Archive for September 2011

Dieser Vollidiot hält sich für Hitler persönlich

25 September 2011

Am 8.4.2011 war es wieder so weit: Burschenschaftstreffen der Berger-88-. Ich bin so dankbar, dass diesmal meine Haustür nicht eingeschlagen wurde, nicht einmal “Sieg Heil” gebrüllt, sondern nur “Heil Hitler” gemacht wurde. Doch das Würstchen-88-, welches dieses vollbrachte, ist mehr als ein gewöhnlicher Volksgenosse. Es ist eine Reinkarnation des Führers Adolf Hitler persönlich oder hält sich zumindest dafür.

Jenes Würstchen latschte um 21:17 Richtung Festplatz, als es die Kamera an meiner Haustür erblickte und beschloss davor zu posieren. Der erste Gruß war, wie unser Führer Adolf Hitler die braune Masse jovial zu grüßen pflegte: mit zurückgebeugter, nach oben offener Hand. Erst die Reinkarnation

Hitler Reinkarnation

nun das Original

Hitler original

Die Kommune behauptete damals, Hitler habe die Hand nach oben offen gehalten, damit das hinter ihm stehende Großkapital Geldschein-Bündel hineinlegen konnte.

Zurück zum -88-Gegenwartswürstchen. Dieses bot als nächstes den militärischen Gruß.

Gefreiter Adolf Hitler

Man beachte die dezente 88 auf der Kapuzen-Jacke. Wer sich vorstellen will, wie Hitler 1917 als Gefreiter aussah, kann dieses Bild als Vorlage nehmen. Denn vom Original gibt es leider kein passendes Foto. Anfänger in der Datenverarbeitung können das Bild hier ausdrucken und mit Filzstift den Tropfenfänger ergänzen; Nerds würden Photoshop dafür benutzen und bei dieser Gelegenheit die Nase ein wenig abplatten.

Schließlich verfiel der Gegenwartsvollidiot in den klassischen Führergruß.

Führergruß Kopie

Das ist originalgetreu gemacht. Denn anders, als die meisten Volksgenossen glauben, erfordert der echte Führergruß nur einen mäßig gehobenen Arm, der eher nach rechts als nach vorn weist, und der Daumen muss abgespreizt werden. Das Würstchen-88- muss wochenlang Hitler-Videos geguckt und vor dem Spiegel geübt haben.

Führergruß original

Zweifellos ein Verstoß gegen § 86a StGB.

Es ist nicht zu fassen, dass das schlechte und verantwortungslose Ordnungsamt Amöneburgs derartige Veranstaltungen zweimal im Jahr genehmigt. Inzwischen stehen dutzende Häuser in der Amöneburger Oberstadt leer, weil natürlich niemand sich die regelmäßigen Reichspogromnächte antun lassen will [1]. Noch schlechter und verantwortungsloser aber sind Polizei und Staatsanwaltschaft. Ich schickte eine Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft.

Die Ermittlungen wären einfach. Die Bilder reichen zur Identifikation. Das Personal des Burschenschaftstreffens ist zu einem beträchtlichen Teil namentlich bekannt. Die Polizei müsste die Leute nur prüfen.

Doch selbstverständlich kam nur der übliche Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft Marburg. Ich legte Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft ein. Die Generalstaatsanwaltschaft taugt auch nichts, aber man bekommt aufschlussreiche Behördenergüsse, weil sich die Behörden gegenseitig bekneifen. So auch diesmal. Meine Beschwerde löste ein Schreiben des Oberstaatsanwalts Jörg aus. Ich empfehle dringend es zu lesen. Dieses Schreiben ist der Knüller dieses Artikels. Jeder kann es haben, der auf der bunten Stelle im Text oder hier klickt. Das Ergebnis:

Die Staatsanwaltschaft Marburg hat einen Computer, der Ermittlungsverfahren gegen Neonazis automatisch einstellt. Auf die Ermittlungen selbst kommt es nicht an. Der Computer ist nur dazu da, um Zeit zwischen Anzeige-Erstattung und Versendung des Einstellungsbescheids verstreichen zu lassen. Der Anzeige-Erstatter soll glauben, es werde tatsächlich ermittelt.

