Des Franosches zappelnde Füße und die Gedenktafel

Bild: die zappelnden Füße eines Franosches

[Surrealistische Skizze aus dem Saal 20 Gebäude E des Landgerichts Frankfurt am 18.5.2012. Links im Bild Oberstaatsanwalt Franosch (schematisch). Schon kleinste elektrische Stromstöße ließen die Füße zappeln.]

Am 18.5.2012 war einmal mehr Meineid-Festspiel im Landgericht Frankfurt. Derjenige Franosch, welcher die Meineid-Anklage gefälscht hat, erschien als Zeuge. Thomas Portmann hat darüber einen Bericht geschrieben:

… am auffälligsten war seine [des Franosches] Nervosität. Ich saß ja nicht weit von ihm entfernt. Und so nahm ich das genau wahr. Während seines Vortrags machte er zunächst einen souveränen Eindruck. Dies war aber im Nu verflogen, als Reinecke ihm seine Fragen stellte. (Ich finde, Reinecke war klasse.) Franosch zappelte mit den Füßen. Der Höhepunkt seiner Nervosität wurde erreicht, als Du den Text vorlast, der auf jener Gedenktafel steht, und er dazu Stellung nahm.

Weiter fiel mir auf, daß er nicht dementierte, zur “rechten Szene” zu gehören.

Auffallend war auch, daß er immer wieder aus seiner Rolle als Zeuge fiel. Damit meine ich, daß er in seiner Rede nicht bei einer Stellungnahme zu den Beweisanträgen und der Beantwortung von Fragen blieb, sondern sich zu einem Schlagabtausch mit der Verteidigung hinreißen ließ, dessen Inhalt plädoyerhaften Charakter hatte – als ob Franosch der Staatsanwalt wäre, und nicht Schlotter. Der Vorsitzende und der Staatsanwalt schritten nicht ein, wenn das geschah. Es schien, als ob es eine stille Allianz zwischen Richter, Staatsanwalt und Zeugen gab. Dabei hatte Franosch sich insofern nicht gut unter Kontrolle, und wenn er es selbst merkte, daß er seine Rolle als Zeuge verließ, entschuldigte er sich beim Vorsitzenden. Das geschah mehrmals. Wenn es denn tatsächlich eine stille Allianz gab (und davon ist auszugehen), dann haben Stüber, Schlotter und Franosch nur schlampig verhindert, daß das deutlich wurde. Der Vorsitzende hat sich gar nicht erst die Mühe gemacht, den Anschein zu wahren, indem er etwa den Zeugen zurechtwies oder einer solchen Bitte um Entschuldigung entsprach. Andererseits hat der Richter sehr häufig (aber, wie ich finde, oft zurecht) die Verteidigung gemahnt, doch bitte bei den Beweisantragsthemen und Fragen zu bleiben.

Der Zeuge wurde nicht oder fast nicht getadelt. Der Staatsanwalt war fast passiv, so wie auch in den beiden vorigen Verhandlungen, die ich miterlebte. – Insofern war es gar nicht schlecht, daß die Verteidigung auch oft aus der Rolle gefallen ist und bereits ins Plädoyer geriet. Dann dadurch wurde der Zeuge provoziert, auch aus seiner Rolle zu fallen, und so wiederum wurde jene stille Allianz deutlich.

Eigentlich war die ganze Sitzung wieder einmal eine Farce oder ein Possenspiel. Diesmal aber – für mich – sehr aufschlußreich.

Reinecke ist ein Rechtsanwalt.

Ich will jetzt erklären, was es mit dem Satz

Der Höhepunkt seiner Nervosität wurde erreicht, als Du den Text vorlast, der auf jener Gedenktafel steht, und er dazu Stellung nahm

auf sich hat. Das ist die Gedenktafel:

Bild: Gedenktafel auf dem Friedhof Kirchhain
(Klicken Sie auf dem Bild, wenn sie es groß sehen wollen.)

Die Reservistenkameradschaft hat sie 2005 auf dem Friedhof Kirchhain aufgestellt.

