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Einer, der nicht auf Ego-Trip ist

18 August 2009


[Seit seinem Hungerstreik 1993 in Neuss sieht sich Wendolin Weber ähnlich verfolgt wie Mitglieder der jüdischen Minderheit vor 1945.]

Bei immer deutlicheren Missständen in der Justiz wird die Frage dringender, wie es besser werden soll. Zur Zeit können die Justiz- und Polizeiangehörigen den Kritikern noch sagen:

Na los, macht es doch besser!
… Aber das könnt ihr nicht, ihr Flaschen!

Das ist ein sehr starkes Argument.

Zunehmende Demokratisierung der Justizerei verspricht am meisten Erfolg. Es muss viele Leute geben, die die Probleme anderer vorurteilslos besehen. Doch unvoreingenommene Leute mit Blick über den eigenen Tellerrand sind eher selten. Viele Justizkritiker sind Egomanen. Sie meinen, wegen des Unrechts, das ihnen zufügt wurde, müsse sich die ganze Welt empören, während sie selbst nicht bereit sind das Unrecht zur Kenntnis zu nehmen, das anderen zugefügt wurde.

Ein Behördenkritiker ist auch Wendolin Weber. Positiv ist immerhin, dass er sein Unglück aufgeschrieben und, was noch besser ist, Dokumente hinzugefügt hat, die seine Gegner verfasst haben. Webers Geschichten sind also nicht erfunden. Alfred Bomanns hat sich die Arbeit gemacht Webers unübersichtliche Internet-Seiten durchzusehen und eine erste Analyse vorgelegt:


Herr Weber hatte wohl Streitigkeiten mit seinen Mietern. Dann wurde irgendwann der Strom abgedreht, die Stadtwerke haben den Strom wieder angeschlossen und Herr Weber durfte sein eigenes Haus nicht mehr betreten. Herr Weber hatte 1991 versucht, das Objekt Sternstr.29 in Neuss an die Stadt Neuss zu vermieten, damit sie dort Asylempfänger und Aussiedler unterbringt. Siehe
http://www.viersen.cjb.net/tews-weber/cd0001/land/d/ord_gericht/ag-mg/so1/1508/00000044.html (ca. 50 % nach unten rollen)

Als das nicht zustande kam, erwarb er am 28.01.92 das Haus Dohler Str. in Mönchengladbach und veräußerte das Objekt Sternstr.29 (siehe ebenfalls obigen Link). Und dann vermietete er die Zimmer selbst.

1993 kam dann sein Hungerstreik vor dem Rathaus infolge der Mietstreitigkeiten. Darüber hat die Westdeutsche Zeitung (WZ) berichtet, mit Details, die nach Aussagen von Herrn Weber zum Teil falsch sind, z. B. zur Wohnfläche und zur Höhe der Miete. Die Stadt hat den Artikel an einer Plakatwand o.ä. in der Fußgängerzone ausgestellt. Das empfand Herr Weber verständlicherweise als eine Art Lynchjustiz.

Dagegen hat er eine Einstweilige Verfügung beim Amtsgericht Neuss beantragt. Das Amtsgericht hat den Streitwert von 10.000 auf 20.000 DM verdoppelt, weil der Antragsteller sich wirklich durch die öffentliche Ausstellung des Zeitungsartikels in seinem Lebensnerv getroffen fühle. Dann folgte irgendwann ein Beschluß des Amtsgerichts, daß es sachlich nicht zuständig sei und die Sache ans Landgericht Düsseldorf (?) weiterleite. Danach habe ich nichts mehr über den weiteren Fortgang des Verfahrens gefunden. Also wir sind immer noch im Jahre 1993.

Es findet sich eine einzelne Seite eines Schreibens des Diakonischen Werkes Mönchengladbach-Rheydt aus circa 2004, woraus hervorgeht, daß Herr Weber verurteilt/bestraft worden ist und daß das Gericht seine Umstände und die Hintergründe offenbar nicht genügend berücksichtigt hat. Nach Meinung des Verfassers ist Herr Weber wirklich zu hart bestraft worden, weil er Personen des öffentlichen Lebens kritisiert hat.