In allen Statistiken zum Rechtsextremismus wird behauptet, dass Neonazi-Delikte in Hessen am seltensten sind. Das Schreiben des Oberstaatsanwalts Jörg zeigt, woran das liegt: In Wirklichkeit sind derartige Delikte in Hessen nicht selten, sie werden nur am seltensten vorfolgt. Kein Trick ist schäbig und keine Schlamperei dämlich genug, um den Mob machen zu lassen. In Brandenburg dagegen gibt es einen dicken Argentinier namens Erardo Rautenberg, der ausnahmsweise nicht von Eichmann abzustammen scheint. Rautenberg hat als Generalstaatsanwalt Rechtsextremismus-Delikte verfolgen lassen. Nur deswegen sind die Zahlen in Brandenburg höher als in Hessen.

Der Oberstaatsanwalt Jörg ist Staatsschutzdezernent und Abteilungsleiter in der Staatsanwaltschaft Marburg. Er ist als solcher verantwortlich für die Verbreitung des Rechtsextremismus in Marburgs Umgebung. Jörg kam von Gießen nach Marburg und wurde dabei zum Oberstaatsanwalt befördert im Gefolge des Strafverfahrens gegen Wilhelm Just. Dieser war als Anlagebetrüger verurteilt worden. (Anlagebetrug war damals das Mode-Delikt wie ein paar Jahre später Kinderporno.) Just wurde mit einen Deal traktiert, so dass sein angeblicher Anlagebetrug nie öffentlich diskutiert wurde. Meines Wissens ist das Geld, das Just damals hatte, lediglich in andere Taschen gewandert. In Marburg war Jörg Vorgesetzter des inzwischen bekannteren Staatsanwalts Franosch. Man könnte Jörg als Erz-Franosch bezeichnen. Doch anders als Franosch ist Jörg nicht mediengeil. Jörg tritt öffentlich selten auf und schickt meistens seine Untergebenen in die Verhandlungen. Dennoch ist Jörg verantwortlich nicht nur für seine eigenen, sondern auch für Franoschs Untaten. Jörg ist daran schuld, dass Franosch zum Oberstaatsanwalt befördert wurde. Jörg hätte die Generalstaatsanwaltschaft wahrheitsgemäß aufklären müssen.

Jörgs Schreiben enthält zudem das Eingeständnis, dass in der Pseudo-Ermittlungsakte 80 UJs 33728/11 StA Marburg der Einstellungsbescheid fehlt. Exzessive Schlampereien bei der Aktenführung sind in der Staatsanwaltschaft üblich. Die Folgen dieser Schlampereien müssen natürlich immer Nicht-Staatsdiener tragen. Die Behörden-Heinis und -Emmas werden nicht zur Verantwortung gezogen. Es ist halt ein “Büroversehen” oder eine “technische Ursache” passiert.


[1] Bekanntlich ging die Reichspogromnacht 1938 von Treysa aus. Sie war aber in Nordhessen nichts Besonderes. Vielmehr wurden Ausschreitungen ähnlicher Art regelmäßig geübt.

Mit Kriminellen ohne Polizei und Justiz fertig werden

16 September 2011

t-online-mafia

[Karikatur einer gefloppten Werbe-Kampagne von T-Online. Die Kampagne war so blöd, es war unvorstellbar, wie sie in Gang gesetzt werden konnte.]

Vor ein paar Tagen konnte ich mit meinem T-Online-Absender an viele Bekannte keine E-Mails mehr schicken. Einige kamen zurück mit solchen Fehlermeldungen:

A message that you sent could not be delivered to one or more of its recipients. This is a permanent error. The following address(es) failed:
info@XXX.de
SMTP error from remote mail server after RCPT TO: (info@XXX.de):
host mailin.rzone.de (81.169.145.101): 550 5.7.1 IP
listed on RBL (see http://www.spamhaus.org/query/bl?ip=194.25.134.82)

Auf Deutsch:

Eine Botschaft, die du gesendet hast, konnte an einen oder mehrere Adressaten nicht ausgeliefert werden. Das ist ein dauernder Fehler. Die folgende Adresse versagte:
info@XXX.de
SMTP(ein E-Mail-System)-Fehler eines nichtlokalen E-Mail-Verteilers bei der Weiterleitung zu
info@XXX.de:
Der Provider mailin.rzone.de (81.169.145.101) Strato sagt: 550 5.7.1 IP steht auf der Spam-Liste (siehe http://www.spamhaus.org/query/bl?ip=194.25.134.82)

194.25.134.82 ist eine T-Online-Adresse.

