Bin Brosa: mit dem Paten der pakistanischen Atombombe befreundet

Kurzfassung: Wie ein paar karriere-geile Richter und Staatsanwälte, die sich als Schutzpatrone des Weltfriedens aufspielen wollten, einen diabetes-kranken Pakistani fertig machten und die Verurteilung eines deutschen Kernchemikers knapp verhindert wurde.


(Bild: www.fhzb.de)

Mache schon jetzt die vielen dummen Beamten, die diesen Artikel lesen werden, aufmerksam, dass Dr. Wolfram Westmeier kein Pate der pakistanischen Atombombe ist. Westmeier wird aber von dem Oberstaatsanwalt Gert-Holger Willanzheimer angeklagt gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben, da er Nukleartechnologie nach Pakistan geliefert habe. Der Richter Mirko Schulte vom Marburger Schöffengericht hat die Hauptverhandlung am 11.4.2008 eröffnet.

Außerdem ist „befreundet“ übertrieben. Habe mit Westmeier wissenschaftliche Publikationen verfasst, z.B. [1], [2].

Westmeier war im kernchemikalischen Institut der Marburger Uni beschäftigt. Kernchemiker analysieren chemische Verbindungen, indem sie die Strahlung der enthaltenen Atomkerne messen. Bei den klassischen chemischen Methoden füllt der Chemiker die Substanz in einen Topf, spuckt hinein, rührt um, stellt den Topf auf einen Herd und wartet, bis alles verschmort ist. Im Vergleich dazu sind physikalische Methoden oft einfacher. Zur Auswertung kernphysikalischer Messungen hat Westmeier eigene Software entwickelt, die weltweit als brauchbar bekannt ist. Zuerst Gamma-W, was als „Auswertung von Gamma-Spektren mit Dr.Westmeier“ zu verstehen ist.

Nachdem 1986 der Reaktor in Tschernobyl explodiert war, brachten hessische Einheimische Gläser mit Eingemachtem, Pilze und Leichenteile in die Marburger Kernchemie um deren nukleare Verseuchung messen zu lassen. Westmeiers Software bewährte sich sehr, trug allerdings zur Beruhigung der Bevölkerung nicht bei. Westmeier beschloss sich selbstständig zu machen. Er gründete die Dr. Westmeier GmbH im Ebsdorfergrund und lebte seitdem vom Verkauf seiner Programme. Zu Westmeiers bewährtem Renner Gamma-W kamen andere hinzu. Um den blitzgescheiten Kriminalbeamten von der Polizeidirektion Marburg zuvorzukommen, erkläre ich gleich, dass SODIGAM keine Tauschbörse für Tier-Porno ist, sondern Gamma-Strahlung analysiert, wie sie mit Natriumjodid-Zählern gemessen wird; Sodium ist das englische Wort für Natrium. Mit der Software verkaufte Westmeier passende Messinstrumente, verdiente daran aber nicht viel, weil er sie nicht selbst produziert. Mir hat Westmeiers Abschied aus dem öffentlichen Dienst gut gefallen. Selbstständigkeit ist eine höhere Existenzform als das Beamtentum.

Wofür sind Messinstrumente geeignet, die Westmeier verkauft?
1) Chemische Analysen,
2) Untersuchungen des Stoffwechsels im menschlichen Körper,
3) Nachweis von Radioaktivität.
Westmeiers Kunden sind Forschungsinstitute, Krankenhäuser, Kernkraftwerke. Für die Konstruktion von Atombomben sind Westmeiers Instrumente entbehrlich. Sie sind wegen ihrer aufklärenden Wirkung sogar kontraproduktiv. Die Bombe für Hiroschima 1945 und die Zar-Bombe 1961 wurden ohne derartige Messinstrumente gebaut.

1998 zündete Pakistan die erste eigene Atombombe. Der so genannte Vater der pakistanischen Atombombe, Abdul Qadir Khan, hatte in der Anreicherungsanlage des deutsch-britisch-niederländischen Konsortiums Urenco im holländischen Almelo praxisnah studiert. Diese Tatsache veranlasste die USA-Regierung der BRD-Regierung vorzuwerfen, Deutschland sei der Ursprung der pakistanischen Bombe. Die Regierung der BRD will nun um jeden Preis beweisen, dass das nicht so ist, dass sie vielmehr den Export von Nukleartechnologie unterbindet. Wolfram Westmeier ist als Weichteil zwischen die Zahnräder der Staatsapparate geraten.