Bei dieser Verurteilung ging es darum, daß Herr Weber Telefongespräche mit öffentlichen Personen, von denen er sich Hilfe erhoffte, mitgeschnitten und auf CD verbreitet hat. Eine gute Darstellung findet sich in dem Zeitungsartikel des Lokalanzeigers Neuss/Kaarst vom 10. Mai 2002. Gefunden habe ich das unter:
http://www.viersen.cjb.net/tews-weber/cd0001/land/d/ord_gericht/ag-mg/so1/1508/00000044.html. (bitte den Rollbalken ca. 20 – 25 % nach unten bewegen).

Es wird auch eine Frau Elsa Weber (Jg. 1916) erwähnt, offensichtlich die Mutter von Wendolin Weber, die durch schlechte Pflege (zu langes Liegen) einen Dekubitus, nämlich eine offene, faulende Wunde am Rücken, erlitten hat. Hier war ein gewisser Thomas H. von der Diakonie Neuss vom Gericht zum Betreuer (Vormund) bestellt worden. Das war so ungefähr 2005. Der Leidensweg der Mutter bis zum Tod ca. 2006 ist umfassend dargestellt unter:
http://www.viersen.cjb.net/tews-weber/tews-rosenau/tews-elsa/index.html#A.
Hier sieht man die bettlägerige Mutter in zahlreichen Fotos. Mit dem “Genozid an einer dt. Familie” meint Herr Weber offenbar das Siechtum und den Tod seiner Mutter; auch der Vater wird an einer anderen Stelle bettlägrig gezeigt. Die Seite enthält eine Unzahl an persönlichen Dokumenten und Familienfotos, so daß man sich irgendwie betroffen fühlt und Mitleid empfindet. Allerdings sehe ich keinen direkten Zusammenhang zwischen der Mietsache aus 1993 und dem Tod der Eltern. Insolvenz seiner Firma hat Herr Weber auch erlitten (siehe anliegender Zeitungsartikel). Möglicherweise wurde die Familie nach der Mietsache von den Behörden angeprangert, und die Eltern konnten sich kein vernünftiges Pflegeheim mehr leisten?

Eine sehr genaue Chronik von seiner Geburt im Jahre 1957 bis 1997 hat Herr Weber eingestellt unter:
http://www.viersen.cjb.net/tews-weber/cd0001/land/d/ord_gericht/ag-mg/so1/1508/00000045.html

Grüße
Alfred Bomanns

Noch ein paar von Wendolin Weber veröffentlichte Dokumente (Auf die Links klicken, wenn Sie die Dokumente sehen wollen!):

Strafverfahren gegen Herrn Weber wegen “Verletzung der Vertraulichkeit des Worts” (Mitschneidens von Telefongesprächen).

Herr Weber bekommt kein Postbank-Privatgirokonto.

Herr Weber verwendet Namen und Symbole des deutschen Bundestages und wird abgemahnt.


Das also ist die Methode Verbesserung der Justiz durch demokratische Kleinarbeit. Andere Methoden sind
a) Selbstmord,
b) Rambazamba und dann Selbstmord.
Die Methoden a) und b) empfehle ich nicht. Es gibt jedoch weitere, empfehlenswerte Methoden, die demnächst zu erörtern sein werden.

Ulrich Brosa


Nachtrag 20.3.2010

Große Verblüffung: Der obige, ihm freundliche Artikel ist Wendolin Weber nicht gut genug. Seit einiger Zeit belästigt er Alfred Bomanns und mich mit E-Mails, Telefonanrufen und Faxen: Er will uns zwingen genau so zu schreiben, wie er es verlangt.

Der Vorgang zeigt deutlich, warum sich kaum jemand um juristisch-soziale Probleme anderer kümmern möchte: Es wird einem oft übel vergolten. Daraus darf natürlich nicht folgen soziale Aktivitäten zu unterlassen. Manchmal geraten tatsächlich unschuldige Menschen in Not.


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