Am 18.5.2012 fragte ich Franosch also: “Kennen Sie sich im Amöneburger Becken aus?” Franosch antwortete, er sei in Kirchhain aufgewachsen. “Haben Sie sich dort politisch betätigt?” Nein, antwortete Franosch, das habe er nicht. “Aber Sie waren doch Vorsitzender der Kirchhainer Reservistenkameradschaft?” Franosch bestätigte, ungefähr die Zeit, die er Staatsanwalt in Marburg war (2001-2009), sei er auch Vorsitzender der Reservistenkameradschaft gewesen. “Waren Sie verantwortlich für die Aufstellung der Gedenktafel auf dem Kirchhainer Friedhof?” Franosch, wie gewöhnlich, schob die Schuld auf andere: Die Kameradschaft sei ein demokratischer Verein; dieser habe gemeinsam mit der Stadt Kirchhain beschlossen die Tafel auf dem Friedhof aufzustellen.

Auf dieser Gedenktafel werden Gewalttaten der NS-Wehrmacht als “Verteidigungskämpfe” ausgegeben. Mit getöteten Angreifern wird geprahlt: “Die Verluste der Amerikaner waren erheblich”. Die Ungeheuerlichkeiten sollen als “Völkerverständigung” getarnt werden. Dabei strotzt die Gedenktafel von dem Jargon, mit dem Militaristen Kriege verherrlichen. “Gefallene” und “hier ruhende deutsche Soldaten” werden vorgegaukelt, wo bestenfalls Knochen vergraben sind. Auf “Sperriegel” und “Divisionsgefechtsstand” hat die Kameradschaft genauso wenig verzichtet wie auf “herandrängende amerikanische Truppen”, die “das Feuer eröffneten”.

Wer sich ein wenig mit dem Geistesleben im Nachkriegsdeutschland auskennt, erkennt sofort den Stil der Landser-Hefte.

Bild: Landser-Heft Panzergrenadiere im russischen Wintersturm

In Landser-Heften wird angeblich authentisch beschrieben, wie der anständige deutsche Soldat – eben “der Landser” – im II.Weltkrieg sein Vaterland verteidigte und dabei tapfer dem Ami, dem Tommy und besonders dem Iwan empfindliche Verluste beibrachte. Der Landser-Leser weiß nach der Lektüre alles über Dienstgrade, Divisionen, Uniformen, Waffengattungen und mümmelt militärisches Kauderwelsch mit “Brückenköpfen”, “Sperriegeln” und “Gefechtsständen”. Schließlich: Ein Landser krepiert niemals, er fällt.

Die Landser-Schriftleiter bekamen ein paarmal Zoff. Seitdem gehören in jedes Landser-Heft zwei Zubehörteile:

1) ein abgekautes Hitler- oder Göring-Witzchen,
2) die Beteuerung, wie schrecklich doch der Krieg sei.

So kann niemand mehr behaupten, die Landser-Hefte verherrlichten die NS-Herrschaft oder den Krieg.


Der unsterbliche Charles Bukowski beschreibt in seinem genialen Gedicht “War and Piece” (auf Deutsch ungefähr: “Krieg und Ficken”) einen gewissen Domenico. Domenico macht sich im spanischen Bürgerkrieg einen schönen Tag. Er ballert nach Lust und Laune mit seiner Flinte herum und vergewaltigt die Frauen, die ihm über den Weg laufen, (junge). Kurz: der ideale Polizeibeamte. Abends ist Domenico natürlich müde. Zu Hause legt er sich sofort hin. Als seine Alte (die angetraute Gattin) doch noch in sein Blickfeld gerät, klagt Domenico: “Der Krieg ist grauenhaft!” und philosophiert vor dem Einschlafen, ob überhaupt irgendjemand existiert, der seine Alte vergewaltigen möchte.

Von gleicher Glaubwürdigkeit sind Tiraden über die Schrecken des Krieges in den Landser-Heften.

Die Landser-Hefte waren Ende der fünfziger Jahre ähnlich einflussreich wie die BILD-Zeitung. Dieses Schriftgut bewerkstelligte die mentale Wiederbewaffnung der BRD und ist im ländlichen Hessen immer noch Lieblingslektüre der Neonazis, vergleiche z.B. den “Tristan” im Jugendklub Langenstein. Das neonazistische Zupf- und Trommel-Orchester “Landser” ließ sich durch die Landser-Hefte inspirieren. Auch die Stimmung gegen die Ausstellung “Verbrechen der Wehrmacht” wurde hauptsächlich von Landser-Fans gemacht: “Mein Opa war anständig”.