Westmeier hat nicht verheimlicht, dass er Aufträge von pakistanischen Auftraggebern bekam. Zum Beispiel bestellte 2003 ein pakistanisches Krankenhaus Kobalt-Quellen bei ihm. Kobalt-Quellen sind schwach radioaktiv, aber einigermaßen beständig. Sie werden deswegen zur Eichung von Messinstrumenten gebraucht. Wegen der Radioaktivität stellte Westmeier einen Antrag auf Ausfuhrgenehmigung. Es kann also keine Rede davon sein, dass irgendwelche klugen deutschen Beamten ihm auf die Schliche gekommen seien.

Beim Prozess, der seit dem 11.4.2008 in Marburg tobt, geht es um eine Lieferung von Messinstrumenten an eine pakistanische Universität. Es ist unstreitig, dass Westmeier beschuldigt wird 2003 Messinstrumente geliefert haben und nichts anderes.

Die Staatsanwaltschaft Marburg ließ Anfang 2004 die Hütte der Dr. Westmeier GmbH im Ebsdorfergrund durchsuchen, was natürlich bezweckte den ziemlich naiven Westmeier zu ängstigen. Bei der Hausdurchsuchung wurde er festgenommen und vor Staatsanwalt (damals noch ohne Ober-) Willanzheimer verbracht. Westmeier sah sich schon in der Justizvollzugsanstalt Butzbach Gitter rütteln. Er war Willanzheimer zutiefst dankbar, als ihn dieser nicht in Untersuchungshaft steckte; Untersuchungshaft kann jedoch nur angeordnet werden, wenn Flucht- oder Verdunklungsgefahr besteht; zu beidem ist Westmeier nicht in der Lage. Später glaubte Westmeier, Willanzheimer sei auf seiner Seite; der wolle das Verfahren einstellen und würde nur durch das Zollkriminalamt in Köln daran gehindert. Doch Kriminale sind nur Hilfbeamte der Staatsanwaltschaft; Willanzheimer klagte Westmeier an. Nach der Anklage glaubte Westmeier, Richter Mirko Schulte sei auf seiner Seite; der wolle die Anklage ganz oder zum größten Teil vom Tisch wischen. Doch Schulte ließ die Anklage zu. Westmeier glaubt jetzt noch Schulte würde ihn freisprechen. Die Hoffnung ist illusorisch. Anklage wird regelmäßig nur erhoben, wenn die Justizangehörigen sicher mit einer Verurteilung rechnen. Außerdem ist Westmeiers Handelspartner aus Pakistan schon verurteilt.

Juristen sind nur darin gut anderen etwas vorzumachen. Es ist erstaunlich, wie viele ihrer Opfer immer wieder darauf hereinfallen. Westmeier wird nur dann nicht verurteilt werden, wenn die politischen Verhältnisse sich so weit drehen, dass Schulte und Willanzheimer befürchten müssen mit einer Verurteilung Westmeiers ihrer eigenen Karriere zu schaden.

Kann mit der Lieferung von Messinstrumenten gegen das Kriegswaffengesetz verstoßen werden? In Justizkreisen wird abgedroschen erklärt, derartige Instrumente seien Dual Use Ware, könnten also auch bei der Herstellung von Atombomben nützlich sein. Wenn Westmeier nicht nachweisen könne, dass der Gebrauch seiner Instrumente in pakistanischen Kernwaffen-Labors ausgeschlossen sei, müsse er verurteilt werden.

Dann allerdings wäre auch die Lieferung von Klopapier nach Pakistan strafbar. Für jeden, der etwas von Kernphysik versteht, steht fest, dass Klopapier in einem Kernwaffen-Labor weitaus dringender benötigt wird als Westmeiers Gerät. Im § 17 des Kriegswaffenkontrollgesetzes heißt es:

(2) Atomwaffen im Sinne des Absatzes 1 sind
1. Waffen aller Art, die Kernbrennstoffe oder radioaktive Isotope enthalten oder eigens dazu bestimmt sind, solche aufzunehmen oder zu verwenden, und Massenzerstörungen, Massenschäden oder Massenvergiftungen hervorrufen können.
2. Teile, Vorrichtungen, Baugruppen oder Substanzen, die eigens für eine in Nummer 1 genannte Waffe bestimmt sind.

