Spatz beleidigt Polizeibeamten

Prozessbericht von Susanne Buchmann aus dem Kriminalgericht Berlin-Tiergarten:

Sternlein wichtiger als (legale) Verbrechen.

Am 6.3. des Jahres 2007 wurde

der Arzt und ehemalige Bezirksamtsleiter von Berlin-Steglitz, Johannes Spatz, zu stolzen 15 Tagessätzen Knast wahlweise Abzocke von über 1000 Euro verdonnert. Und das kam so:

Der Verband der Zigaretten-Industrie, der sich erst aufgelöst hat und jetzt anders heißt, veranstaltete am 28.3. 06 ab 18 Uhr eine „festliche“ Mief-Qualmerei, zu der viele Lobbyisten- und andere Schwachstromfuzzis geladen waren.

Genauso geladen war aber auch Dr. Johannes Spatz sowie vier Mitglieder des Forum rauchfrei, denn wie viele Andere, die sich aber nichts zu tun trauen, haben sie etwas gegen jenen stinkenden, giftigen und Tropenwald vernichtenden Tabak-Mief, mit dem der Staat sich traditionell geldlich auszupolstern pflegt.

Nun hatten Dr. Spatz und seine Mitstreiter- einer über achtzig und schwerst gehbehindert, ihre Flugblatt-Verteil-Aktion ordnungsgemäß angemeldet und waren deshalb mit Polizei-Begleitung beglückt worden.

Diese Polizeibegleitung aber hatte nichts Besseres zu tun, als die Teilnehmer der friedlichen Kundgebung wie Hooligans einzukesseln, um sie möglichst weit von der festlichen Mief-Qualmerei fernzuhalten, am besten so weit, dass sie mit ihren Flugblättern gar nicht mehr zu sehen waren.

Als im Zuge dieser Verdrängungstaktik ein Ordnungshüter sich den schwerst Gehbehinderten vornahm, um ihn von dem Geländer wegzuschubsen, an dem er sich festhielt, platzte Herrn Dr. Spatz, der sonst seine Worte wohl zu wägen weiß, der Kragen, und er wünschte den Einsatzleiter zu sprechen.

Und jetzt kommt’s: Der Demonstrationsteilnehmer am Geländer, dem solches widerfuhr, ist inzwischen gestorben, aber darum ging es in dem sehr langatmigen zweitägigen Prozess überhaupt nicht: Nein, Herr Spatz machte dem Schubser gegenüber die folgenschwere Bemerkung: „Sie haben zu wenig Sterne an der Mütze“ .

Ersparen will ich dem Leser das Herumgeeiere um die Frage, wo ein Polizist seine Sterne hat, ob am Ärmel oder an der Mütze, obwohl dies während des Prozesses ausführlich diskutiert wurde, und zwar am zweiten Verhandlungstag, vier Wochen nach dem ersten, an dem die Richterin noch einen ganz vernünftigen Eindruck zu machen schien.

Am zweiten Tag aber, wo auch der Schubser und die Einsatzleiterin als Zeugen vernommen wurden, war ihr wohl irgendetwas nicht gut bekommen, denn sie kriegte eine Krise, als sie einen Prozessbeobachter beim Mitschreiben erwischte, den sie anschließend ausgiebig anzischte.

Ein weiteres Highlight war die Zeugenaussage der Einsatzleiterin, denn die verplapperte sich, indem sie zugab, Anweisung „von oben“ gehabt zu haben, die Demonstranten von dem Miefia-Fest fernzuhalten.Aha.

Daraufhin kam der Schubser, also, der, um dessen Sternlein es ging, in den Zeugenstand und kehrte den Beleidigten heraus. Auf mich wirkte das schlecht einstudiert, wie er so dastand und sagte, er fühle sich beleidigt. Nicht einstudiert, nachgesprochen passt da besser, denn man hatte ja genügend Zeit gehabt, sich zu beraten.