Im Internet wird dermaßen viel Schmutz (Spam) verteilt, dass einige Service-Anbieter, z.B. http://www.spamhaus.org, so genannte Schwarze Listen (BLACKLISTS BL) anbieten, auf denen IP-Adressen derjenigen Provider stehen, welche besonders viel Schmutz verschicken. Andere Provider, die nicht wollen, dass ihre Festplatten mit Spam zugemüllt werden, nutzen die Listen, um E-Mails der Schmutz-Versender von vornherein abzublocken.

Auf mehrere solche Listen ist auch T-Online geraten. Grund dafür war, dass Kriminelle T-Online-Konten massenweise gestohlen und für Spam-Versand ausgenutzt haben. Der Diebstahl wurde mit trügerischen E-Mails eingeleitet. Zum Beispiel:

Von: t-online ServiceX <report@newtonwelt.de>
Antwort an: tonlineservice@sify.com

Lieber T-Online Kunde

Dieses ist in Verbindung mit T-on-line und Netz-erklдrenbenutzer, haben wir Kontostцrung gehabt, folglich, das wir uns entschieden haben, unsere Datenbank zu aktualisieren.

Re-confirm Ihr T-on-line-Konto, indem Sie die Anweisungen unten befolgen.

Fьllen Sie den Raum unten aus, um Ihr T-on-line-Konto zu validieren.

Wir schicken Ihnen diese eMail, damit wir in unseren E-Mail-Serviceen verbessern kцnnen. Wenn Sie fьr Ihre Anwendung interessiert werden, KLICKEN Sie DEN ANTWORT-KNOPF FЬLLEN SIE INFORMATIONEN UNTEN.

* Benutzername: ——————–
* Passwort: ——————–
* Geburtsdatum: ——————–
* Security Frage: ——————–
* Antwort: ——————–
* Land oder Region: ——————–

Nachdem Sie die Anweisungen im Blatt befolgt haben, wird Ihr Konto nicht unterbrochen.

Dank fьr Ihre Aufmerksamkeit zu diesem Effekt. Wir entschuldigen uns fьr jede mцgliche Unannehmlichkeit.

Warnung! Kontoinhaber, der ablehnt, Konto nach drei Tagen des Empfangens dieser Warnung zu aktualisieren, wьrde sein Konto dauerhaft verlieren.

Herzlichst.

T-on-line-Konto-Dienstleistungen

Auf die Frage nach dem Benutzernamen und dem Passwort kommt es an.

Die Trug-Mail ist so blöd, es ist unvorstellbar, dass tausende Leute darauf reingefallen sind. Aber es gibt sogar hunderttausende Leute, die thermische Solaranlagen gekauft haben.

Wer schützt einen vor solchen Kriminellen? Unter Garantie nicht die vielen Kriminellen in Polizei und Justiz. Man muss es selbst tun – in Gemeinschaft mit anderen. Der einzige Schutz ist INFORMATION.

Natürlich habe ich sofort Beschwerde bei T-Online geführt. Nach ein paar Tagen kam eine Antwort, unter der stand:

Hinweis: Diese E-Mail und/oder die Anhänge ist/sind vertraulich und ausschließlich für den bezeichneten Adressaten bestimmt. Jegliche Weitergabe dieser E-Mail ist untersagt.

Dem Wunsch nach Nicht-Veröffentlichung komme ich gern nach, weil in der Antwort-Mail nur stand, was schneller und besser bei Heise erklärt wurde. Nichtsdestoweniger ist der Verheimlichungsbefehl eine Narretei, die einer Justizbehörde würdig wäre.