Klopapier und Westmeiers Messinstrumente könnten „Vorrichtungen“ im Sinn des Absatzes 2 Satz 2 sein. Doch kommen sie letztlich doch nicht in Frage, weil sie nicht „eigens für eine in Nummer 1 genannte Waffe bestimmt sind“. Das Strafverfahren ist ein schwachsinniger Popanz angezettelt von Wichtigtuern, die sich als Schützer des Weltfriedens aufspielen wollen. Schulte hat dementsprechend getönt, mit diesem Verfahren betrete er juristisches Neuland. Ogottogott! Mirko Schulte, der juristische Pionier, wird Oberlandesrichter und Gert-Holger Willanzheimer wird Leitender Oberstaatsanwalt!

Jetzt noch ein sehr ernster Punkt: Wenn es tatsächlich ein Gesetz gäbe, das die Verbreitung von Messinstrumenten verbietet, müsste man es missachten. Dass Messgeräte nur bestimmten Leuten zur Verfügung stehen dürften, wäre noch übler als ein Verbot der Meinungsäußerung. Denn Meinungsäußerung ist bloß Blabla. Mit Messungen wird aber ermittelt, was wirklich ist. Früher wurde der Besitz von Waagen armen Leuten verboten, damit die Reichen sie betrügen konnten. Jetzt ist ein Verbot der Verbreitung von Messgeräten, mit denen Radioaktivität gemessen werden kann, nur im Interesse derjenigen, welche nuklear basteln und verheimlichen wollen, wie gefährlich das ist. Hätte es beim Bau der ersten Atombomben solche Messgeräte gegeben, wie Westmeier sie jetzt verkauft, wären USA und Sowjetunion vorsichtiger mit ihren nuklearen Experimenten gewesen.

U Brosa

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18 Antworten to “Bin Brosa: mit dem Paten der pakistanischen Atombombe befreundet”

  1. Harry Schwiebert Says:

    „Waffen aller Art, die Kernbrennstoffe oder radioaktive Isotope enthalten“
    Ich bitte die NEULANDBETRETER sich ein Paar Söldner und derren Kommandeure zu schnappen und mit selbigen eine Disskusion über DU-Waffen/Munition zu beginnen.
    Aber nein, dazu bedarf es ja der Eigenschaft Mut, und die dürfen wir bei Schergen nicht erwarten, da zerrt man lieber einen Wissenschaftler oder ´nen 88jährigen vor den Kadi.
    Anwälte, die wahren Helden der Jetztzeit, sind meines Erachtens Abschaum von der ekelerregensten Art.

  2. Tilman Says:

    Hier steht mehr zu dem Fall:
    http://www.giessener-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Hessen/Verstoss-gegen-das-Kriegswaffenkontrollgesetz-_arid,28002_regid,1_puid,1_pageid,11.html

  3. Tilman Says:

    Hauptvorwurf ist vom Tisch:
    http://www.op-marburg.de/newsroom/lokal/dezentral/lokal/art791,574548

    Unklar ist aber was nun der „Nebenvorwurf“ ist. Irgendwas von wegen „Ordnungswidrigkeit gegen Verwaltungsvorschriften“.

  4. bloegi Says:

    Ich war gestern im Prozess gegen Lubomir Ivancik. Lubo ist nicht verurteilt worden. Der Richter im Landgericht Dr.Paul wollte das Verfahren sogar einstellen, allerdings nur gegen Zahlung einer Buße von 1000 Euro, was Lubo ablehnte. Die nächste Verhandlung soll am 9.5.2008 um 9 Uhr beginnen.

    Es ist, als ob die einheimische Justiz Kreide gefressen hätte. Zur Erinnerung: Der große böse Wolf fraß Kreide um eine hohe Stimme zu bekommen und sich so als Rotkäppchens liebe Großmutter ausgeben zu können.

