Posts Tagged ‘Amok’

Marvin Heemeyer – ein amerikanischer Held

13 Juni 2009


(Heemeyers Bulldozer schon mit Schutt zerstörter Häuser bedeckt.)

Marvin John Heemeyer (28.10.1951-4.6.2004) war ein geübter amerikanischer Schweißer und Besitzer einer Reparaturwerkstatt für Auto-Auspuffs. Verärgert über eine für ihn schädliche Änderung des städtischen Bebauungsplans nutzte Heemeyer einen Komatsu-Bulldozer, den er mit Stahlplatten und Beton gepanzert hatte, um das Rathaus, [die Polizeiwache, das Büro des Provinz-Blatts, die Bank,] die Heimstätte eines ehemaligen Richters und andere Gebäude in Granby/Colorado einzureißen. Die Randale hörte erst auf, als sich der Bulldozer nicht mehr bewegen konnte. Von Vollzugsorganen in eine ausweglose Lage gebracht, starb Heemeyer an einer Schussverletzung, die er sich selbst beigebracht hatte.

Heemeyer hatte in Granby mit staatlichen Bediensteten und Individuen lang währende Streitigkeiten, besonders über Bußen wegen Verletzung städtischer Auflagen und über einen Bebauungsplan zugunsten einer Zementfabrik. Die Zementfabrik wurde seiner Auspuff-Werkstatt gegenüber errichtet und machte sein Geschäft kaputt.

Im Jahr 2001 billigten die Kommission für Bebauung und die städtischen Treuhänder den Bau einer Zementfabrik. Heemeyer legte dagegen erfolglos Beschwerde ein. Viele Jahre lang hatte er das Gelände neben seinem Grundstück als Zufahrtsweg zu seiner Werkstatt genutzt. Die Zementfabrik blockierte die Zufahrt. Zu der Verärgerung wegen des Streits über die Zufahrt kam eine Buße von 2500 Dollar, die ihm der Granby-Magistrat für verschiedene Verstöße auferlegte, darunter für Schrott-Autos auf dem Gelände und fehlenden Anschluss an die öffentliche Kanalisation. Heemeyer hatte versucht gut 2 Meter des Zementfabrik-Geländes zu queren um seine Werkstatt an die öffentliche Kanalisation anzuschließen. Schließlich richtete Heemeyer gemeinsam mit Nachbarn und Freunden eine Petition an die Stadt Granby, doch hatte auch damit keinen Erfolg. Seine Werkstatt konnte ohne Kanalisation und ohne Kooperation der Stadt nicht funktionieren. Darauf gab Heemeyer sein Geschäft an einen Pleiten-Aufkäufer ab und verkaufte sein Grundstück. Die neuen Eigentümer ließen Heemeyer sechs Monate zum Wegziehen. In der Zeit baute er den Bulldozer um. Heemeyer hatte den Bulldozer zwei Jahre zuvor gekauft um eine neue Zufahrt zu seiner Werkstatt zu bauen. Doch wies die städtische Administration auch diesen Vorschlag zurück.

Nach der Randale fanden Ermittler Notizen, aus denen hervorging, dass der erstrangige Grund für Heemeyers Bulldozer-Randale sein Kampf gegen die Zementfabrik war. Heemeyer grollte wegen des Bebauungsplans. “Ich war immer gewillt vernünftig zu sein, bis ich unvernünftig sein musste”, schrieb Heemeyer. “Manchmal müssen vernünftige Menschen Unvernünftiges tun.”

Die Ausrüstung, die bei dem Vorfall benutzt wurde, war ein Komatsu D335A Bulldozer mit einer Eigenbau-Panzerung, die das Fahrerhaus, den Motor und Teile des Fahrwerks überdeckte. Stellenweise war die Panzerung mehr als 30 cm dick. Sie bestand aus Beton zwischen Stahlplatten. Das machte die Maschine unempfindlich für kleine Feuerwaffen und widerstandsfähig gegen Sprengstoff. Drei äußere Explosionen und über 200 Garben aus Feuerwaffen konnten dem Bulldozer nichts anhaben. Die Nationalgarde war von Gouverneur Bill Owens nach Granby beordert worden.

