Archive for Februar 2011

Guttenbergs Geist

17 Februar 2011

guttenberg im acdc-shirt

[Bundesverteidigungsminister v.u.z.Guttenberg auf der Autobahn zur Hölle]

In zahlreichen Presse-Erzeugnissen wird behauptet, Dr. Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg habe das Internet und das bekannte Kopier&Schmier (Copy&Paste) benutzt um seine Doktorarbeit abzufassen. Ich halte derartige Anschuldigungen für völlig abstrus. Vielmehr imaginiere ich, was sich demnächst in einer abgelegenen Kemenate des freiherrlichen Stamm-Schlosses abspielen wird:

Freiherr v.u.z.G. hat seinen Geister-Schreiber (Ghost-Writer) einbestellt.

v.u.z.G. brüllt: Verdammt noch mal!

Geister-Schreiber klirrt mit seinen Ketten.

v.u.z.G. leiser: Hätte Er nicht wenigstens die Sätze dieser Zehnpfenning umstellen können?

Geister-Schreiber heult: Ich bin so arm.

v.u.z.G.: Von wegen 10 Pfennig! 3000 Euro hat Er bekommen.

Geister-Schreiber wimmert.

v.u.z.G. brüllt: In den Kerker mit Ihm!

Bild: Barbara Zehnpfennig

[Schreckensschreie sollten Sie sich sparen: Unbestätigten Gerüchten zufolge ist das der Geist, der des Freiherrn Doktorarbeit verfassen musste. Nach bestätigten Berichten erscheint der Geist im bürgerlichen Leben als geschädigte Jura-Professorin Dr.(echt) Barbara Zehnpfennig. Mausklicken Sie auf dem Bild, wenn Sie Zehnpfennig groß sehen wollen!]


Nachtrag 3.3.2011

Aus einer E-Mail, die ich heute von Gabor Steingart erhielt, dem Chefredakteur des Handelsblatts:

Rüstungsindustrie atmet auf
Die deutsche Rüstungs- und Sicherheitsindustrie ist erleichtert über den Chefwechsel im Verteidigungsministerium. Sie erhofft sich einen stärkeren Dialog.

Man kann also die Frage stellen, ob es wirklich “das Internet” war, welches v.u.z.Guttenberg zu Fall brachte, ob nicht eher die Rüstungsindustrie über den öffentlichkeitssüchtigen und unfähigen Verteidigungsminister verärgert war. Schon wenige Tage nach Aufkommen der Plagiatsvorwürfe bezogen die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Financial Times Deutschland Stellung gegen Guttenberg, siehe die Kommentare unten, ein deutlicher Hinweis darauf, dass die in den Massenmedien verbreitete Darstellung des Konflikts mit den wirklichen Ursachen wenig zu hatte.

Es gibt dazu einen Artikel des Handelsblatts, den jedoch nicht alle lesen können, sondern nur die, welche ein Passwort haben.


Andachtswinkel für Karl Theodor

Bier

Karl Theodor zu Guttenberg

[Der Aristokrat auf Quoten-Jagd bei den völkischen Alkoholikern]

Vorbild Antonio Pelle

Als die Namen der korrumpierten Hochschullehrer bekannt wurden, ging ein Aufschrei des Entsetzens durch die Universität von Reggio Calabria, in der süditalienischen Region Kalabrien. Ermittelt wurde und wird gegen angesehene Professoren und einige ihrer Studenten. Wie zum Beispiel gegen Antonio Pelle. Der 24-Jährige, bekannt für seine teuren Schuhe für 1500 Euro, dicke Autos und ein angeberisches Auftreten, studierte an der Uni in Reggio Calabria Arboristik. [...] Warum der junge Mann, Sohn des mächtigen Mafiabosses Salvatore Pelle, einen Hochschulabschluss haben wollte, ist unklar. Klar ist hingegen, dass er ihn nicht rechtens erwarb, berichtet der investigative Journalist Marco Travaglio:

„Es gab geheime Telefonate, die von der Anti-Mafia-Polizei abgehört wurden. Da fragt Antonio Pelle einen Professor wie der Studiengang heißt, in dem er einen Abschluss erhält und der Prof sagt es ihm, doch Pelle kann das Wort gar nicht richtig aussprechen. Und doch verkündet Pelle kurze Zeit später seinen Verwandten, dass er eine hervorragende Abschlussnote erhalten habe. [...]