Das tat auch das Gericht und verkündete anschließend, dass es hier nicht um die Daseinsberechtigung der Tabak-Industrie gegangen sei, sondern lediglich um die Frage, ob hier der Tatbestand der Polizisten-Beleidigung gegeben sei, oder wie es in dem bekannten Volkslied heißt: „Weißt du wie viel Sternlein stehen“. Statt des Liedes wurde die Summe für fünfzehn Tagessätze, das sind über tausend Euro, erwähnt und festgelegt.

Nachwort: Was sind schon 3.300 Tote pro Jahr allein in Deutschland, die an den Folgen des Passivrauchens sterben oder besser: mit staatlicher Beihilfe abgemurkst werden, von den ganzen Krankheiten und Allergien ganz zu schweigen, gegen die Frage, ob man die Sternlein an einer Polizei-Uniform zählen soll oder nicht, wenn der Ordnungshüter gerade dabei ist, einen Achtzigjährigen samt Krücken gegen dessen Willen vom Geländer zu pflücken?

Dr. Spatz hat Berufung eingelegt, denn im Knast darf weiterhin kräftig gequarzt werden…

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9 Antworten to “Spatz beleidigt Polizeibeamten”

  1. LeserIn Says:

    Ein betrüblicher Bericht über unsere Polizei:

    Grünberg/Gießen – Eine Polizistin hat in der Nacht zu Sonntag einem anderen Polizeibeamten die Waffe entrissen und sich damit selbst angeschossen. Die Frau, die schwer verletzt wurde, hatte zuvor einen Verkehrsunfall verursacht und war zur Entnahme einer Blutprobe auf die Polizeistation im hessischen Grünberg gebracht worden.

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,559767,00.html

    Ich vertraue unserer Polizei unter Führung des Herrn Polizeipräsidenten Manfred Schweizer, den unser Innenminister, der Herr Volker Bouffier, extra aus Dresden hierher geholt hat, trotzdem!

  2. Arndt Schmelzer Says:

    Ach, erneut eine „Beleidigung“? Welche Berufsgruppen besonders „anfällig“ hierfür sind (sich -vielleicht- gerne „beleidigt“ fühlen), wäre durchaus eingehender statistischer Betrachtung wert. Ich vermute, dass hierbei einige interessante Signifikanzen zu beobachten wären…

  3. Susanne Buchmann Says:

    Dr, Johannes Spatz wurde nunmehr am 12.9. in der Polizistenbeleidigungs-Angelegenheit der Gnade des Gerichtes teilhaftig, indem für nicht erweislich angesehen wurde, dass aus der Bemerkung über die Anzahl der Sterne auf einer bestimmten Polizisten-Mütze zu schließen wäre, dass Herr Dr. Spatz in dem bestimmten Polizisten keine Respektsperson gesehen habe.
    Nachzulesen ist dieses ausnahmsweise weise Gerichtsurteil auf der werbsite des Forum rauchfrei, wenn man auf der Homepage links auf „Aktuelles“ klickt.

    http://www.forum-rauchfrei.de/presseerklaerungen/presseerklaerung120908.htm

    Na bitte. Ich denke, dass es das Gericht bei dem regen Interesse für ratsam gehalten hat, den Ball flach zu halten.
    Am 5.9. war Johannes Spatz übrigens wieder an vorderster Front bei einer Kundgebung in Berlin zur Neufassung des Nichtraucher-Schutzgesetzes aktiv. Aber davon nächstesmal mehr, jetzt machen die hier das Internetcafe dicht. Habe geschlagene 3 Stunden damit verbracht, mir mit Tastatur, Maus und Blog-Mistgabel die Pfusch-Ärzte, Pfusch-Anwälte samt dazugehörigernAbzocke vom Hals zu halten.

  4. Susanne Buchmann Says:

    Und hier kommt noch der angekündigte, ziemlich lange, sorry, Bericht von der Kundgebung am 5.9.08 in Berlin, wo die zweite Fassung des „Nichtraucher-Schutzgesetzes“ von Ministern und Ministerpräsidenten bekakelt wurde (Landesvertretung von Schleswig-Holstein, In den Ministergärten 8).