Zum Ausguck war der Bulldozer mit einer Video-Anlage ausgestattet, die mit zwei Bildschirmen verbunden war. Ventilatoren und eine Klimaanlage wurden genutzt um Heemeyer beim Fahren zu kühlen. Druckluftdüsen waren eingebaut um Staub von den Video-Kameras fernzuhalten. In der fast luftdichten Kabine waren Nahrung und Wasser bevorratet. Heemeyer hatte nicht die Absicht die Kabine je wieder zu verlassen, nachdem er sie betreten hatte. Die Luke war fest versiegelt. Die Behörden spekulierten, Heemeyer habe einen selbst gebauten Kran in seiner Garage benutzt um die Panzerung über den Bulldozer und sich selbst herunterzulassen.

Als Bewaffnung waren in den Bulldozer eingebaut eine 12mm halbautomatische Barett M82 Scharfschützenflinte nach hinten, ein halbautomatisches FN FNC Sturmgewehr nach vorn, eine 6mm Ruger Mini-14 nach rechts, eine 9mm Kel-Tec P-11 halbautomatische Pistole und ein 9mm Magnum Revolver, mit dem Heemeyer sich selbst tötete.

(Übersetzung aus dem Englischen)


Heemeyer glaubte, Gott habe ihm die Idee mit dem Bulldozer gesteckt und schütze ihn bei der Aufrüstung vor Entdeckung.

Die Mentalität in den USA ist immer noch anders als in Deutschland. Die amerikanische Mentalität ist besser. Dort vertraut man weniger auf staatliche Organisationen und Sozialhilfe, sondern ist darauf aus sich ein eigenes Geschäft einzurichten, von dessen Erträgen man leben kann. Um so gereizter reagieren die Kleinunternehmer, wenn Staatsdiener das mühsam erbaute Geschäft schädigen. Marvin Heemeyer hat in den USA eine Million Fans, wenn nicht mehr, gilt sogar weltweit als einer, der sich nicht alles gefallen ließ. Ihm wird zugute gehalten, dass er keinen Menschen außer sich selbst verwundete und eine verblüffende Idee umsetzte. Der schwarze Killdozer, an dem die Sheriffs ihre Magazine wirkungslos leerballerten, wirkt echt gruselig. Allerdings sind politische Methoden – hartnäckig angewandt – auf die Dauer wirksamer.

Wenn sich Heemeyer nur etwas anders verhalten hätte, wäre vielleicht seine Randale strafrechtlich nicht zu beanstanden gewesen. Heemeyer hätte sich auf einen Notstand berufen können, im deutschen Recht § 34 StGB:

Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.

Der Unterschied zwischen Notwehr (§§ 32 und 33 StGB) und Notstand (§§ 34 und 35 StGB) wird von den wenigsten Menschen verstanden, auch von Juristen nicht. Der rechtfertigende Notstand wird oft mit den Notstandsgesetzen von 1968 verwechselt.

Die §§ 34 und 35 wurden erst 1975 nach einer erbitterten politischen Auseinandersetzung ins Strafgesetzbuch aufgenommen; man musste eben wegen der Notstandsgesetze der außerparlamentarischen Opposition entgegenkommen. Damit jedoch die Opposition daraus keinen Nutzen ziehen kann, wurden die §§ 34 und 35 so unverständlich formuliert, dass sie fast unanwendbar sind.

Notwehr ist die Reaktion auf einen akuten Angriff. Der Angegriffene muss sofort reagieren und kann nicht überlegen, welche Reaktion angemessen ist. Notwehr darf demzufolge überzogen sein. In Notstand dagegen geraten Menschen allmählich. Sie haben Zeit Abwehrmaßnahmen zu überdenken und dürfen demzufolge keine Rechtsverletzung begehen, welche das Unrecht, das sie abwehren wollen, übersteigt.

Notstand war also die Situation, in der Heemeyer steckte. Immerhin war er bereits weitgehend ruiniert. Seine Existenz war bedroht. Sachbeschädigungen gelten als Bagatelldelikte. Eine Rechtsgüterabwägung könnte also für Heemeyer sprechen. Die Frage ist jetzt, ob die Sachbeschädigungen als Abwehr geeignet waren. Auch das könnte bejaht werden, da Heemeyers Bulldozer-Randale große Aufmerksamkeit hervorrief. Sicher ist die Information der Öffentlichkeit ein geeignetes Mittel zur Abwehr von Gefahren. Gegen Heemeyer spricht aber, dass er nicht abwehren, sondern rächen wollte.

Immerhin: Gejammert hat er nicht. Das spricht auf jeden Fall für ihn.

Homepage russischer Fans: Марвин Химейер

Mehr Videos:

Stichwort heemeyer.

Stichwort killdozer


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 40 Followern an