  5. Tilman Says:

    Freispruch, aber keine Entschädigung:
    http://www.op-marburg.de/newsroom/themadestages/dezentral/themadestages/art791,580337

  6. Schulte, Richter am Amtsgericht Marburg, beschimpft Unschuldigen « bloegi Says:

    […] Dr. Wolfram Westmeier am 25.4.2008 “aus Mangel an Beweisen” vom Vorwurf des “versuchten Förderns der Herstellung einer Atomwaffe durch Ausfuhr eines Alpha / Gamma – Spektrometr…” freigesprochen. Lustigerweise glaubt Westmeier, er sei freigesprochen worden, weil er […]

  7. Vogtraiders Blog Welt:-) » Blog Archive » Wie ein Dschihadist im Paradies Says:

    […] Sie stöckelte unüberhörbar durch den Justiz-Palast und zeigte, was sie hat. Wer sich sonst vor Oberstaatsanwalt Willanzheimer, dem leitenden Oberstaatsanwalt Koeppen und dem Glatzen-Geschwader der Richterschaft ekeln muss, […]

  8. Einladung zu den großen Meineid-Festspielen « bloegi Says:

    […] Oberstaatsanwälte Jörg und Willanzheimer […]

  9. Einladung zu den großen Beleidigungsfestspielen « bloegi Says:

    […] war auf diese Weise bei der Vortäuschung von Straftaten behilflich und hat Menschen mit falschen Anschuldigungen schwer […]

  10. Ulrich Brosa Says:

    Ingenieur wegen Atomschmuggels zu Haftstrafe verurteilt

    …Der Angeklagte hatte nach mehrmonatiger Prozessdauer Anfang Oktober seine Beteiligung am Bau einer Urananreicherungsanlage gestanden, die dem Gericht zufolge für Libyen bestimmt war. Er habe zwischen den Jahren 2000 und 2003 in Südafrika bei der Konstruktion eines Rohrsystems für die Urananreicherung geholfen. Im Gegenzug für dieses Geständnis hatten sich das Gericht, die Bundesanwaltschaft und die Verteidigung auf die Verhängung einer Haftstrafe von maximal sechs Jahren geeinigt….

    http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE49F0O220081016

  11. Besser bei Islamisten in Pakistan als im Schmutz der Marburger Justiz « bloegi Says:

    […] Westmeier wurde beschuldigt, er hätte durch Lieferung eines Alpha- und Gamma-Detektors den Bau der pakistanischen Atombombe […]

  12. Taszis verurteilt Dr.Ziegler zu Gefängnis « bloegi Says:

    […] bloegi (So ungefähr sieht er aus, der typische hessische Mann. Beispiele: Dr. Wolfram Westmeier [1] und Dr. Hans-Berndt […]

  13. Kernspaltung « bloegi Says:

    […] technische Verfahren sollen besprochen werden: Anreicherung und die wichtigsten Reaktor-Typen. Atombomben finde ich […]

  14. Dieter Brand Says:

    Mankind must put an end to the war or the war is an end to mankind.

  15. Die Kettenreaktionen in Fukuschima gehen weiter « bloegi Says:

    […] Bedienfehler überkritisch gemacht wurde. Die Explosion in Tschjornobühl ist darum mit der einer Atombombe vergleichbar. Schuld war hauptsächlich der karriere-geile stellvertretende Chefingenieur Djatlow. […]

  16. LeserIn Says:

    Doku über die Zar Bombe mit deutschsprachiger Kommentierung

    http://www.myvideo.de/watch/6572032/Die_H_Bombe_Zar_Doku

  17. LeserIn Says:

    Einmal mehr wurde sehr dick, zu dick aufgetragen:

    Schweizer Familie soll Kernwaffen hergestellt haben

    Ein Vater und seine Söhne stehen vor Gericht, weil sie für den pakistanischen Atomschmuggler Abdul Qadeer Khan gearbeitet haben sollen

    Die Bundesanwaltschaft beschuldigt Friedrich (64), Urs (46) und Marco Tinner (43) deshalb der „Förderung der Herstellung von Kernwaffen“ vor. Außerdem sollen sie eine Ausbildungswerkstatt in Dubai eingerichtet und dort Mechaniker und Techniker geschult haben.

    … das Strafmaß haben sich Anklage und Verteidigung bereits geeinigt. Geht es nach ihrem Vorschlag, werden die drei Techniker zu Freiheitsstrafen verurteilt, die sie bereits in Untersuchungshaft abgesessen haben. Damit würden die talentierten Tinners auf freiem Fuß bleiben.

    Mottenpost 25.09.12

    Die Tinners haben bestimmt keine Kernwaffen hergestellt. Es könnte sein, dass sie substanziell zugearbeitet haben. Aber das ist den Presseberichten nicht zu entnehmen.

  18. Meineid-Mirko endgültig geplatzt « bloegi Says:

    […] https://bloegi.wordpress.com/2008/04/16/bin-brosa-mit-dem-paten-der-pakistanischen-atombombe-befreund… […]

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