Die Ermittler der Anti-Mafia-Polizei führen nun, dank abgehörter Telefonate, verschiedene Professoren als korrupt vor. Sie wurden von den Bossen direkt oder einem ihrer Mitarbeiter auf einen Sohn oder eine Tochter hingewiesen. In der mafiösen Kultur Süditaliens brauchten diese Hochschullehrer nicht unter Druck gesetzt zu werden. Allein der Hinweis auf den Nachwuchs eines lokalen Bosses reicht aus, dass die Wünsche des Vaters umgehend erfüllt werden, denn schließlich will man sich und seine Familie keiner Gefahr aussetzen. Die korrumpierten Professoren erhielten für gefälschte Testergebnisse zu Aufnahmeprüfungen, Semesterarbeiten und Hochschulabschlüsse Geld, Ferienurlaube – und auch ganze Wildschweine geschenkt.

Deutschlandfunk 22.12.2010

Anmerkung der Redaktion: Arboristik ist die Kunde von den Bäumen.

Schönheit

In Italien ist sowieso der Sinn für Bellezza seit Jahrtausenden feiner ausgebildet als in Franken.

Silvios Geschmack (Berlusconi hier nicht auf dem Bild) ist besser als der des Karl Theodor:

Gastkommentar

Karl Theodor hat im Nordbayrischen Kurier einen Gastkommentar über die Lage in Franken veröffentlichen lassen.

Guttenberg speise die Oberfranken „mit abgedroschenen, völlig nichtssagenden Phrasen“ ab, ärgert sich eine Leserbrief-Schreiberin. Auf fast einer halben Zeitungsseite werde nichts gesagt über Leerstände, verfallende Gewerbebetriebe, fehlende Arbeitsplätze in den ländlichen Gebieten, „schönfärberischer geht’s nimmer“. Ein anderer glaubt „belangloses politisches Geschwafel“ zu lesen und moniert: „Schöne Worte wie ,strategische Konzepte, dynamische Mitte und Doppelstrategie’ ergeben aneinandergereiht noch lange keinen sinnvollen Kommentar.”
… wirken die beeindruckend mäandernden Sätze, an die man sich aus Guttenbergs Reden gewöhnt hat, in schriftlicher Form plötzlich wie eine “Kabarett-Nummer zur Veralberung von Polit-Sprech”.
… meint Passagen wie diese (von Guttenberg geschriebenen):

„Eine nicht zu vernachlässigende Rolle nimmt in diesem wichtigen, zukunftsbestimmenden Prozess unbestritten die Regionalplanung ein. Geschuldet ist diese herausgestellte Verantwortung dem Umstand, dass das Faktum regionaler Unterschiede und Besonderheiten kaum Lösungen für die gesamtdeutsche Herausforderung erlaubt.

Entsprechend sind also auch kommunale, an die Regionen und ihre Eigenschaften adaptierbare, strategische Konzepte notwendig, um den durch die demografische Entwicklung gestellten Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Oberfranken muss sich im Hinblick auf eine solche vorausschauende und entsprechend erfolgreiche sowie nachhaltige Bewältigung der gestellten Aufgaben nicht vorauseilend abducken.“

Süddeutsche Zeitung 5.2.2011

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Public-Relations-Fachleute raten: Lassen Sie sich zusammen mit Kindern als guter Onkel ablichten. Wirkt immer.

Guttenberg als guter Onkel


Vergangenheit und Zukunft

So sah Guttenbergs Vorbild 1962 aus:

Franz-Josef Strauß 1962

So sieht Guttenberg jetzt aus (2011):

Und so wird Guttenberg in ein paar Jahren aussehen:

Bild: alter Franz-Josef Strauß


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