern den Faschismus. Kein Wunder, wenn keine Ausländer mehr sich im Kreis aufhalten, dann nimmt die Angst vor dem Fremden zu, weil es zu fremd ist. Dann stört das, wenn ein Anders-Aussehender mit anderer Hautfarbe plötzlich vor denen steht. Das ist das Gefährlichste einfach loszuschlagen, denn man verschließt seine Augen, vor denen, die man nicht kennt. Das ist zu einfach, als zuzuhören.

    Der geschändete Friedhof ist ein Zeichen von höchster Ignoranz und Hass. Wo liegt in diesen Schändern Moral, Ethik und Sozialität. Sie sind nicht vorhanden. Es werden an wehrlosen Grabsteinen angestaute Wut ausgelassen. Wäre es nicht besser bei solcher Kraft, diese im Beruf zu nutzen, anstatt einen jüdischen Friedhof zu schändigen?

  3. bloegi Says:

    R.Meier schrieb:

    Welche Drogen werden denn in diesem Landkreis genommen

    Im Prinzip alle. Neonazis bevorzugen Alkohol, weil der bei ihnen als männlich gilt.

    Was das Randalieren auf jüdischen Friedhöfen angeht: Das gilt hier als nahezu risikoloser Volkssport. Besonders heftig betroffen ist der Friedhof in Momberg bei Neustadt. Derartige Randalen werden in den heimischen Medien selten gemeldet und noch seltener werden die Täter entdeckt.

  4. R. Meier Says:

    Ich glaube nicht, dass die Täter von allein drauf kamen im betrunkenen Zustand die Grabsteine umzustoßen. Ich glaube keinen Anteil des polizeilichen Presseportals aus Marburg.

    Die Antwort lautet Die Eltern und verwandten müssen ihrem Nachwuchs falsche Dinge wie z.B. den Faschismus beigebracht haben.

    Der Satanismus zieht jede Droge vor. Satanismus, KKK und Nazismus ist die perfekte Mischung dort in Marburg: Sorgt garantiert für Spannungen in Europäischen Gerichtshöfen.

    Unsere Nachbarn die Franzosen ziehen gern Austauschprogramme in die Nähe von Wetzlar und Marburg vor, weil man endlich mal Nazisten und Hitlergruß auslachen sowie verhauen darf. Hörte von einem Freund aus Wetzlar davon, wie ein Französischer Austauschschüler immer wieder den Hitlergruß zeigte auf seiner Schule. In seiner Schule rieten die Lehrer allen Schülern ab in Burschenschaften einzutreten und klärten auf.

    Was lernen wir daraus? Marburg denkt nur in den Grenzen ihres Kreises und nicht international, welche Kreise diese Ideologie und Scherze das in der restlichen EU hervorruft.

  5. LeserIn Says:

    BILD 14.05.10 titelt:

    Fünf Fälle von Schändungen jüdischer Friedhöfe in Hessen

    … Bundesweit wurden demnach 38 Fälle gemeldet, von denen 35 Rechtsextremen zuzuordnen seien. Die meisten Schändungen gab es mit acht Taten in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Niedersachsen (7), Hessen und Baden-Württemberg (je 5), wie das Ministerium dem Bericht zufolge auf eine Anfrage der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) antwortete. …

    Das Original ist vom Tagesspiegel 14.05.10

    … In Deutschland wurde im vergangenen Jahr im Durchschnitt alle zehn Tage ein jüdischer Friedhof geschändet. … In Nordrhein-Westfalen wurden mit acht Fällen die meisten Schändungen jüdischer Friedhöfe festgestellt. Es folgen Niedersachsen (sieben), Hessen und Baden- Württemberg (je fünf). In Berlin registrierte die Polizei einen Angriff, in Brandenburg drei. Hier konnte die Polizei zwei Fälle aufklären, dies gelang auch je einmal in Hessen und Thüringen. In den anderen 34 Fällen war es bislang nicht möglich, den oder die Täter zu ermitteln. …

    Seit dem Jahr 2000 haben die Behörden insgesamt 509 Angriffe auf jüdische Friedhöfe registriert. Dies ergibt sich aus der Summe der Zahlen, die das Ministerium auf Anfragen von [Petra] Pau genannt hat. Am härtesten traf es Niedersachsen mit 87 Angriffen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (81), Baden-Württemberg (66) und Hessen (60). Nur in 75 Fällen konnte die Polizei Täter feststellen. …

    Gibt es wirklich mehr Neonazis in den neuen Bundesländern als in den alten? Es sieht nicht so aus.