Ich schreibe es noch einmal deutlich-vulgär: Datenschutz ist Scheiße. Wer sich für Datenschutz einsetzt, ist schwachsinnig. Für Diskretion persönlicher Angelegenheiten kann jeder sorgen, indem er sich nicht exponiert. In den Behörden werden die Daten der BürgerInnen hemmungslos verschoben. “Datenschutz” und noch wohlklingender “Schutz der Persönlichkeitsrechte” bedeutet nur, dass sich die Opfer gegen Verbrecher nicht wehren dürfen, weil sie zum Schweigen verurteilt werden.

Ich schreibe das auch wegen einiger aktueller Aktionen der so genannten Adressbuch-Betrüger, die ähnlich vorgehen, wie die Typen oben mit der Pseudo-T-Online-Trug-Mail.

BILD schlachtet den Dschingis-Hahn

7 September 2011

In Anbetracht der Schlechtigkeit der Justiz einerseits, der Dummheit, Feigheit und Schwäche der Justizkritiker andererseits müsste man verzweifeln, wenn es nicht die die BILD-Zeitung gäbe.

BILD ist seit geraumer Zeit beschäftigt dafür zu sorgen, dass der Rechtsanwalt Jörg-Uwe Hahn von der FDP, der zur Zeit hessischer Justizminister ist, nicht wiedergewählt werden wird. BILD nennt ihn Dschingis-Hahn, seitdem er eine angebliche Dienstreise in die Mongolei unternahm, während dort gefeiert wurde:

Dschingis-Hahns Reise immer bizarrer

Dankenswerterweise hat BILD darauf verzichtet, das übliche Nackt-Bild von Hahn zu publizieren. Die Männer auf diesem Foto sind nicht fett genug; keiner von ihnen kann Dschingis-Hahn sein. Das Foto soll nur illustrieren, woran er sich bei seiner mongolischen Reise ergötzte:

Ein Trachtenspektakel, auf dem „Archi“ (vergorene Stutenmilch) und „Airag“ (Yak-Milchschnaps) in Strömen fließen. Höhepunkte der mehrtägigen Feiern: Ringkämpfe, Pferderennen, Bogenschießen – und Murmeln mit Schafsknochen.

Hier aber hat BILD den Dschingis-Hahn beim Krähen ertappt:

und titelt bei anderer Gelegenheit:

Mörder, Räuber, Vergewaltiger
Hahn will Schwerverbrecher nach Hessen holen

Hier zeigt BILD den Dschingis-Hahn geistig-schlicht:

Warum tut BILD das? Hat Springer Elfriede Prozesse in Hessen verloren und will sich rächen? Unmöglich ist das nicht. Doch würde man die Professionalität der BILD-Redaktion unterschätzen, wenn man wähnte, sie würde ihr Ziel jemals aus den Augen verlieren: Absatz. Die BILD-Zeitung muss jeden Tag millionenfach verkauft und BILD-Online millionenfach angeklickt werden. Das aber geschieht nur, wenn die Leute dort finden, was sie finden wollen. BILD schmäht Hahn, weil Hahn extrem unbeliebt ist.

Andere Zeitungen haben das auch schon gemerkt. Der Hals-Nasen-Arzt zeigt Hahn ebenfalls aufgeplustert:

zeigt ihn auch geistig-schlicht:

und schießt mit diesem Foto den Vogel ab:


Im Artikel darunter steht, dass Dschingis-Hahn den hessischen Strafgefangenen zumindest Unterhosen aus Papier gönnen muss. Ganz ohne geht nicht.

Hessische Gerichte sind bekanntlich eifrig dabei, Leute für verrückt zu erklären.


Wie wäre es, wenn die hessische Justiz den hessischen Justizminister anhand dieser Fotos in eine Klappse einwiese?

Nein, Hahn ist nicht verrückt, aber er ist schrecklich dumm. Immerhin wird er nach ein paar Jahren abwählt werden. Sein Personal aber, Richter und Staatsanwälte nicht klüger als er, wird bleiben und für viele Jahre schreckliche Schäden anrichten.

Hinweis: Wenn Sie die Artikel zu den Fotos haben wollen, müssen Sie auf den Fotos mit der Maus klicken.


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