    ` Rausgekommen ist dabei erwartungsgemäß nichts. Aber `reingekommen ist Einiges, außer den Demonstranten natürlich.

    Karavanen von Riesen-Lastwagen spuckten massenweise sarggroße Metallkisten aus, die eilig ins Innere des Bonzenbunkers gekarrt wurden. flankiert von demonstrativ vor sich hinquarzenden Bodyguards und anderen vielfältig uniformierten Wichtigtuern.

    Herr Dr.Spatz, bewaffnet mit Megaphon und flotten Begrüßungssprüchen für alle Anwesenden meldete nach einer ganzen Weile die Ankunft von ULLA SCHMIDT. Gesehen habe ich sie nicht, weil ich weiter hinten auf einem mitgebrachten Hocker saß, vor mir eine Plastiktüte mit leeren Schachteln der allseits bekannten Schmuggelsorte „Jin Ling“

    Ich war sprachlos, Ulla reagierte natürlich auch nicht auf die Begrüßung per Megaphon und husch-drin war sie.

    Das ist der Schock-Effekt, der da eintritt. Hinterher fragt man sich: „Wieso hast du nicht was gebrüllt?“ wie zum Beispiel: „Na , was hat denn die Tabak-Industrie diesmal diktiert? Zahlt sie wieder gut?“ Oder wenigstens: Bezahlen Sie die Behandlungskosten für Zigaretten-Vergiftung gefälligst von Ihrem eigenen Geld! Zwangs-Krankenkassenbeiträge, was?! Nicht mit mir!“

    Wir standen da halt noch eine Weile `rum, länger als die Gegen-Demo der „Initiative für Genuss“, weil die sich nur bis 12h angemeldet hatte, Anti-Tabak-Akltivist Dieter Mennekes oder Männekes-wenn ich jetzt nachsehe, müsste ich alles noch mal schreiben- der macht richtig super Aktionen und traut sich eine Menge, also der schmiss eine Lage für alle ca. 50 Teilnehmer , wie gesagt, rausgekommen ist dabei nix, außer volle Bonzen-Bäuche natürlich.

    Was man dazu noch wissen sollte: Die erste Fassung des Gesetzes zum Schmutz für Nichtraucher, so müsste der Quatsch eigentlich heißen, das war nichts Anderes als ein Papier mit EMPFEHLUNGEN, und die stammten-richtig-von der Tabak-Industrie. Garantiert garniert mit reichlich Leckerli verschiedenster Art haben die Ministerpräsidenten dann bloß noch unterschrieben. Änderungen? Denkste. Das weis ich von besagter Galeonsfigur des Forum rauchfrei, der auch bei dieser ersten unfassbaren Gesetzesfassung vor der gleichen Landesvertretung mit den anderen Nichtraucher-Initiativen in Schnee und Regen ausharrte.

    Genau deshalb ist bei diesem Gesetz immer nur von rauchfreien Gaststätten und Blökbuden (Kneipen) und anderen öffentlichen Anstalten die Rede, aber nicht von der Hauptsache: Der Wohnung, aber nurdie ist schließlich der Lebens-Mittelpunkt!!!

    Nach wie vor muss Gestank und Luftvergiftung durch die intelligenzfernen Tabackkack-Junkies in Kauf genommen werden. denn das sind die heiligen Kühe des Tabaklobby-Packs. Und die, so vermuteten die Gesetzesverbrecher, würden für ihr Recht auf Entfaltung (Falten- und Tränensack-Bildung wäre richtiger) der Persönlichkeit am lautesten blöken, schließlich trainieren das viele jeden Abend in ihrer Lieblings-Stinkbude.

    Und so war`s ja denn auch. Dann kamen die Schlagzeilen der bunten Presse ins Spiel, die dieses Geblöke immer noch als Volkes Wille zu verkaufen versucht.