Zurück zu Franosch: Nicht nur er wurde nervös, als ich ihn nach der Gedenktafel fragte. Der vorsitzende Richter Stüber herrschte mich an, was die Sache mit Gedenktafel mit dem Meineid-Verfahren zu tun hätte. Ich antwortete, ich sei dabei die Motivation zu klären, weshalb Franosch eine falsche Anklageschrift verfasst hatte; denn dass die Anklageschrift falsch ist, hatte Rechtsanwalt Reinecke aus Franosch herausgeholt. Ich sagte weiter zu Stüber, Franosch gehöre selbst zur rechten Szene. Seine gefälschte Anklageschrift ist ein Gefälligkeitsdienst für die Neonazis in und um Amöneburg.

Es gab dann wieder einen Skandal. Franosch blies sich schrecklich auf, bestritt aber nicht zur rechten Szene zu gehören. Stüber wollte mich mit seinem üblichen Briborium einschüchtern usw.usw.usw.. Eigentlich alles nur noch zum Ekeln.

Nächste Meineid-Veranstaltung am

1.6.2012 um 12 Uhr 30
Raum 20, Gebäude E,
Landgericht Frankfurt

Ulrich Brosa

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9 Antworten zu „Des Franosches zappelnde Füße und die Gedenktafel“

  1. R. Meier sagt:

    Schade, dass ich mir diese Schau nicht ansehen kann. Interessant, ich kenne einen Staatsanwalt, der hat einen Nazi für falschen Meineid mal eben hohe Strafen aufgebrummt. Er selbt war verheiratet mit einer Lateinamerikanerin.

  2. Erwin Thierfelder sagt:

    Hhhmmmh, Nazi falsch wegen Meineid verurteilt nur weil der Staatsanwalt mit einer Lateinamerikanerin verheiratet war?

    Das scheint mir nicht unbedingt von schlüssiger Logik geprägt? Nazi mit Lateinamerika ideologisch (weil “Ausland”) quasi “verfeindet” und gegen Lateinamerikaner “unfreundlich”? Ist es nicht eher so, die blutigsten alten Nazis, die Riege der “Alten Kameraden” fühlte und fühlt sich gerade in Südamerika besonders pudelwohl und “zu Hause”? Nach 1945 und teils schon vorher ausgeguckt?

  3. Free Wilhelm sagt:

    Hallo Herr Brosa,

    wie verlief denn nun die Veranstaltung am 01.06.? Immer noch kein Ende des Possenspiels in Sicht?

    • bloegi sagt:

      Die Veranstaltung verlief ganz anders als alle vorherigen. Der Vorsitzende Stüber wollte den Prozess am 1.6.2012 beenden, konnte es aber nicht, weil der öffentliche Dienst am Freitag früh Schluss macht und die Verteidiger gründlich plädieren wollten.

      Voraussichtlich letzter Termin am 22.6.2012 ab 10 Uhr, gleiche Stelle, gleiche Welle, siehe oben.

  4. Schlotter der Lügner « bloegi sagt:

    [...] mit Stimmungsmache gegen Ausländer und forderte Fußfesseln für Langzeit-Arbeitslose. Der extrem rechte Rechtsbeuger Rainer Franosch wurde unter ihm Staatsanwalt. Wenn der hessische Verfassungsschutz [...]

  5. LeserIn sagt:

    Die anständigen Landser in Italien

    Für Landser waren Italiener ein “Schweinevolk”

    “Mit der Landung der Alliierten in Sizilien Anfang Juli, wo die Truppen des königlichen (italienischen) Heeres in den Augen ihrer Verbündeten nicht tapfer genug kämpften und wo es zu ersten Feindseligkeiten zwischen Deutschen und Italienern kam, mit der Absetzung Mussolinis wenig später und mit der Erklärung des Waffenstillstands im September 1943 änderte sich das Italienbild vieler deutscher Soldaten grundlegend. In ihren Briefen nach Hause und ihren Tagebüchern griffen sie nun nicht selten auf beinahe wörtliche Zitate aus hasserfüllten deutschen Rundfunkansprachen zurück.

    Sie schrieben vom ‘Schweine- oder Lumpenvolk’ und berichteten von persönlichen Racheakten gegen die ‘verräterischen Italiener’. Für sie waren die ‘Italiener fast so schlimm wie die Juden’. …

    WELT 19.12.12

    Auf ihrem Rückzug aus Italien erschossen Wehrmachtssoldaten tausende Zivilisten. Das war natürlich sehr mutig.

  6. Alkohol « bloegi sagt:

    [...] Des Franosches zuckende Füße und die Gedenktafel [...]

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