    Die wirklichen Zahlen sind wahrscheinlich größer. Denn längst nicht alle Randalen auf jüdischen Friedhöfen werden gemeldet.

    • bloegi Says:

      Man muss die Zahlen in Verhältnis zu den Bevölkerungszahlen setzen:

      Niedersachsen: 7,9 Millionen Einwohner. Daraus folgt
      87/7,9=11,9

      Nordrhein-Westfalen: 17,9 Millionen Einwohner. Daraus folgt
      81/17,9=4,5

      Baden-Württemberg: 10,7 Millionen Einwohner. Daraus folgt
      66/10,7=6,2

      Hessen: 6,0 Millionen Einwohner. Daraus folgt
      60/6,0=10,0

      Also erstens Niedersachsen, zweitens Hessen. Die Länder unterscheiden sich nicht sehr. Nordhessen geht zwischen Kassel und Göttingen stetig in Niedersachsen über.

      Erstaunlich ist, dass Bayern in der Liste nicht vorkommt. Der Grund dürfte in der totalen behördlichen Vertuschung, wie sie in Bayern üblich ist, zu finden sein.

  6. LeserIn Says:

    Immer wieder der gleiche Schwachsinn:

    Unbekannte haben am frühen Morgen einen Brandanschlag auf die Begräbnishalle des Neuen Jüdischen Friedhofs in Dresden verübt. … Der Schwelbrand wurde von einer Radfahrerin entdeckt, der Brand konnte rasch gelöscht werden.

    Stern 29.08.10

  7. LeserIn Says:

    Mal wieder!

    Weimar Roth
    Am Dienstag, 10. Januar, gegen 18.40 Uhr erhielt die Polizei Marburg die Mitteilung über die Schändung des alten jüdischen Friedhofs in der Gemarkung Geiersberg. Unbekannte hatten vier Grabsteine umgeworfen und 16 weitere mit lila Farbe beschmiert. In einem Fall hinterließen die Täter ein Hakenkreuz, in allen anderen normale Kreuze. Die Tatzeit ist nicht genau bekannt, sie liegt aber vermutlich innerhalb der letzten Tage.

    presseportal.de/polizeipresse 11.02.12

    Weimar-Roth ist ein Dorf etwa 10 km südlich von Marburg.

    In der westdeutschen Provinz ist Neonazi-Randale auf jüdischen Friedhöfen nicht alltäglich, sondern allwöchentlich:

    Über 500 Angriffe auf jüdische Friedhöfe in letzten zehn Jahren

  8. LeserIn Says:

    Weimar ist eine Ortschaft ca.10 km südlich von Marburg

    Marburg 13.1.2012 (pm/red) Anfang der Woche ist entdeckt worden, dass der jüdische Friedhof in Weimar-Roth geschändet wurde. Viele Grabsteine wurden umgeworfen oder mit Farbe beschmiert, eins davon mit einem Hakenkereuz. Polizeiliche Ermittlungen haben bisher zu keinem Ergebnis geführt.

    das marburger 13.01.12

    Noch immer sind die Täter nicht gefasst, die in Roth, Reimershausen und im Kreis Gießen mehrere Friedhöfe geschändet haben.

    Oberhessische Presse 12.04.12

  9. Des Franosches zappelnde Füße und die Gedenktafel « bloegi Says:

    […] Die Landser-Hefte waren Ende der fünfziger Jahre ähnlich einflussreich wie die BILD-Zeitung. Dieses Schriftgut bewerkstelligte die mentale Wiederbewaffnung der BRD und ist im ländlichen Hessen immer noch Lieblingslektüre der Neonazis, vergleiche z.B. den “Tristan” im Jugendklub Langenstein. Das neonazistische Zupf- und Trommel-Orchester “Landser” ließ sich durch die Landser-Hefte inspirieren. Auch die Stimmung gegen die Ausstellung “Verbrechen der Wehrmacht” wurde hauptsächlich von Landser-Fans gemacht: “Mein Opa war anständig”. […]

  10. LeserIn Says:

    Die jüdische Gemeinde Berlins ist weltberühmt. Sogar viele Israelis wollen nach Berlin.

    Wüster Tumult in Berlin
    Schlägerei im Parlament der Jüdischen Gemeinde

    In einer Sitzungspause des Parlaments der Jüdischen Gemeinde gingen am Donnerstagabend einige Gemeindemitglieder sowie Mitglieder der Regierungspartei um den Vorsitzenden Gideon Joffe auf die Opposition los und würgten einige Repräsentanten. Diese verteidigten sich. Es fielen Sätze wie „Fick Dich, Du Arschloch“. Tische wurden aufeinander geschubst, immer mehr Gemeindemitglieder stürmten nach vorne in die Sitzungsrunde.