    Richtig tragisch an diesem an sich doofen Trick ist aber, dass nicht mal die Nichtraucher-Aktivisten das geschnallt haben, und jetzt ebenfalls nichts Besseres zu tun haben, als über rauchfreie Gaststätten zu schwadronieren.

    Verdammt!! Ich wohne weder in einem öffentlichen Klo, noch in einer Schule, Kneipe oder sonst was Vergleichbarem! Ich habe eine schöne, helle Wohnung, aber superblöde Nachbarn, die mir ungestraft die Bude vollstinken dürfen (Prozess am 4.11., Amtsgericht Wedding), und ich werde auf den Prozesskosten hocken bleiben, genau wie die Nichtraucher-Initiativen in dieser Sache nur apathisch `rumsitzen.

    Aber ich habe bei der Demo ein drünes Mützchen desenkt dekriegt (man denke sich Babysprache)und ein buntes T-Shirt, wo „pro Gast“ draufsteht. Toll, was?!?

    Wieso kommt nicht wenigstens ENDLICH der Schmutzfilter für Raucher auf den Markt, die BILLIGERE rauchfreie Zigarette?? Klar, weil die Industrie um ihr Image (!) fürchtet. Das entlarvt das ganze Umweltplaketten-Gedöns bei Autos endgültig als Beschiss, natürlich garniert mit reichlich Abzocke für die nächste Ministerpräsidenten-Fete. Ach nee, das zahlt ja wieder die Miefia.

    • Aygün Völker Says:

      Hallo Frau Buchmann,
      es gehört zwar nicht zu Ihrem Artikel, aber sagt Ihnen „Ekkenekkepenn“ etwas oder die VHS Neukölln? Wenn nicht, entschuldigen Sie bitte, dann sind Sie nicht die, die ich suche; wenn doch, bitte melden!
      Mit freundlichen Grüßen
      aus dem Trickfilmkurs…

  5. Christian Schäffer hat sich umgebracht « bloegi Says:

    […] Susanne Buchmann 03.04.2009 00:58 […]

  6. Justiz-Skandal mit Todesfolge « Der AmSeL-Gedanke Plus = Gemeinschaft Says:

    […] Susanne Buchmann 03.04.2009 00:58 […]

  7. Christian Schäffer hat sich umgebracht « Deutschland - wach auf! Says:

    […] Susanne Buchmann 03.04.2009 00:58 […]

  8. bloegi Says:

    Eigentlich war damit ja zu rechnen, als sich Altkanzler Helmut Schmidt bei Jauchs Polit-Talk eine Zigarette nach der anderen ansteckte. Jetzt hat das „Forum Rauchfrei“ tatsächlich Anzeige gegen ARD-Chefin Monika Piel erstattet – wegen vorsätzlichen Verstoßes gegen die Arbeitsstättenverordnung. […]
    Direkt nach der Sendung habe er noch gezögert, rechtliche Mittel einzulegen, sagte Johannes Spatz vom „Forum Rauchfrei“ am Montag zu SPIEGEL ONLINE. „Eigentlich wollte ich das gar nicht, weil man dann immer in so eine Spießer-Ecke gedrängt wird.“ Aber als er den Altkanzler auf dem SPD-Parteitag wieder mit brennender Zigarette gesehen habe, habe er sich doch entschieden, Anzeige zu erstatten. „Schmidt ist eine Ikone und hat Einfluss auf junge Leute. Deswegen ist es nicht in Ordnung, dass sein Rauchen von der ARD billigend in Kauf genommen wird.“ […]

    Eine hessische Nichtraucherinitiative hatte Helmut Schmidt bereits 2008 wegen Körperverletzung angezeigt, als er kurz nach Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes beim Neujahrsempfang in einem Hamburger Theater rauchte. Das Verfahren wurde damals eingestellt.

    Spiegel 5.12.2011

    Schmidt wird bald sterben. Er kann dann vergötzt werden, ohne dass er die Luft vergiftet.

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