    Als einer der Repräsentanten anfing, den Tumult mit dem Handy zu filmen, nahm ihm der Gemeindevorsitzende kurzerhand das Handy ab und löschte die Dateien. Die von einer Repräsentantin gerufene Polizei beendete die Auseinandersetzungen ….

    Tagesspiegel 24.05.13

    Da ist grundsätzlich nichts Besonders bei. Das ist die berühmte jüdische Streitkultur. Doch so viel Aktion bekommt man nur in Berlin geboten.

  11. LeserIn Says:

    Was tut der hessische Landjugendliche, wenn er mal keinen jüdischen Friedhof zum Schänden hat? Er überfällt Asylsuchende und zwar dann, wenn diese schlafen.

    Nach dem Überfall auf eine Flüchtlingsunterkunft im mittelhessischen Wohratal (Landkreis Marburg-Biedenkopf) in der Nacht zu Sonntag, haben vier junge Männer die Tat gestanden. Wie die Polizei am Montag mitteilte, seien die 18- und 19-Jährigen bereits am Sonntag vorläufig festgenommen und vernommen worden, „dank der vielfältigen Unterstützung und Mithilfe der Wohrataler Bürgerinnen und Bürger“.

    Die vier Auszubildenden waren am frühen Sonntagmorgen in die von rund 50 Menschen bewohnte Unterkunft im Ortsteil Wohra eingebrochen, hatten die Jalousien demoliert und im Hausinneren mehrere Türen eingetreten. Verängstigte Bewohner des Hauses alarmierten gegen 4.35 Uhr die Polizei.

    Laut Polizeisprecher Martin Ahlich kommen zwei der Täter aus Wohra, die anderen beiden stammen aus dem Nachbarort Kirchhain. Nach anfänglicher Leugnung der Tat hätten sie wegen eindeutiger Beweise gestanden. Alle vier hätten jedoch abgestritten, „rechtsradikal, rechtsextremistisch oder ausländerfeindlich“ zu sein. Vielmehr hätten laut ihrer Aussage Alkoholgenuss und ihre „auf persönlichen Erlebnissen basierende gegenwärtige emotionale Stimmung“ zu der Tat geführt, sagte Ahlich. Vor dem Vorfall in Wohra habe es keine Kenntnisse über rechte Aktivitäten der Tatverdächtigen oder eine rechte Szene am Ort gegeben.

    Frankfurter Rundschau 13.12.14

    Die letzten Sätze sind typisch für Hessen: „Alle vier hätten jedoch abgestritten, rechtsradikal, rechtsextremistisch oder ausländerfeindlich“ zu sein.“ und „Vor dem Vorfall in Wohra habe es keine Kenntnisse über rechte Aktivitäten der Tatverdächtigen oder eine rechte Szene am Ort gegeben.“ Gelogen wird, auch wenn die Balken sich biegen.

    Wohra, Kirchhain und Amöneburg liegen dicht beieinander, ca. zehn km Abstand.

  12. LeserIn Says:

    Neues vom Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière

    Bei der vom Bundesinnenministerium veranlassten Prüfung der umstrittenen Statistiken der Polizei zu Todesopfern rechter Gewalt seit der Wiedervereinigung werden nun überraschende Details bekannt. So liegt die Zahl der zu untersuchenden Fälle, die Ostdeutschland betreffen, weit unter denen des Westens – obwohl die Polizei aus den fünf neuen Ländern regelmäßig einen überproportional hohen Anteil rechtsextremer Gewalttaten meldet. Doch von den zur Prüfung vorliegenden 628 versuchten und vollendeten Tötungsdelikten mit einem möglichen rechten Hintergrund sind nur 43 aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

    Bei den 628 Fällen handelt es sich um Verbrechen, zu denen die Polizei bislang keine Täter ermitteln konnte. Es sind 301 vollendete Tötungsdelikte sowie 327 versuchte.

    Auffällig ist auch, dass Sachsen-Anhalt mit 29 Fällen deutlich stärker betroffen ist als die anderen neuen Länder. Bei Thüringen und Sachsen sind es nur je zwei, bei Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern jeweils fünf. Zum Vergleich: mit 209 vollendeten und versuchten Tötungsdelikten führt Baden-Württemberg die Liste der westdeutschen Länder an. Berlin liegt mit 69 Fällen in der Mitte.

    Tagesspiegel 26.01.14

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